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Drehbücher Block 1 (Auftaktwoche + Wochen 1–7): Klassenführung & Routinen

Drehbücher Block 1 (Auftaktwoche + Wochen 1–7): Klassenführung & Routinen

Konventionen (gelten für alle Drehbücher): Die Auftaktwoche dauert einmalig 90 Minuten (Kickoff und Grundlagenmodul), alle weiteren Sitzungen 60 Minuten. Standardraster jeder 60-min-Sitzung: Min. 0–2 Ankommen (Quiz liegt bereit, Timer läuft) · 2–8 Retrieval-Starter (5 Fragen, Muster 3-2-1: aktuell/älter/Anwendung; erst Einzelarbeit schriftlich, dann Aufrufen ohne Meldung) · 8–28 Input mit „See it" (Beispiel/Video/Demo VOR Begriff) · 28–33 „Name it" (Technik in Teilschritte zerlegen) · 33–52 „Do it" (Skripten → Rollenspiel → Feedback → 2. Durchlauf) · 52–58 Action Step schriftlich · 58–60 Exit-Karte („leuchtet ein / bin skeptisch"). Moderationstexte kursiv sind Vorschläge. Rollenspiel-Grundregeln ab Woche 1: Wer Lehrkraft spielt, spielt ernsthaft; „Klasse" stört nur auf Regieanweisung (Störkarten); Feedback immer zuerst „Was war wirksam?", dann EIN Verbesserungsimpuls; jede Sequenz wird nach Feedback sofort wiederholt (das Wiederholen ist der Lerneffekt, nicht das Feedback).


AUFTAKTWOCHE: Kickoff & mentale Modelle (Drehbuch, 90 min)

Material: Programm-Landkarte A3 pro TN; Kompetenzmatrix-Bogen (8 Felder, 4 Stufen); Zielvereinbarungs-Formular; Handout „Die fünf Modelle" (erst ab Min. 55 austeilen!); Beobachtungsbogen „Erste 5 Minuten"; Kamera-Einverständnisse.

Min. Phase
0–5 Begrüßung durch Schulleitung (Signal: Programm hat Priorität – EEF: credible source & goal setting)
5–15 Warum dieses Programm so gebaut ist: Kernbotschaft „Lehrer-Können ist trainierbar" (3 Versprechen / 3 Bitten)
15–25 Programm-Landkarte: 6 Blöcke, 3 Formate, Meilensteine
25–35 Selbsteinschätzung Kompetenzmatrix (Baseline W0)
35–57 Die fünf mentalen Modelle (Rätsel → je Modell Alltagsbeispiel → Prinzip → Folgerung; Handout erst am Ende)
57–62 Blitz-Zuordnung: 8 Situationen → Modellnummer per Fingerzeichen
62–70 Perspektivwechsel im Tandem (eigenes Ärger-Erlebnis vom Partner durch ein Modell umdeuten)
70–82 Erste Mini-Übung: 30-Sek.-Begrüßungssequenz skripten & vorspielen
82–88 Zielvereinbarung, Tandem-Bildung, Action Step
88–90 Exit-Karte

Input-Kern (Min. 5–15): Bill-Rogers-Anekdote aus Lovells Einleitung nacherzählen (der erfahrene Podcaster, der glaubte, nur „Erfahrung oder ein lauter Bariton" könne helfen – bis er sah, dass es lernbare Techniken sind). Dann:

„Dieses Jahr behandelt euch nicht als Mängelwesen, sondern als Profis im Aufbau eines Handwerks. Drei Regeln: Erstens – hier wird geübt, nicht nur geredet; heute in 20 Minuten zum ersten Mal, es fühlt sich am Anfang albern an, das ist normal und geht vorbei. Zweitens – ein kleiner Schritt pro Woche, konsequent, schlägt jede Rundum-Erneuerung. Drittens – Coaching ist Entwicklung, nichts davon landet in einer Beurteilung."

