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Fortbildungs-Curriculum für Quereinsteiger (Sek I/II)

Fortbildungs-Curriculum für Quereinsteiger (Sek I/II)

Ein Schuljahr, wochenweise – Grundlage für spätere Selbstlern-SPAs


Teil A: Rahmen & Designprinzipien

1. Zielgruppe & Ausgangslage

Quereinsteiger mit wenig Unterrichtserfahrung, die parallel mit reduziertem Deputat eigenverantwortlich in Sek I und II unterrichten. Das ist die ideale Konstellation für wirksame Fortbildung: Jede Woche gibt es echte Klassen, in denen Neues sofort erprobt werden kann – und echte Probleme, die Dringlichkeit und Motivation erzeugen.

2. Wissenschaftliche Fundierung des Programmdesigns

Das Curriculum folgt den 14 Mechanismen wirksamer Fortbildung des EEF-Guidance-Reports „Effective Professional Development" (Sims et al., 2021). Wirksame Fortbildung muss in jeder Woche vier Dinge leisten:

EEF-Baustein Umsetzung im Programm
A – Wissen aufbauen 60-min-Input: wenige Kernideen, kognitive Entlastung, Wiederholung über Wochen (Spacing im Programm selbst!)
B – Lehrkräfte motivieren Glaubwürdige Quellen (Lemov, McCrea, Lovell, Rosenshine), gemeinsame Zielvereinbarung, Bestärkung nach Fortschritt im Coaching
C – Techniken entwickeln Deliberate Practice in jeder Sitzung: Skripten, Rollenspiel, Mikro-Üben („Practice Perfect"-Logik)
D – Praxis verankern Wöchentlicher Action Step, Selbstmonitoring, kontextspezifische Wiederholung, Coaching-Follow-up

Die Sequenzierung (erst Klassenführung, dann Instruktion, dann Vertiefung) folgt Bambrick-Santoyos „Get Better Faster": Klassenmanagement und Basisroutinen zuerst, weil ohne ruhige Lernumgebung keine Instruktionstechnik greift. Kernprinzip: Go Granular – Teilfertigkeiten einzeln benennen, üben, stapeln.

3. Die drei Formate und ihr Zusammenspiel

3.1 Wöchentlicher Input + Übung (60 min)

Feste Struktur jeder Sitzung (selbst ein Modell guten Unterrichts – „teach as you preach"):

  1. Retrieval-Starter (8 min): Kumulatives Quiz über Inhalte der Vorwochen (modelliert Do Now + Spacing).
  2. Input (15–20 min): Eine Kernidee, max. 2–3 Techniken. Immer mit Videobeispiel oder Live-Modellierung („See it").
  3. Benennen & Zerlegen (5 min): Technik in beobachtbare Teilschritte zerlegen („Name it").
  4. Deliberate Practice (20–25 min): Skript schreiben → in Partnerarbeit laut üben → Feedback → nochmal üben („Do it"). Nicht diskutieren, sondern üben – Verhalten ändert sich durch Probehandeln, nicht durch Reden.
  5. Action Step festlegen (5 min): Jeder formuliert schriftlich den einen konkreten, kleinen, beobachtbaren Schritt für die kommende Woche.

3.2 1:1-Coaching + Auswertungsgespräch (wöchentlich)

Modell: Instructional Coaching nach Bambrick-Santoyo/Steplab-Logik:

3.3 Gruppenhospitationen (1× pro Block, ca. alle 5–6 Wochen)

4. Jahresstruktur im Überblick (6 Blöcke, 35 Modulwochen)

Block Wochen Thema Leitquelle(n)
0 Auftakt (90 min) Kickoff & die fünf mentalen Modelle Lemov Kap. 1; Lovell/Dowley, Einleitung
1 1–7 Klassenführung & Routinen Lovell/Dowley; Lemov Kap. 10–12
2 8–13 Effektive Instruktion: das Grundgerüst Rosenshine; Lovell R7–R9; McCrea LLP
3 14–19 Lernpsychologie & Gedächtnis McCrea „Memorable Teaching"
4 20–25 Verstehen prüfen & Denkbeteiligung (CFU & Ratio) Lemov Kap. 3, 7, 8
5 26–30 Motivation & Beziehung McCrea „Motivated Teaching"; Lemov Kap. 9
6 31–35 Planung, Arbeitsökonomie & nachhaltige Entwicklung McCrea „Lean Lesson Planning"

Ferienwochen (Herbst, Weihnachten, Winter/Fasching, Ostern, Pfingsten je nach Bundesland) sind Puffer; das Raster ist auf 35 Modulwochen ausgelegt und lässt sich auf jeden Ferienkalender legen. Nach jeder Ferienphase beginnt die erste Sitzung mit einem erweiterten Retrieval-Block (Reaktivierung statt neuem Stoff).

Wichtige Dramaturgie: Nach Weihnachten (Block 3/4) und nach Ostern (Block 5) sind bewusst „Re-Establish"-Momente eingebaut: Routinen neu setzen, denn nach Ferien verfallen sie – das ist normal und wird explizit trainiert.

5. Leistungs- & Erfolgsnachweise


Teil B: Die Module im Detail (Woche für Woche)

Jedes Modul folgt demselben Schema – dieses Schema ist zugleich die Blaupause für deine Selbstlern-SPAs:


AUFTAKTWOCHE (vor Unterrichtsbeginn oder Woche 0): Kickoff & mentale Modelle · 90 Minuten

Leitfrage: Wie werde ich in einem Jahr eine handlungssichere Lehrkraft, warum verhalten sich Klassen so, wie sie sich verhalten – und wie funktioniert dieses Programm?

Hinweis zum Format: Als einzige Sitzung des Jahres 90 statt 60 Minuten. Sie liegt vor Unterrichtsbeginn, deshalb ist die Länge organisierbar – und sie trägt zwei Funktionen: den Programm-Vertrag und das Grundlagenmodul (die fünf mentalen Modelle), auf das sich alle 35 Folgemodule beziehen.

Lernziele: Die TN können den Jahresaufbau erklären, kennen die Formate (Input, Coaching, Hospitation), haben eine persönliche Zielvereinbarung geschrieben, verstehen das Prinzip „üben statt nur wissen" – und können die fünf mentalen Modelle in eigenen Worten erklären sowie eine reale Unterrichtssituation mit mindestens zwei davon deuten.

Kernideen:

  1. Lehrer-Expertise ist erlernbar und trainierbar – sie besteht aus konkreten, benennbaren Techniken, nicht aus Talent oder Persönlichkeit (Lemov, Einleitung; Lovell/Dowley, Einleitung: Bill-Rogers-Anekdote).
  2. Verhalten ändert sich durch Übung, nicht durch Einsicht – deshalb wird in jeder Sitzung laut geübt, geskriptet, gespielt (Practice Perfect / Lovell „Remember to rehearse").
  3. Der wöchentliche Action Step ist das Herz des Programms: ein kleiner Schritt pro Woche schlägt zehn gute Vorsätze (Get Better Faster: „Go Granular").
  4. Coaching ist Entwicklung, nicht Bewertung – psychologische Sicherheit als Vertrag der Gruppe.

Die fünf mentalen Modelle (Lemov, TLAC 3.0, Kap. 1) – die Deutungsbrille für das ganze Jahr:

  1. Arbeitsgedächtnis ist eng, Langzeitgedächtnis ist Macht: Lernen heißt, Wissen ins Langzeitgedächtnis zu bringen und Arbeitsgedächtnis zu entlasten.
  2. Gewohnheiten beschleunigen Lernen: Routinen machen Abläufe automatisch und setzen Denk-Kapazität frei.
  3. Was Schüler beachten, lernen sie: Aufmerksamkeit ist die Währung des Klassenzimmers.
  4. Motivation ist sozial: Normen der Gruppe wirken stärker als jede Regel.
  5. Gut unterrichten = Beziehung bauen: Kompetentes Unterrichten selbst erzeugt Vertrauen (nicht umgekehrt erst „Beziehung, dann Unterricht").

Typische Fehlvorstellungen: „Ich muss erst die Beziehung aufbauen, bevor ich Anforderungen stellen darf" (tatsächlich entsteht Beziehung durch gelingenden Unterricht); „Störungen sind persönliche Angriffe" (meist sind sie Normphänomene); „Verhalten ändert sich durch Einsicht" (es ändert sich durch Probehandeln).

Übungsteil: Blitz-Zuordnung von 8 Alltagssituationen zu den fünf Modellen (Plenum, hohes Tempo); Perspektivwechsel im Tandem – ein eigenes ärgerliches Klassenerlebnis wird vom Partner durch eines der Modelle umgedeutet (wichtigster Wellbeing-Schutz des ersten Jahres); Zielvereinbarung schreiben; erste Mini-Übung: eine 30-Sekunden-Begrüßungsroutine skripten und vorspielen (niedrigschwelliger Einstieg ins Rollenspiel-Format, baut Hemmungen ab).

Action Step (Beobachtungsauftrag – erst sehen lernen, ab Woche 1 handeln): „Ich wähle EINE Klasse und beobachte in drei Stunden gezielt die ersten 5 Minuten: Worauf richtet sich die Aufmerksamkeit tatsächlich – und wie läuft unsere Begrüßungsroutine wirklich ab (stehen alle, ist es still, bevor ich grüße)?"

Alternative (für TN mit akutem Klassenführungsdruck, mit Coach abstimmen): „Ich führe ab Tag 1 unsere Begrüßungsroutine (Aufstehen – Begrüßung – Setzen) bewusst und vollständig durch: Ich warte auf 100 % Stehen und Stille, bevor ich grüße – jede Stunde, ohne Ausnahme." (Vorgriff auf Woche 2.)

Coaching-Fokus: Kennenlerngespräch, Zielvereinbarung und Matrix entgegennehmen, Baseline-Video-Termin für Woche 1 fixieren (das Video wird erst in W7 und W35 geöffnet).

SPA-Bausteine: Programm-Landkarte (interaktive Jahresübersicht); Selbsteinschätzungs-Slider zu 8 Kompetenzfeldern (wird in Woche 19 und 35 wiederholt → Fortschrittsvisualisierung); interaktives Schaubild Arbeits-/Langzeitgedächtnis; Drag-&-Drop: Situationen den 5 Modellen zuordnen; Fallanalyse „Doppelstunde Chemie" / „Die 8c bei Frau K."; Szenario-Quiz mit Fehlvorstellungs-Distraktoren; Reflexionsjournal für den Perspektivwechsel; Video „Was ist Deliberate Practice?"; Commitment-Generator (persönliches Ziel als Karte exportierbar).


BLOCK 1: KLASSENFÜHRUNG & ROUTINEN (Wochen 1–7)

Block-Rationale: Ohne ruhige, geordnete Lernumgebung greift keine noch so gute Didaktik. Klassenführung zuerst (Get-Better-Faster-Sequenz: „Routines & Procedures 101" vor allem anderen). Für Quereinsteiger ist dies zugleich das Feld mit dem größten Leidensdruck – hohe Motivation garantiert.


Woche 1: Hohe Erwartungen – Verhalten ist ein Curriculum

Leitfrage: Wie mache ich unsichtbare Erwartungen sichtbar und lehrbar?

Lernziele: Die TN können erwünschtes Verhalten so konkret beschreiben wie einen Lerninhalt, und sie können eine Erwartung nach dem Muster „vage → spezifisch" umformulieren.

Kernideen (Lovell/Dowley, Prinzipien 3 & 5):

  1. Mit hohen Erwartungen starten schafft Spielraum: Lockern geht immer, Nachschärfen ist teuer. Der Jahresanfang (und jeder Neustart nach Ferien) ist das Fenster.
  2. Verhalten ist ein Curriculum: Es muss – wie Mathe – erklärt, modelliert, geübt, überprüft und mit Feedback versehen werden. Niemand erwartet fehlerfreie Bruchrechnung nach einmaligem Erklären; dasselbe gilt für eine Eingangsroutine.
  3. Spezifisch statt vage: Nicht „respektvoll reinkommen", sondern „still eintreten, innerhalb von 60 Sekunden am Starter arbeiten, Heft aufgeschlagen bei den Hausaufgaben".
  4. Behavioural CFU: Nach Anweisungen per Cold Call prüfen, ob die Erwartung verstanden wurde.

Typische Fehlvorstellungen: „Hohe Erwartungen = Strenge/Härte" (nein: Klarheit + Zutrauen); „In der Oberstufe braucht man das nicht" (auch Sek II braucht explizite Normen, nur anders kommuniziert).

Übungsteil: Eigene Top-3-Erwartungen für eine konkrete Klasse nach dem Spezifisch-Muster ausformulieren; „Relevanz-Sätze" schreiben (Erwartung + Begründung in einem Satz); gegenseitig vortragen und schärfen.

Action Step: „Ich formuliere für meine schwierigste Lerngruppe eine Erwartung neu (spezifisch, positiv, mit Begründung) und führe sie am Montag explizit ein."