Modelle-Kern (Min. 35–57): Fünf Modelle in fester Dramaturgie: 1. Gedächtnis (Telefonnummer rückwärts vs. Geburtsdatum rückwärts), 2. Gewohnheiten (Zähneputzen → Routinen sind Denk-Befreiung), 3. Aufmerksamkeit („Gelernt wird, was beachtet wird"), 4. Motivation ist sozial (Normen schlagen Regeln – erklärt Rätsel „andere Klasse bei Kollegin M."), 5. Beziehung ist Ergebnis, nicht Vorbedingung. Meta-Kommentar am Ende: „Beispiel vor Begriff – und das Handout kam absichtlich zuletzt."

Perspektivwechsel (Min. 62–70): Tandem, je 3 Min.: eigenes Ärger-Erlebnis erzählen, Partner deutet es NUR durch eines der fünf Modelle um (nicht trösten, nicht raten). Der wichtigste Wellbeing-Schutz des ersten Jahres – wird nicht gekürzt.

Mini-Übung (Min. 70–82): Jeder skriptet die ersten 30 Sekunden nach der schulischen Begrüßungsroutine (Aufstehen–Gruß–Setzen): exakter Wortlaut des Grußes + Setz-Signal + erster Satz danach. In Tandems 2× vorspielen. Ziel ist NICHT Perfektion, sondern: die Hemmschwelle „laut üben vor Kollegen" fällt am Tag 1.

Action Step: siehe Curriculum (Beobachtungsauftrag „Erste 5 Minuten"; Alternative bei akutem Druck: Begrüßungsroutine vollständig durchführen). Coaching: Terminplan fixieren; Einverständnisse Baseline-Video einsammeln; Baseline-Video-Termin für Woche 1.

SPA-Quiz-Kern: F: „Wodurch ändert sich Unterrichtsverhalten am zuverlässigsten?" a) Einsicht durch gute Bücher ✗ b) Berufserfahrung allein ✗ (verbreitetster Mythos) c) gezieltes Üben mit Feedback ✓ d) Persönlichkeitsreife ✗.


Woche 1: Hohe Erwartungen – Verhalten ist ein Curriculum (Drehbuch)

Material: Handout „vage → spezifisch" (6 Beispielpaare); Erwartungs-Canvas (Verhalten / sichtbar woran? / Begründungssatz); Beobachtungsbögen aus dem Auftakt (TN bringen mit!).

Retrieval-Starter (5 Fragen): 1. Nenne die fünf mentalen Modelle. 2. Warum ist „gestern konnten sie es noch" ein Gedächtnis-, kein Faulheitsproblem? 3. Was folgt aus „Motivation ist sozial" für Störungen? 4. Ergänze: Gelernt wird, was ___ wird. 5. (Anwendung) Deine Klasse startet chaotisch – welche zwei Modelle erklären das am ehesten?

Brücke vom Auftakt (Min. 8–12): 3–4 TN berichten je 60 Sek. aus ihren Beobachtungsbögen. Moderation clustert am Flipchart: Fast alle Befunde laufen auf „Meine Erwartungen waren unsichtbar" hinaus – das ist die Überleitung.

Input (Min. 12–28), Dramaturgie in 3 Schritten:

  1. See it: Kontrastpaar vorlesen/zeigen: Lehrkraft A sagt „Kommt bitte ordentlich rein und seid respektvoll" vs. Lehrkraft B: „Still eintreten, in 60 Sekunden arbeitet ihr am Starter, Heft offen bei den Hausaufgaben." Frage an Plenum: Bei wem wissen SuS, was zu tun ist – und bei wem lässt sich Erfüllung überhaupt PRÜFEN?
  2. Prinzip: Verhalten ist ein Curriculum (Lovell P5) – erklären, modellieren, üben, prüfen, Feedback: exakt wie Bruchrechnen. Niemand erwartet fehlerfreie Bruchrechnung nach einmaligem Erklären.
  3. Fenster-Logik (Lovell P3): Hoch starten schafft Spielraum – Lockern ist billig, Nachschärfen teuer. Für TN, deren Klassen schon „gekippt" wirken: „Das Fenster öffnet sich neu: nach jeden Ferien, nach jedem Wochenende, mit jeder explizit neu eingeführten Erwartung. Ihr seid nicht zu spät."

Name it (Min. 28–33): Qualitätskriterien einer Erwartung:

  1. beobachtbar,
  2. messbar/zählbar,
  3. positiv formuliert (was TUN, nicht was lassen),
  4. mit Ein-Satz-Begründung,
  5. per Cold Call prüfbar („Behavioural CFU").