SPA-Bausteine: Umformulierungs-Trainer (vage Erwartung eingeben → Checkliste prüft: beobachtbar? messbar? positiv formuliert?); Beispiel-Bibliothek nach Jahrgangsstufe filterbar; Vorher/Nachher-Karten.


Woche 2: Die Zäsuren der Stunde – starker Start, geordnetes Ende

Leitfrage: Wie gewinne ich die ersten 5 Minuten jeder Stunde – und wie beende ich sie so, dass morgen genauso beginnt?

Lernziele: Die TN können den Stundenauftakt an unserer Schule (Lehrkraft betritt den Raum, Klasse ist bereits da: Aufstehen – Begrüßung – Setzen) als vollständige Routine skripten (Wortlaut + Position + Material), mit Starter/Do Now und Zeitanker verketten – und das Stundenende als Spiegel dieser Zäsur gestalten.

Kernideen:

  1. Die Begrüßungsroutine als Strong Start (Adaption von Lemovs „Threshold & Strong Start"): Unser schulisches Ritual (alle stehen auf, gemeinsame Begrüßung, Setzen) leistet dieselbe Funktion wie Lemovs Türschwellen-Ritual: klare Zäsur, Ton setzen, 100 %-Moment gleich zu Beginn. Entscheidend ist die Qualität der Durchführung: Die Lehrkraft geht zu ihrem festen Punkt, wartet auf vollständiges Stehen und Stille (100 %, Woche 5!), grüßt warm, erst dann Setz-Signal. Eine schlampig durchgewunkene Begrüßung sendet die Norm „Halbherzig reicht hier".
  2. Entry-Kette danach (Lovell, Routine 1, adaptiert): Direkt an das Setzen koppelt die feste Kette: Material raus → Starter beginnen, mit sichtbarem Timer und knapper Erinnerungsformel während des Setzens („Ihr wisst, was zu tun ist: Starter, 4 Minuten, still").
  3. Do Now (Lemov T20): 3–5 Min. schriftliche Aufgabe, ohne Erklärung lösbar, idealerweise Wiederholung – Schüler arbeiten ab Sekunde 1, die Lehrkraft hat Hände frei.
  4. Skript + Probe: Routinen werden mit der Klasse geübt, notfalls wiederholt („Do It Again", Lemov T51 – als Reset, nicht als Strafe).
  5. Das Stundenende als Spiegel (Lovell R12; Lemov T31 „Every Minute Matters"): Anfang und Ende sind dieselbe Zäsur. Drei Bausteine: Puffer (Ende drei Minuten vor dem Klingeln geplant, der Rest ist Reserve), geordneter Abschluss (gepackt wird auf Signal, verabschiedet wird im Stehen) und Reservekarten (2–3 Abruf-Fragen für übrig bleibende Minuten). Der Satz „Ihr könnt schon mal leise packen" unterrichtet die Norm, morgen früher zu packen.

Typische Fehlvorstellungen: „Ich verliere Zeit durchs Üben der Routine" (die Investition amortisiert sich in Wochen); „Bei Teenagern wirkt das kindisch" (Ton und Framing anpassen, Struktur beibehalten); „Ein entspanntes Auslaufen der Stunde ist großzügig" (es ist die Norm für den nächsten Tag).

Übungsteil: Komplette Eingangsroutine für die eigene Hauptklasse skripten (Wortlaut kursiv, Handlung, Position); im Rollenspiel durchspielen: 1 TN ist Lehrkraft, Rest ist Klasse (inkl. einer eingebauten Trödel-Störung); 2 Durchläufe mit Feedback. In der Skript-Reinschrift kommen die drei Ende-Zeilen dazu (Pack-Signal, Verabschiedungs-Wortlaut, zwei Reservekarten-Fragen).

Action Step: „Ich führe ab Montag in Klasse X ein Do Now ein: Die Aufgabe hängt/steht bereit, bevor ich grüße; das Setz-Signal startet zugleich den sichtbaren Timer, und ich sage dabei jedes Mal denselben Satz."

Coaching-Fokus: Hospitation in den ersten 10 Minuten der Stunde; Zeitmessung: Sekunden bis 90 % arbeiten. Bei der Ende-Variante des Action Steps stattdessen die letzten 8 Minuten.

SPA-Bausteine: Skript-Editor mit Vorlage (Tool/Wortlaut/Aktion-Tabelle wie bei Lovell); Video-Kontrast „chaotischer vs. ruhiger Einstieg"; Timer-Simulation; Do-Now-Aufgabengenerator nach Fach; Reservekarten-Generator fürs Stundenende; Checkliste „Meine Routine ist komplett, wenn…".


Woche 3: Aufmerksamkeit einholen, glasklare Anweisungen & Übergänge

Leitfrage: Wie bekomme ich 30 Menschen in 5 Sekunden still, wie gebe ich Anweisungen, die wirklich ankommen – und wie bringe ich die Klasse ohne Zeitverlust von A nach B?

Lernziele: Die TN können ein Aufmerksamkeitssignal etablieren, Arbeitsanweisungen nach dem „What to Do"-Standard formulieren und einen Übergang als nummerierte Mini-Routine mit scharfen Kanten führen.

Kernideen:

  1. Gaining Attention (Lovell, Routine 4): Festes Signal → 100 % Blickkontakt abwarten → erst dann sprechen. Nie gegen Unruhe anreden.
  2. What to Do (Lemov T52): Anweisungen müssen konkret, sequenziell, beobachtbar und knapp sein. „Passt auf!" ist keine Anweisung; „Stift weg, Blick zu mir" ist eine.
  3. Brighten the Lines (Lemov T28): Anfang und Ende von Arbeitsphasen scharf markieren („In 3, 2, 1 … los"), damit Übergänge nicht ausfransen.
  4. Ökonomie der Sprache: Je weniger Worte, desto klarer das Signal (Lovell/Lemov: economy of language). Anweisung geben → stoppen → nicht nachplätschern.
  5. Tight Transitions (Lovell R5) als Anwendungsfall, nicht als neues Thema: Ein Übergang ist genau die Kette Signal → warten → nummerierte What-to-Do-Anweisung → Kante. Er scheitert, wenn er als EIN Auftrag statt als Schrittfolge gegeben wird („Macht euch fertig für die Gruppenarbeit"). Bei Zerfasern: Do It Again (Lemov T51), neutraler Ton.