Do it (Min. 33–52):

Action Step: „Ich führe am Montag EINE nachgeschärfte Erwartung explizit ein: erklären + Begründung + Behavioural CFU (2 SuS wiederholen lassen) + in den Folgestunden konsequent einfordern." Alternative: Erwartungs-Neustart für die ganze Begrüßungsroutine (für TN, bei denen sie zäh läuft).

Coaching-Fokus: Wortlaut-Protokoll der Erwartungseinführung; Check: Wurde geprüft, ob die Erwartung verstanden wurde?

SPA-Quiz (Auswahl): F1: „Hohe Erwartungen bedeutet vor allem…" a) Strenge und Härte ✗ b) Klarheit + Zutrauen + Konsequenz ✓ c) viele Regeln ✗ d) keine Ausnahmen, nie ✗. — F2: „Deine Klasse erfüllt eine gut erklärte Erwartung nach 3 Tagen nicht. Beste Deutung:" a) Die Klasse ist unwillig ✗ b) Verhalten braucht wie jeder Lernstoff Übung + Feedback ✓ c) Die Erwartung war zu hoch ✗ (voreiliges Absenken!) d) Konsequenzen fehlen ✗ (teilrichtig-Distraktor).


Woche 2: Die Zäsuren der Stunde – starker Start, geordnetes Ende (Drehbuch)

Kontext Schule: Kein Türschwellen-Ritual – die Lehrkraft betritt den Raum, die Klasse ist i. d. R. schon da. Ritual: Alle stehen auf → Begrüßung → Setzen. Das gesamte Drehbuch baut darauf.

Material: Skript-Vorlage dreispaltig (Tool / Wortlaut kursiv / Aktion & Hinweise – Lovell-Format, ab jetzt Standard); Störkarten-Set A („2 SuS bleiben sitzen", „Kichern beim Aufstehen", „Getuschel nach dem Setzen", „Frage platzt in den Starter"); Handout „Ende-Bausteine"; Timer.

Retrieval-Starter: 1. Nenne die 5 Kriterien einer guten Erwartung. 2. Warum öffnet sich das Erwartungs-Fenster immer wieder? 3. Welches mentale Modell begründet, dass Routinen Denken FREISETZEN? 4. Was ist Behavioural CFU? 5. (Anwendung) Formuliere „Seid leise beim Reinkommen" spezifisch um.

Input (Min. 8–30):

  1. See it (Kontrast, ggf. als Live-Demo der Moderation in 2 Varianten gespielt!): Variante A (schwach): Lehrkraft kommt rein, redet schon beim Reingehen, „ja ja, setzt euch", die Hälfte steht halb, es dauert 90 Sekunden bis zur ersten Aufgabe – und niemand weiß genau, wann die Stunde eigentlich angefangen hat. Variante B (stark): Lehrkraft geht wortlos zu ihrem festen Punkt, stellt sich hin, wartet ruhig, bis ALLE stehen und es still ist (und wartet notfalls 10 Sekunden länger – schweigend, freundlich), grüßt warm, gibt das Setz-Signal und koppelt daran in EINEM Satz den Starter: „Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: Starter an der Tafel, vier Minuten, still." Timer läuft ab dem Setz-Signal.
  2. Analyse-Frage ans Plenum: Was genau hat B anders gemacht? (Sammeln → deckt sich mit Name-it-Zerlegung.)
  3. Theorie-Anker: Die Routine ist unser „Strong Start" (Lemov-Adaption) – dieselben drei Funktionen wie Lemovs Türritual: klare Zäsur (alle Gehirne: „jetzt beginnt etwas anderes"), warmer Kontakt, erster 100%-Moment der Stunde. „Eine durchgewunkene Begrüßung ist nicht neutral – sie unterrichtet aktiv die Norm ‚halbherzig reicht hier'. Zweimal täglich." Plus Do Now (Lemov T20): Aufgabe hängt/steht BEVOR gegrüßt wird; ohne Erklärung lösbar; idealerweise Wiederholung.
  4. Stundenende selbst bauen (Min. 28–31, Lovell R12 / Lemov T31): Puffer (Ende 3 Min. vor dem Klingeln geplant, Rest ist Reserve) · geordneter Abschluss (Packen auf Signal, fester Abschiedssatz von der festen Position – für das Ende gibt es an unserer Schule KEIN gemeinsames Ritual, die Form wählt jede Lehrkraft selbst, die Konstanz ist Pflicht) · Reservekarten (2–3 Abruf-Fragen). Verbotssatz: „Ihr könnt schon mal leise packen."„Die letzte Minute unterrichtet die Norm für morgen früh."