Typische Fehlvorstellungen: „Lauter werden hilft" (Gegenteil: leiser + warten wirkt stärker); „Höflichkeit erfordert lange Sätze" (Kürze ist nicht Unfreundlichkeit).

Übungsteil: Anweisungs-Rewrite: 5 typische vage Anweisungen in What-to-Do-Form bringen; Rollenspiel Aufmerksamkeitssignal mit gestaffelter Störung (Klasse reagiert erst auf zweiten Anlauf – Umgang üben), an das jede Person direkt einen Übergang anhängt (Regie nennt das Ziel, Lehrkraft nummeriert live); Videoanalyse einer gelungenen Umsetzung.

Action Step: „Ich etabliere ein Aufmerksamkeitssignal in Klasse X, erkläre und übe es am Montag – und ich spreche erst, wenn alle Stifte liegen."

SPA-Bausteine: Anweisungs-Prüfmaschine (Text eingeben → Analyse: beobachtbar? sequenziell? ≤ 12 Wörter?); Übergangs-Trainer (Zielzustand wählen → Schritte ordnen → Kante setzen, Wortzahl-Messung); Audio-Beispiele mit Stimm-Kontrast; Entscheidungsbaum „Signal gegeben, 5 SuS reden weiter – was jetzt?".


Woche 4: Die eigene Präsenz – Körper, Stimme, Register, Selbstregulation

Leitfrage: Wie wirke ich ruhig und souverän – auch wenn ich es (noch) nicht bin?

Lernziele: Die TN kennen die körperlichen Stellschrauben von Präsenz (Position, Haltung, Stille, Stimmregister), können Warmherzigkeit und Strenge im selben Satz ausdrücken und haben eine persönliche Selbstregulations-Routine für Stressmomente.

Kernideen:

  1. Master your own behaviour (Lovell, Prinzip 4 & Routine 3): Das eigene Verhalten ist der einzige direkt kontrollierbare Hebel. Erst sich selbst regulieren, dann intervenieren (Atemanker, innerer Skript-Satz).
  2. Strong Voice / Register (Lemov T57): Formales Register für Anweisungen (ruhig, wenig Worte, stehen bleiben, Symmetrie), warmes Register für Gespräch – bewusst wechseln können.
  3. Square up, stand still: Beim Geben wichtiger Anweisungen stillstehen, nicht nebenbei laufen oder Material sortieren. 3b. Warm/Strict (Lemov T61) als wichtigste Registeranwendung: warmer Ton + unverhandelbare Sache im selben Satz („Weil ich weiß, dass du das besser kannst, nehme ich das so nicht an"). Steht hier und nicht in Woche 6, weil es genau genommen kein Wortschatz, sondern ein Registerwechsel ist.
  4. Emotional Constancy (Lemov T62): Berechenbare, gleichmäßige emotionale Reaktion; Ärger nie in der Stimme transportieren – Depersonalisierung von Störungen.

Typische Fehlvorstellungen: „Autorität ist Persönlichkeitssache" (sie ist zu großen Teilen trainierbares Verhalten); „Ich muss streng gucken" (Ruhe schlägt Drohkulisse).

Übungsteil: Körper-Labor: dieselbe Anweisung in 4 Varianten sprechen (gehend/stehend, laut/leise, viele/wenige Worte) – Gruppe gibt Wirkungs-Feedback; persönlichen „Reset-Anker" für Stressmomente entwickeln und 3× durchspielen; zwei Warm/Strict-Sätze für reale eigene Situationen schreiben und laut sprechen.

Action Step: „Vor jeder wichtigen Anweisung: stehen bleiben, ausatmen, dann sprechen – eine Woche lang bewusst."

SPA-Bausteine: Video-Kontrastpaare (gleiche Szene, unterschiedliche Körpersprache); Warm/Strict-Szenariokarten; Selbstaufnahme-Übung mit Analyse-Checkliste; Stress-Szenario-Simulator („Schüler sagt X vor der Klasse – wähle deine Reaktion" mit Konsequenz-Verzweigung).


Woche 5: 100 % – die am wenigsten invasive Intervention

Leitfrage: Wie reagiere ich auf kleine Störungen, ohne den Unterricht zu unterbrechen?

Lernziele: Die TN können die Interventionsleiter von nonverbal bis Einzelkorrektur anwenden und wählen bewusst die kleinste wirksame Stufe.

Kernideen (Lemov T55 „Least Invasive Intervention" + Lovell Routine 9):

  1. 100 %-Prinzip: Eine Anweisung gilt für alle – nicht für 90 %. Wer 90 % akzeptiert, verhandelt künftig über die Zahl.
  2. Interventionsleiter: (1) nonverbaler Hinweis (Blick, Geste, Nähe) → (2) positive Gruppenkorrektur („Ich sehe fast alle Stifte…") → (3) anonyme Einzelkorrektur („Zwei fehlen noch") → (4) private/leise Einzelkorrektur am Platz → (5) „lightning-quick" öffentliche Korrektur → (6) Konsequenz. Immer so niedrig wie möglich einsteigen.
  3. Teacher Radar / Pastore's Perch (Lemov): Position im Raum so wählen, dass man alles sieht; aktives Scannen als Gewohnheit.
  4. Anerkennung vs. Lob: Erfülltes Grundverhalten wird anerkannt („Danke"), nicht überschwänglich gelobt.

Typische Fehlvorstellungen: „Ignorieren ist auch eine Strategie" (unkorrigierte Normverstöße normalisieren sich); „Jede Störung braucht eine Ansage" (nonverbal löst 80 % lautlos).

Übungsteil: Stufen-Karussell: Gleiche Störung (Schwatzen bei Stillarbeit) auf allen 6 Stufen durchspielen; Raumpositions-Übung (Wo stehe ich bei Stillarbeit? Rücken zur Wand, alle im Blick); Scan-Training mit Video (Störungen im Clip finden).

Action Step: „Bei Stillarbeit interveniere ich diese Woche zuerst nonverbal (Blick/Nähe) und zähle abends, wie oft das gereicht hat."

Coaching-Fokus: Strichliste des Coaches: Interventionsstufen-Verteilung; Position der Lehrkraft im Raum.

➜ GRUPPENHOSPITATION 1 (Ende Woche 5): Fokus Eingangsroutine + Anweisungen + Interventionsleiter bei einer erfahrenen Lehrkraft. Beobachtungsbogen: Wortlaut-Protokoll der ersten 5 Minuten.

SPA-Bausteine: Interaktive Interventionsleiter (Störung wird beschrieben → Stufe wählen → Feedback mit Begründung); 360°-Klassenraum-Standort-Spiel; Störungs-Tagebuch mit Auswertungsdiagramm.


Woche 6: Positiv rahmen – Positive Framing & Precise Praise

Leitfrage: Wie korrigiere ich so, dass die Beziehung wächst statt leidet?

Lernziele: Die TN können Korrekturen positiv rahmen (erwünschtes Verhalten benennen statt unerwünschtes) und präzise loben – zwei Werkzeuge statt dreien, dafür mit doppelter Übungsmenge (Automatisierung ist das Ziel).

Kernideen:

  1. Positive Framing (Lemov T59): Ansagen beschreiben das Gewünschte, nicht das Fehlverhalten („Ich sehe drei Hefte offen – ich will alle sehen" statt „Hört auf zu quatschen"). Annahme des Guten („Ihr habt vergessen, dass…").
  2. Narrate the Positive / Bank Positivity (Lovell, Prinzip 10): Positiv-Konto füllen – viele kleine echte Anerkennungen schaffen das Kapital für nötige Korrekturen.
  3. Precise Praise (Lemov T60): Lob konkret, verdient, prozessbezogen; Anerkennung ≠ Lob; kein „Lobsandwich"-Trick (Schüler durchschauen ihn, er entwertet Feedback).
  4. Verzahnung statt Wiederholung: Warm/Strict (Lemov T61) wurde in Woche 4 als Registeranwendung eingeführt und wird hier nur abgerufen: Positive Framing ist die Grammatik der Gruppenansprache, Warm/Strict die der Einzelansprache – zusammen das komplette Korrektur-Besteck.

Typische Fehlvorstellungen: „Viel loben = gute Beziehung" (unverdientes Lob senkt Erwartungen und Glaubwürdigkeit); „Streng sein macht unbeliebt" (Schüler vertrauen Lehrkräften, bei denen sie lernen).

Übungsteil: Umformulierungs-Batterie: 10 Negativ-Ansagen live in Positiv-Frames umformulieren, drei Durchgänge als Tempo-Übung; Precise-Praise-Werkstatt an zwei echten Schülerarbeiten, die stärksten Sätze werden laut gesprochen.

Action Step: „Verhältnis 3:1 – auf jede Korrektur kommen drei konkrete positive Rückmeldungen. Ich zähle in einer Stunde pro Tag mit (Strichliste auf dem Pult)."

SPA-Bausteine: Umformulierungs-Trainer mit Timer (Gamification: wie viele in 60 Sek.?); Lob-Qualitäts-Check (Lob eingeben → präzise? verdient? prozessbezogen?); 3:1-Zähler mit Wochenverlauf.


Woche 7: Das W.I.N.-Nachgespräch – und Konsolidierung Block 1

Leitfrage: Was tue ich nach der Stunde mit dem Schüler, den ich am liebsten meide – und was hat sich in sieben Wochen tatsächlich verändert?

Lernziele: Die TN können ein strukturiertes Nachgespräch (W.I.N.) in drei Schwierigkeitsgraden führen, die vier Rahmenbedingungen einhalten (privat · ruhig · kurz · zukunftsgerichtet), ein Gespräch würdevoll vertagen – und ihre Entwicklung über sieben Wochen an Playbook, Matrix und Video belegen.

Kernideen:

  1. After-Class Conversation / W.I.N. (Lovell R6): Strukturierte Kurzgespräche nach der Stunde: Was ist passiert? (der Schüler zuerst, Stille aushalten) – Welchen Impact hatte es? (sachlich, keine Moralkeule) – Nächste Schritte (gemeinsam, konkret, klein). Ruhig, privat, zukunftsgerichtet.
  2. Vertagen ist ein legitimer Ausgang: Bei Eskalation gilt Reset-Anker (W4), formales Register und notfalls ein klar benannter neuer Termin – kein Scheitern.
  3. Reparatur statt Widerspruch: Ein W.I.N. nach einer Konsequenz ist die Reparatur – Konsequenz heute, Neuanfang morgen.
  4. Konsolidierung: Alle Block-1-Routinen als persönliches „Klassenführungs-Playbook" (5 Seiten: meine Skripte).

Typische Fehlvorstellungen: „Nach dem Klingeln ist die Erziehungsarbeit vorbei"; „Ein Nachgespräch ist eine Strafpredigt" (es ist ein strukturierter Dialog); „Je länger das Gespräch, desto ernster" (Länge ist ein Predigt-Symptom).

Übungsteil: W.I.N.-Rollenspiele mit 3 Schwierigkeitsgraden (einsichtig / abblockend / eskalierend); eigenen realen Fall als Coaching-Vorbereitung skizzieren (Name, Einstiegssatz, wahrscheinlichster Abwehrzug); Playbook fertigstellen; Meilenstein 1: Selbst- und Coach-Einschätzung auf der Kompetenzmatrix Klassenführung.

Action Step: „Ich führe diese Woche ein W.I.N.-Gespräch mit dem Schüler, den ich bisher gemieden habe."

Coaching-Fokus: Meilenstein-Gespräch 1: Video-Selbstanalyse Nr. 1 (10-min-Ausschnitt, TN annotiert selbst, Coach ergänzt).

SPA-Bausteine: W.I.N.-Gesprächssimulator (verzweigtes Dialog-Spiel mit KI-Schülerantworten); Playbook-Generator (alle Skripte der Wochen 1–7 zu PDF bündeln); Vorbereitungs-Assistent für den eigenen W.I.N.-Fall; Block-1-Abschlussquiz (kumulativ, 20 Fragen).


BLOCK 2: EFFEKTIVE INSTRUKTION – DAS GRUNDGERÜST (Wochen 8–13)

Block-Rationale: Jetzt, wo die Klasse arbeitet, geht es um das Kerngeschäft: Erklären, Anleiten, Üben lassen. Rückgrat ist Rosenshines „Principles of Instruction" (2012) – der wohl am breitesten akzeptierte evidenzbasierte Rahmen –, operationalisiert durch Lovells Instruktionsroutinen (R7–R9) und Lemovs Lesson-Structure-Techniken. Klassenführungs-Action-Steps laufen im Coaching weiter, bis sie sitzen.


Woche 8: Rosenshine & die Architektur einer Stunde

Leitfrage: Wie ist eine wirksame Stunde grundsätzlich gebaut?

Lernziele: Die TN können die 10 Rosenshine-Prinzipien nennen, in die vier Stränge (Reviewing, Questioning, Sequencing/Modelling, Practising) gruppieren und eine eigene Stunde daraufhin auditieren.