Name it (Min. 30–34): Die Routine in 7 Teilschritten – dazu die 3 Ende-Bausteine auf dieselbe Tafelhälfte:

  1. Material/Starter ist vor dem Gruß sichtbar,
  2. fester Standpunkt,
  3. Warten auf 100 % Stehen + Stille – schweigend,
  4. warmer Gruß mit Blick durch den Raum,
  5. Setz-Signal + immer derselbe Starter-Satz,
  6. Timer startet,
  7. Lehrkraft scannt (geht NICHT sofort an den Rechner!).

Do it (Min. 31–52): Rollenspiel-Karussell in Vierergruppen: Jeder spielt die komplette Sequenz (Schritte 1–7) einmal durch, „Klasse" spielt zunächst kooperativ; im 2. Durchlauf zieht die Regie EINE Störkarte. Feedback-Fokus: Schritt 3 (Warten aushalten – der häufigste Fehler ist Grüßen in die Unruhe hinein) und Schritt 5 (Satz-Konstanz). Danach: eigenes Skript in Reinform notieren (dreispaltig) → wandert ins Playbook.

Action Step: siehe Curriculum (Do Now einführen; Starter hängt vor dem Gruß, Setz-Signal = Timerstart, immer derselbe Satz). Alternative für Fortgeschrittene: Sekunden von Setz-Signal bis „90 % arbeiten" täglich messen und auf <60 senken.

Coaching-Fokus: Erste 10 Minuten; Stoppuhr; Protokoll: Wurde auf 100 % gewartet oder in Unruhe hineingegrüßt?

SPA-Quiz: F1: „Die Klasse steht beim Ritual unruhig und halbherzig. Beste Reaktion:" a) trotzdem grüßen, um Zeit zu sparen ✗ (Kernfehler!) b) schweigend warten, ggf. ruhig neu ansetzen ✓ c) das Ritual abschaffen, es wirkt kindisch ✗ (Sek-II-Mythos) d) Ermahnung an Einzelne vor dem Gruß ✗. — F2: „Ein gutes Do Now…" a) führt ins neue Thema ein und braucht kurze Erklärung ✗ b) ist ohne Hilfe lösbar und wiederholt Altes ✓ c) ist eine Pufferbeschäftigung ✗ d) wird eingesammelt und benotet ✗.


Woche 3: Aufmerksamkeit, glasklare Anweisungen & Übergänge (Drehbuch)

Material: Handout „12-Wörter-Anweisungen" (5 vage Beispiele zum Umbau); Störkarten-Set B („5 SuS reagieren nicht aufs Signal", „einer äfft das Signal nach"); Videoclip oder Live-Demo.

Retrieval-Starter: 1. Die 7 Teilschritte unserer Begrüßungsroutine? 2. Warum wartet man schweigend auf 100 %? 3. Kriterien gute Erwartung (W1)? 4. Welches Modell erklärt: Ansage ≠ Ankommen? 5. (Anwendung) Dein Do Now: Woran erkennst du, dass es zu schwer war?

Input (Min. 8–26):