Kernideen:

  1. Die 10 Prinzipien (Rosenshine, 2012): tägliche Wiederholung; kleine Schritte; viele Fragen; Modellieren; angeleitetes Üben; Verständnis aller prüfen; hohe Erfolgsquote (~80 %); Gerüste für schwierige Aufgaben; selbstständiges Üben; wöchentliche/monatliche Wiederholung.
  2. I do – We do – You do (Guidance Fading): Verantwortung wandert schrittweise von Lehrkraft zu Lernenden; der häufigste Anfängerfehler ist das Überspringen des „We do".
  3. Hohe Erfolgsquote als Steuergröße: ca. 80 % richtige Antworten in Übungsphasen – darunter: zurück zum Modellieren; darüber: Anspruch erhöhen.
  4. Schüler ohne Vorkenntnisse ≠ Experten: Schüler haben noch keine Vorkenntnisse und brauchen explizite Instruktion; „entdeckendes Lernen" überfordert ohne Vorwissen das Arbeitsgedächtnis (Verbindung zu Woche 14–15).

Typische Fehlvorstellungen: „Frontalunterricht ist per se schlecht" (explizite Instruktion ≠ Dauermonolog – sie ist hochinteraktiv); „Gute Stunden brauchen spektakuläre Methoden" (Wirkung liegt in der Grundarchitektur).

Übungsteil: Rosenshine-Audit: TN bringen einen eigenen Stundenverlauf mit und prüfen ihn gegen die 10 Prinzipien; Redesign einer schwachen Beispielstunde in Kleingruppen.

Action Step: „Jede meiner Stunden dieser Woche beginnt mit 5 Minuten Wiederholung (Prinzip 1) – Format frei."

SPA-Bausteine: Interaktive Rosenshine-Übersicht (10 Karten mit Beispiel-Videos); Stunden-Audit-Tool (Verlaufsplan hochladen/eingeben → Checkliste); Sortier-Aufgabe Prinzipien ↔ vier Stränge.


Woche 9: Lernziele & Backwards Design – wissen, wohin

Leitfrage: Was genau sollen meine Schüler am Ende können – und woran erkenne ich es?

Lernziele: Die TN können 2–5 kumulative, messbare Lern-Meilensteine für eine Stunde formulieren und von dort rückwärts planen.

Kernideen (McCrea, Lean Lesson Planning, Kap. 4–5; Lemov T1):

  1. Die zwei Todsünden der Planung: Aktivitätsfokus (erst die coole Methode, dann das Ziel dazu erfinden) und Abdeckungsfokus (Lehrbuch abarbeiten). Beide fühlen sich produktiv an und sind es nicht.
  2. Backwards Design: Start mit „Was sollen sie am Ende können?" – und dafür mehr Zeit aufwenden, als sich richtig anfühlt (Lemov: Exzellente Lehrkräfte verbringen mehr Zeit mit Zielen, weniger mit Aktivitätenauswahl).
  3. Lern-Meilensteine: 2–5 pro Stunde; kumulativ (bauen aufeinander), verteilt (die meisten schaffen den ersten, wenige den letzten), messbar, klar.
  4. Exemplar Planning (Lemov T1): Die ideale Schülerantwort vorher selbst ausformulieren – erst dann weiß man wirklich, was man will, und erkennt Lücken sofort.

Typische Fehlvorstellungen: „Lernziel = Thema" („Wir machen heute Photosynthese" ist kein Ziel); „Ziele an die Tafel schreiben reicht" (Verstehen der Ziele braucht Beispiele gelungener Erfüllung).

Übungsteil: Für eine reale Stunde der kommenden Woche: Meilensteine schreiben → Musterlösung/Exemplar selbst verfassen → im Tandem prüfen: Ist jeder Meilenstein messbar? Baut die Kette aufeinander auf?

Action Step: „Für jede neue Stunde schreibe ich zuerst die ideale Schülerantwort auf die Schlüsselaufgabe – vor allem anderen."

SPA-Bausteine: Meilenstein-Werkstatt (Eingabe → Prüfkriterien kumulativ/verteilt/messbar/klar als Ampel); Beispielsammlung nach Fächern; „Todsünden-Detektor" (Planungsbeschreibungen als Aktivitäts-/Abdeckungs-/Backwards-Design klassifizieren).


Woche 10: Modellieren & Erklären – das „I do"

Leitfrage: Wie erkläre ich so, dass Schüler ohne Vorkenntnisse wirklich folgen können?

Lernziele: Die TN können eine Modellierungsphase mit Lautem Denken, Beispielen und minimaler Sprachlast gestalten.

Kernideen (Lovell R7; Rosenshine P2, P4; McCrea):

  1. Kleine Schritte: Stoff atomisieren; ein neues Element nach dem anderen; erst sichern, dann weitergehen.
  2. Lautes Denken (Think Aloud / Expert Thinking): Nicht nur zeigen was, sondern hörbar machen wie Experten denken – inkl. Entscheidungen und typischer Fallen.
  3. Worked Examples & Beispielpaare: Ausgearbeitete Beispiele entlasten das Arbeitsgedächtnis; Beispiel + Nicht-Beispiel schärft Konzeptgrenzen.
  4. Der Fluch des Wissens: Als Fachexperte (gerade Quereinsteiger aus der Praxis!) unterschätzt man systematisch, was Schüler ohne Vorkenntnisse nicht wissen. Gegenmittel: Schritte kleiner machen, als sich nötig anfühlt.
  5. Aufmerksamkeitsdisziplin beim Erklären: Während des Modellierens Stifte weg, nur zuhören/zusehen (keine geteilte Aufmerksamkeit zwischen Mitschreiben und Verstehen).

Typische Fehlvorstellungen: „Meine Berufserfahrung macht meine Erklärungen automatisch gut" (Expertise erschwert eher das Erklären); „Mitschreiben während des Erklärens ist effizient" (split attention).

Übungsteil: Mikro-Teaching: Jeder modelliert 3 Minuten einen Fachinhalt mit Lautem Denken vor der Gruppe; Feedback nach Kriterien (Schrittgröße, Denkbarmachung, Sprachökonomie); zweiter Durchlauf.

Action Step: „In einer Erklärphase diese Woche denke ich hörbar laut – inklusive einer typischen Falle, die ich absichtlich vorführe und auflöse."

Coaching-Fokus: Hospitation einer Erklärphase; Transkript-Ausschnitt: Wie viele neue Elemente pro Minute?