  1. See it – Live-Demo Negativ/Positiv: Moderation spielt: (A) redet gegen Murmeln an, wird lauter, Anweisung in 40 Wörtern mit drei Einschüben; (B) Signal → schweigend warten → Blickkontakt 100 % → „Stifte weg. Blick zu mir. Danke." → Anweisung in Schrittfolge.
  2. Prinzipien: Nie gegen Unruhe sprechen (was in Unruhe gesagt wird, adelt die Unruhe); What to Do (Lemov T52): konkret–sequenziell–beobachtbar–knapp; Brighten the Lines (T28): Start-/Endsignale scharf („In 3, 2, 1 – los"); Sprachökonomie: Anweisung → Stopp. Nicht nachplätschern.
  3. Merkhilfe: „Erst der Körper (Position, Stille), dann das Signal, dann die Worte – und so wenige wie möglich."
  4. Übergänge (Lovell R5) als Anwendungsfall: ein Übergang ist Signal → warten → nummerierte What-to-Do-Anweisung → Kante. „Macht euch fertig für die Gruppenarbeit" sind vier Aufträge in einem Nebel. Bei Zerfasern: Do It Again (T51), neutraler Ton. Kein neuer Inhalt – nur ein Name für das, was gerade geübt wurde.

Name it (Min. 28–33): Anweisungs-Vierercheck: konkret? sequenziell? beobachtbar? ≤ 12 Wörter pro Schritt? – plus Signal-Standard: Signal geben → warten → erst bei 100 % sprechen – plus Übergangs-Formel: Signal → warten → nummerieren → Kante → (bei Bedarf) Do It Again. Im Do it hängt jede Person an ihren Signal-Einsatz direkt einen Übergang an.

Do it (Min. 31–52):

Action Step: siehe Curriculum (Signal etablieren; erst sprechen, wenn alle Stifte liegen). Alternative: Wörter zählen – eine Woche lang jede Arbeitsanweisung vorher schriftlich auf ≤ 12 Wörter/Schritt kürzen.

SPA-Quiz: F1: „Die Klasse murmelt nach dem Signal weiter. Du…" a) sprichst lauter ✗ (Intuition!) b) wartest schweigend, Blick durch den Raum ✓ c) beginnst einfach – die Wichtigen hören zu ✗ (90%-Falle) d) drohst Konsequenzen an ✗. — F2: „Welche Anweisung ist What-to-Do-konform?" a) „Seid jetzt bitte mal konzentriert" ✗ b) „Buch S. 12, Aufgabe 3, allein, still – los" ✓ c) „Nicht mehr reden!" ✗ (negativ) d) „Wir wollten doch weiterarbeiten" ✗.


Woche 4: Präsenz – Körper, Stimme, Register, Selbstregulation (Drehbuch)

Material: freier Spielraum; ggf. Handykameras für Selbst-Clips; Karte „Mein Reset-Anker" (Vorlage: Auslöser → Körperanker → innerer Satz).

Retrieval-Starter: 1. Vierercheck für Anweisungen? 2. Warum nie gegen Unruhe sprechen? 3. Teilschritt 3 der Begrüßungsroutine und seine Begründung? 4. Was ist Brighten the Lines? 5. (Anwendung) Formuliere ein Endsignal für Gruppenarbeit.

Input (Min. 8–24): Kernbotschaft: „Souveränität ist zum großen Teil Verhalten, und Verhalten ist übbar – ihr müsst nicht erst jemand anderes WERDEN." Vier Stellschrauben mit je 60-Sek.-Demo durch Moderation:

  1. Stillstand bei wichtigen Ansagen (square up – kein Nebenbei-Laufen, kein Material-Sortieren);
  2. Register (Lemov T57): formales Register für Anweisungen (ruhig, tief, wenig Worte, Pausen) vs. warmes Register fürs Gespräch – der WECHSEL ist das Werkzeug; direkt daran anschließend Warm/Strict (T61) als wichtigste Registeranwendung: warmer Ton + unverhandelbare Sache im selben Satz, Muster „Weil [Zutrauen], [Standard]." – im Do it schreibt und spricht jeder zwei eigene Warm/Strict-Sätze;
  3. Weniger Worte + Pausen = mehr Gewicht;
  4. Emotional Constancy (T62): Ärger nie in die Stimme; Störung depersonalisieren („Es ist fast nie persönlich – Modell 4, ihr wisst es seit dem Auftakt").

Dazu Selbstregulation (Lovell R3): Vor der Reaktion 1 Ausatmen + innerer Satz („Ruhig. Ich habe Zeit.").

Name it (Min. 24–29): Präsenz-Checkliste: Stand fest? Hände ruhig? Register bewusst gewählt? Pause vor der Ansage? Stimme am Satzende unten (Aussage, nicht Bitte)?