SPA-Bausteine: Videobibliothek gelungener Modellierungen nach Fach; Atomisierungs-Übung (komplexe Fertigkeit in Teilschritte zerlegen, gegen Musterlösung prüfen); Selbstaufnahme-Auftrag mit Analyse-Raster.


Woche 11: Angeleitetes Üben – das „We do"

Leitfrage: Wie führe ich die Klasse vom Zusehen zum Selbermachen, ohne sie fallen zu lassen?

Lernziele: Die TN können eine We-do-Phase mit hoher Beteiligung, engmaschiger Prüfung und schrittweisem Ausblenden der Hilfen gestalten.

Kernideen (Lovell R8; Lemov T21 „Take the Steps", T37 „Break It Down"; Rosenshine P5, P8):

  1. Gemeinsam durcharbeiten: Aufgaben Schritt für Schritt mit der Klasse lösen; Lehrkraft fragt, Klasse liefert – jeder schreibt mit.
  2. Guidance Fading: Hilfen systematisch reduzieren (komplettes Beispiel → Beispiel mit Lücken → nur Ansatz → nichts). Der Übergang ist die Kunst, nicht der Sprung.
  3. Break It Down (Lemov T37): Bei Fehlern die kleinste hilfreiche Zerlegung anbieten (Hinweis statt Lösung): Beispiel geben, Regel nennen, ersten Schritt zeigen – gestuft.
  4. Mini-Whiteboards / All-Response-Systeme: Alle antworten gleichzeitig sichtbar – die Lehrkraft sieht sofort die Fehlerquote (Brücke zu Block 4).

Typische Fehlvorstellungen: „Wenn 3 Meldungen richtig antworten, kann es die Klasse" (3 von 28 ist keine Stichprobe); „Schnell zur Stillarbeit, das ist aktiver" (verfrühtes You do produziert eingeübte Fehler).

Übungsteil: Fading-Treppe für ein eigenes Thema bauen (4 Stufen); Rollenspiel „We do mit Fehlerantwort": TN übt gestuftes Break It Down statt Lösung zu verraten.

Action Step: „Vor jeder Stillarbeitsphase diese Woche: mindestens zwei gemeinsame Beispiele, und ich prüfe mit Whiteboards/Abfrage, dass ≥80 % sicher sind."

SPA-Bausteine: Fading-Treppen-Bauer (interaktiv, mit Beispielbibliothek); Break-It-Down-Simulator (Schülerfehler erscheint → wähle kleinste Hilfe → Feedback); 80 %-Regel-Rechner mit Fallbeispielen.


Woche 12: Selbstständiges Üben & aktives Monitoring – das „You do"

Leitfrage: Was tue ich eigentlich, während die Klasse arbeitet?

Lernziele: Die TN können Stillarbeitsphasen einleiten, aktiv überwachen (Circulate/ActiveObs) und Verhaltens- wie Verständnisdaten daraus ziehen.

Kernideen (Lovell R9; Lemov T25 „Circulate", T9 „Active Observation"):

  1. Klarer Start (Verknüpfung Woche 3): Aufgabe, Zeit, Sozialform, Lautstärke, Was-tun-wenn-fertig – alles vor Beginn geklärt; Timer sichtbar.
  2. Circulate mit Plan (Lemov T25): Durchgehen mit Wegerecht („break the plane" in den Raum hinein), systematisch, nicht nur zu den Meldern; Arbeit lesen, kurz markieren, weitergehen.
  3. Active Observation (Lemov T9): Vorher festlegen, was man beim Rundgang prüft (z. B. Aufgabe 2, typischer Fehler X) – gezielt Daten sammeln statt vage „helfen".
  4. Produktive Hilfe: Nicht neben Einzelnen festwachsen (Rest unbeobachtet!); kurze Impulse, dann weiter; wiederkehrende Fehler an die Tafel holen statt 10× einzeln erklären.

Typische Fehlvorstellungen: „Stillarbeit = meine Pause / Korrekturzeit" (es ist die datenreichste Phase der Stunde); „Ich helfe, wem ich zuerst begegne" (systematisch statt reaktiv).

Übungsteil: Monitoring-Pfad auf Sitzplan einzeichnen (Route, Hotspots); ActiveObs-Bogen für eine reale Stunde vorbereiten (Was prüfe ich bei wem?); Video: Circulate-Beispiel analysieren (Laufweg mitzeichnen).

Action Step: „In jeder Übungsphase laufe ich eine geplante Route und notiere auf einem Klemmbrett, welche 3 Fehler am häufigsten sind."

Coaching-Fokus: Hospitation Übungsphase; Coach zeichnet Laufweg + Aufenthaltszeiten mit.

SPA-Bausteine: Sitzplan-Simulator mit Routenplanung; ActiveObs-Bogen-Generator; Fallvideo mit Aufgabe „Finde die 3 unbeobachteten Ecken".


Woche 13: Do Now & Exit Ticket – die Klammer der Stunde (+ Konsolidierung Block 2)

Leitfrage: Wie öffne und schließe ich Stunden so, dass Daten und Lernen entstehen?

Lernziele: Die TN können Do Nows (jetzt didaktisch, nicht nur organisatorisch) und Exit Tickets entwerfen und auswerten.

Kernideen (Lemov T20, T26):

  1. Do Now, didaktisch gewendet: Ideal ist Wiederholung von gestern/letzter Woche/letztem Monat (Vorgriff auf Spacing, Woche 18) – die Routine aus Woche 2 bekommt jetzt Lern-Substanz.
  2. Exit Ticket (Lemov T26): 1–3 Aufgaben, exakt an den Meilensteinen (Woche 9) ausgerichtet, in 3–5 Min. lösbar, schriftlich, von allen. Die ehrlichste Antwort auf „Haben sie's gelernt?"
  3. Auswertung in 10 Minuten: Stapel sortieren (kann / kann fast / kann nicht), häufigsten Fehler identifizieren, Konsequenz für morgen festlegen (Reteach-Entscheidung).
  4. Konsolidierung: Die Stundenarchitektur Block 2 als persönliches Planungs-Template (Do Now → Ziel → I/We/You → Exit Ticket).

Typische Fehlvorstellungen: „Exit Tickets muss ich benoten/korrigieren wie Klassenarbeiten" (nein – sortieren und Muster erkennen genügt); „Keine Zeit für Rituale am Ende" (Puffer einplanen, Woche 7).

Übungsteil: Exit-Ticket-Schreibwerkstatt (für reale Stunden nächster Woche, gegenseitiges Feedback: misst es wirklich den Meilenstein?); Sortier-Übung mit echten anonymisierten Schülerantworten; Meilenstein-Check Block 2 (kumulatives Quiz Wochen 1–13).