Do it (Min. 29–52): Körper-Labor in Dreiergruppen: dieselbe Anweisung („Bücher zu. Stifte weg. Blick zu mir.") in 4 Varianten sprechen: gehend/stehend × viele/wenige Worte; Beobachter geben Wirkungs-Feedback (nur Wirkung: „wirkte gehetzt / ruhig / bittend / sicher"). Dann Reset-Anker bauen: Jeder definiert Auslöser (z. B. „freche Antwort vor der Klasse"), Körperanker (Ausatmen, Fersen spüren), inneren Satz – und spielt die Sequenz 3× mit provozierender Störkarte durch. Optional: Handy-Selbstclip einer Ansage, sofort gemeinsam anschauen (Vorübung Videoselbstanalyse W7).

Action Step: siehe Curriculum (vor jeder wichtigen Anweisung: stehen bleiben, ausatmen, dann sprechen). Alternative: Register-Tagebuch: täglich eine Situation notieren, in der bewusst das Register gewechselt wurde.

SPA-Quiz: F1: „Autorität im Klassenzimmer ist vor allem…" a) Persönlichkeitssache ✗ (Kernmythos) b) trainierbares Verhalten (Stand, Stimme, Wortzahl) ✓ c) eine Frage der Körpergröße/Lautstärke ✗ d) Erfahrungssache ✗. — F2: „Ein Schüler kommentiert dich frech vor der Klasse. Erster Schritt:" a) sofortige scharfe Erwiderung ✗ b) Ausatmen, ruhig, formales Register, kurze Ansage – Klärung später ✓ c) ignorieren, immer ✗ d) Klasse um Meinung fragen ✗.


Woche 5: 100 % & die Interventionsleiter (Drehbuch)

Material: Interventionsleiter als A3-Poster (6 Stufen); Sitzplan-Blanko; Videoclip Stillarbeit mit eingebauten Mikro-Störungen (alternativ: Beschreibungskarten); Störkarten-Set C.

Retrieval-Starter: 1. Die 4 Präsenz-Stellschrauben? 2. Was heißt Emotional Constancy praktisch? 3. What-to-Do-Kriterien? 4. Welche Norm unterrichtet eine durchgewunkene Begrüßung? 5. (Anwendung) Dein Reset-Anker in einem Satz.

Input (Min. 8–26):

  1. Prinzip 100 %: „Wenn ihr eine Anweisung gebt und 26 von 29 folgen, habt ihr nicht 90 % Erfolg – ihr habt gerade öffentlich neu verhandelt, für wen Anweisungen gelten." 100 % erreichen – aber mit dem KLEINSTEN wirksamen Mittel.
  2. Die Leiter (Lemov T55, an Tafel aufbauen): (1) nonverbal (Blick, Geste, Nähe – weiterunterrichten dabei!) → (2) positive Gruppenkorrektur („Ich sehe fast alle Stifte…") → (3) anonyme Einzelkorrektur („Zwei fehlen noch.") → (4) private/leise Einzelkorrektur am Platz → (5) blitzschnelle öffentliche Korrektur (Name + What-to-Do, 2 Sekunden, weiter im Stoff) → (6) Konsequenz (schulkonform).
  3. Teacher Radar: Position mit Rundumblick (Ecken/„Pastore's Perch"), aktives Scannen als Gewohnheit nach JEDER Anweisung.

Name it (Min. 26–31): Entscheidungsregel: „So niedrig wie möglich, so kurz wie möglich, so privat wie möglich – und danach sofort zurück zum Stoff." Anerkennung („Danke") für Erfüllung, kein Überschwang.

Do it (Min. 31–52): Stufen-Karussell: Gleiche Störung (Schwatzen zu zweit bei Stillarbeit) wird nacheinander auf Stufe 1, 2, 3, 4 gespielt – jeder übernimmt eine Stufe; Gruppe prüft: kleinste Stufe zuerst probiert? Unterricht lief weiter? Ton neutral? Danach Positions-Übung: Auf dem Sitzplan-Blanko einzeichnen: Wo stehe ich bei Stillarbeit (alle im Blick), wo bei Erklärungen, welche „blinde Ecke" hat mein Raum? Scan-Training: Videoclip/Beschreibungskarten – Störungen in 60 Sek. finden und Stufenwahl begründen.

Action Step: siehe Curriculum (erst nonverbal; abends zählen, wie oft es reichte). Alternative: Positionswechsel-Plan umsetzen (nie mit dem Rücken zu >5 SuS).

Vorbereitung Gruppenhospitation 1 (5 Min. am Ende): Termin, Gastlehrkraft, Regeln (beschreiben statt bewerten, Dank an Gastgeber), Beobachtungsbogen austeilen: Spalte A Wortlaut-Protokoll erste 5 Min.; Spalte B Strichliste Interventionsstufen; Spalte C „Ein Satz, den ich klauen werde".

SPA-Quiz: F1: „Zwei SuS tuscheln bei Stillarbeit. Erste Wahl:" a) Namen nennen und ermahnen ✗ b) Blick/Nähe, weiterunterrichten ✓ c) ignorieren – nicht schlimm ✗ (Normalisierungs-Falle) d) beide umsetzen ✗. — F2: „Warum ist 97 % Befolgung ein Problem?" a) ist es nicht, Perfektion ist unrealistisch ✗ (klingt vernünftig!) b) die Ausnahme wird zur verhandelbaren Norm ✓ c) weil Kontrolle wichtig ist ✗ d) wegen der Schulordnung ✗.


Woche 6: Positive Framing & Precise Praise (Drehbuch)

Material: Umformulierungs-Kartenset (10 Negativ-Ansagen); Timer; anonymisierte Schülerarbeiten (2–3) für Lob-Übung.

Retrieval-Starter: 1. Die 6 Stufen der Leiter in Reihenfolge? 2. Entscheidungsregel der Stufenwahl? 3. Wo stehst du bei Stillarbeit und warum? 4. Register-Wechsel: wann formal, wann warm? 5. (Anwendung) Formuliere eine positive Gruppenkorrektur für „5 arbeiten nicht".

Input (Min. 8–28):

  1. See it: Kontrast an der Tafel: „Hört auf zu quatschen!" vs. „Ich sehe drei Hefte offen – ich will alle sehen." Frage: Was macht Version 2 anders? (beschreibt das GEWÜNSCHTE; setzt Erfüllungs-Norm „die meisten machen es schon"; unterstellt Gutwilligkeit).
  2. Positive Framing (Lemov T59): das Erwünschte benennen; Annahme des Guten („Ihr habt vergessen, dass…" statt „Ihr weigert euch…"); anonym korrigieren, namentlich loben.
  3. Bank Positivity (Lovell P10): Beziehungs-Konto – viele kleine ECHTE Einzahlungen schaffen das Kapital für Korrekturen. Faustformel 3:1.
  4. Precise Praise (T60): Lob konkret + verdient + prozessbezogen („Du hast die Probe gemacht, bevor du abgegeben hast – das ist der Unterschied"); Anerkennung ≠ Lob (Grundverhalten → „Danke", Überdurchschnittliches → Lob); Anti-Lobsandwich: „Wer Kritik in Lob einwickelt, bringt SuS bei, dass Lob eine Warnung ist."
  5. Rückruf statt Neuerung: Warm/Strict (T61) kam in Woche 4 als Registeranwendung – Positive Framing ist die Grammatik der Gruppenansprache, Warm/Strict die der Einzelansprache. Zusammen das komplette Korrektur-Besteck.

Name it (Min. 28–32): Umformulierungs-Formel: „Ich sehe [erfüllender Teil] – ich will [Zielzustand]." / Lob-Dreiklang: konkret–verdient–Prozess.

Do it (Min. 32–52): Umformulierungs-Batterie mit Timer (Tempo erzeugt Automatisierung): Tandems, 10 Karten, 60 Sekunden – wie viele geschafft? Drei Runden statt zwei, weil das dritte Werkzeug in Woche 4 erledigt wurde. Dann Precise-Praise-Werkstatt an echten Schülerarbeiten: je 2 präzise Lobsätze zu ZWEI Arbeiten schreiben, Kitsch-Kontrolle im Tandem, die stärksten Sätze laut sprechen.

Action Step: siehe Curriculum (3:1-Strichliste in einer Stunde pro Tag). Alternative: Eine Woche lang jede Korrektur mit „Annahme des Guten" beginnen.

SPA-Quiz: F1: „Warum kein Lobsandwich?" a) zu zeitaufwendig ✗ b) es entwertet Lob und verschleiert Feedback ✓ c) Lob ist grundsätzlich schädlich ✗ (Überkorrektur) d) SuS brauchen Härte ✗. — F2: „‚Super gemacht!' zu einer Routineaufgabe ist…" a) motivierend, Lob schadet nie ✗ (Kernmythos) b) Inflationierung – Anerkennung hätte gereicht ✓ c) in Ordnung in Sek I ✗ d) manipulativ ✗.


Woche 7: Das W.I.N.-Gespräch + Meilenstein 1 (Drehbuch)

Material: W.I.N.-Leitfaden-Karte; 3 Rollenkarten für Nachgespräche (einsichtig / abblockend / eskalierend); Playbook-Mappe (Sammelordner); Kompetenzmatrix; Beamer für Video-Selbstanalyse-Anleitung.

Retrieval-Starter (erweitert, 8 Fragen kumulativ Block 1): u. a. Leiter-Reihenfolge; Umformulierungs-Formel; 7 Schritte Begrüßungsroutine; Vierercheck Anweisungen; 3:1-Regel; (Anwendung) „Klasse trödelt beim Materialwechsel – nenne zwei Werkzeuge."

Brücke (Min. 12–16): Tandem-Murmelrunde „Welche EINE Sache tue ich heute, die ich vor sieben Wochen nicht getan habe?" – Zurufe am Flipchart sammeln. „Nichts davon ist Charisma. Alles davon steht in eurem Playbook."

Input (Min. 16–28): W.I.N.-Gespräch (Lovell R6): nach der Stunde, kurz (3–5 Min.), privat, ruhig, zukunftsgerichtet: Was ist passiert? (SuS zuerst, Stille aushalten) → Impact: welche Wirkung hatte es? (sachlich, keine Moralkeule) → Next steps: wie machen wir es morgen gut? (gemeinsam, konkret, klein). Kein Verhör, kein Monolog. Ein W.I.N. nach einer Konsequenz ist die Reparatur, kein Widerspruch. (Übergänge und Stundenende stehen jetzt in W3 bzw. W2 – die freigewordene Zeit gehört dem Rollenspiel.)

Do it (Min. 32–51): W.I.N.-Rollenspiele in Dreiergruppen (Lehrkraft/Schüler/Beobachter), 3 Runden mit den 3 Rollenkarten à 6 Min. Regieanweisungen auf den Karten (z. B. „abblockend": antwortet einsilbig, verschränkte Arme – Lehrkraft übt Aushalten + offene Fragen). Abschluss: eigener Fall auf der Kartenrückseite vorbereiten (Name, Einstiegssatz, wahrscheinlichster Abwehrzug) – wird im Coaching dieser Woche durchgespielt.

Konsolidierung (Min. 51–58): Playbook-Start: Skripte aus W1–7 einheften, Deckblatt „Mein Klassenführungs-Playbook"; Meilenstein 1: Kompetenzmatrix Selbst-Update (Felder 1–3) + Anleitung Video-Selbstanalyse Nr. 1 (10-Min.-Ausschnitt aus Baseline- oder neuem Video, TN annotiert vor dem Coaching-Gespräch mit Block-1-Checklisten).

Action Step: siehe Curriculum (W.I.N. mit gemiedenem Schüler). Coaching: Meilenstein-Gespräch 1 (45–60 Min. diese Woche): Video gemeinsam, Matrix abgleichen, Blick auf Block 2.

SPA-Quiz: F1: „Ein W.I.N.-Gespräch dauert…" a) bis Einsicht da ist ✗ b) 3–5 Minuten ✓ c) eine ganze Pause ✗ d) Sekunden zwischen Tür und Angel ✗. — F2: „Im W.I.N.-Gespräch beginnt…" a) die Lehrkraft mit ihrer Sicht ✗ (Intuition) b) der Schüler mit „Was ist passiert?" ✓ c) man mit der Konsequenz ✗ d) man mit einer Entschuldigungsforderung ✗.