Action Step: „Ich schließe diese Woche jede Stunde in Klasse X mit einem Exit Ticket und passe die Folgestunde einmal nachweislich an."

➜ GRUPPENHOSPITATION 2 (in Woche 12/13): Fokus I do / We do – Wortlaut einer Modellierung protokollieren; Fading-Stufen identifizieren.

SPA-Bausteine: Exit-Ticket-Generator (Meilenstein eingeben → Aufgabenvorschläge prüfen/verfeinern); Sortier-Simulation mit Beispielantworten (drag & drop in 3 Stapel → App zeigt Reteach-Empfehlung); Template-Download Stundenarchitektur.


BLOCK 3: LERNPSYCHOLOGIE & GEDÄCHTNIS (Wochen 14–19)

Block-Rationale: Bisher haben die TN gelernt, was funktioniert. Jetzt lernen sie, warum – das macht sie von Rezeptanwendern zu adaptiven Praktikern und immunisiert gegen Lernmythen. Leitquelle: McCrea, „Memorable Teaching" (9 Prinzipien), verzahnt mit Willingham und den Lemov-Techniken, die sie schon kennen. Didaktischer Trick des Blocks: Vieles aus Block 1–2 wird jetzt theoretisch „rückwärts erklärt" – das ist selbst Elaboration.


Woche 14: Gedächtnisarchitektur – warum Lernen Gedächtnisveränderung ist

Leitfrage: Was passiert im Kopf, wenn jemand etwas lernt – und was folgt daraus für jede Unterrichtsentscheidung?

Lernziele: Die TN können das Zusammenspiel von Arbeits- und Langzeitgedächtnis erklären, den Engpass Arbeitsgedächtnis benennen und Unterrichtsphänomene (Überforderung, „gestern konnten sie es noch") damit deuten.

Kernideen (McCrea MT Kap. 1–3; Willingham):

  1. Lernen = dauerhafte Veränderung im Langzeitgedächtnis. Was nicht im LZG ankommt, wurde nicht gelernt – egal wie schön die Stunde war. „Erinnern ist der Rückstand des Denkens" (Nuthall/Willingham: Memory is the residue of thought).
  2. Arbeitsgedächtnis als Flaschenhals: Wenige Elemente gleichzeitig; neu und unverbunden = teuer, bekannt und vernetzt (Schema) = fast gratis.
  3. Schemata: Vernetztes Vorwissen im LZG erweitert faktisch die Denkkapazität – deshalb ist Wissensaufbau die Grundlage von „höherem Denken", nicht sein Gegner.
  4. Vergessen ist der Standard (Ebbinghaus): Zugriff auf Erinnerungen zerfällt ohne Abruf – Unterricht muss Vergessen aktiv einplanen (führt zu Woche 17/18).

Typische Fehlvorstellungen: „Verstehen reicht, merken kommt von selbst"; „Auswendigwissen ist minderwertig gegenüber Kompetenzen" (Wissen im LZG ist die Voraussetzung von Kompetenz); Lernstile-Mythos (explizit entkräften!).

Übungsteil: Selbstversuch Arbeitsgedächtnis (Ziffernspannen, verschachtelte Aufgaben); Fall-Deutung: 4 Klassiker-Situationen („Sie konnten es in der Stunde, aber nicht im Test") mit dem Modell erklären; Mythen-Check-Debatte.

Action Step: „Ich identifiziere in einer meiner Stunden die 3 Stellen mit der höchsten Arbeitsgedächtnislast und entschärfe eine davon."

SPA-Bausteine: Interaktive Gedächtnis-Simulation (WM-Slots visualisiert, Items 'fallen raus'); Selbsttest Ziffernspanne; Mythen-Quiz (Lernstile, Lernpyramide, 10%-Gehirn) mit Aufklärungskarten; Ebbinghaus-Kurven-Explorer.


Woche 15: Kognitive Last managen – Information & Kommunikation verschlanken

Leitfrage: Wie halte ich den Denk-Kanal frei für das, worauf es ankommt?

Lernziele: Die TN können Material und eigene Kommunikation auf überflüssige Last prüfen (Redundanz, Split Attention, Transienz) und Dual Coding korrekt einsetzen.

Kernideen (McCrea MT „Manage information", „Streamline communication", „Regulate load"; Sweller):

  1. Intrinsische vs. lästige Last: Die Aufgabe selbst darf schwer sein (Denken erwünscht!) – aber alles Drumherum (unklare Folien, parallele Kanäle, Suchen von Material) frisst Kapazität ohne Ertrag.
  2. Split-Attention & Redundanz: Text auf Folie vorlesen ist doppelt belastend; Bild + gesprochenes Wort ist die starke Kombination (Dual Coding richtig verstanden).
  3. Transient Information Effect: Gesprochenes verschwindet – Wichtiges muss stehen bleiben (Tafelanschrieb, Knowledge Organizer), Anweisungen bei komplexen Aufgaben schriftlich fixieren.
  4. Regulate load: Neues in kleinen Dosen, Vorwissen aktivieren, Beispiele vor Abstraktion – der rote Faden hinter Rosenshine P2/P8.

Typische Fehlvorstellungen: „Schöne, animierte Folien motivieren" (Dekoration lenkt ab); „Mehr Info auf der Folie = mehr Service" (Gegenteil).

Übungsteil: Folien-Chirurgie: TN bringen eine eigene Präsentation mit und entschlacken sie live nach Checkliste; Tafelbild planen (Was bleibt stehen? Board = Paper, Lemov T22).

Action Step: „Ich überarbeite den Foliensatz meiner nächsten neuen Einheit: max. X Wörter pro Folie, jede Folie entweder Bild+Rede oder Text – nie beides konkurrierend."

Coaching-Fokus: Materialsichtung vor der Hospitation; Beobachtung: Wohin schauen die SuS während der Erklärung?

SPA-Bausteine: Folien-Makeover-Spiel (überladene Folie → schrittweise verbessern, Vorher/Nachher); CLT-Diagnose-Trainer (Unterrichtsbeschreibung → welcher Lasttyp?); Dual-Coding-Beispielgalerie nach Fach.


Woche 16: Aufmerksamkeit lenken – präzise orientieren

Leitfrage: Wie stelle ich sicher, dass alle über das Richtige nachdenken?

Lernziele: Die TN können Aufmerksamkeit gezielt ausrichten (verbal, visuell, strukturell) und Denkaufträge so formulieren, dass das Gedachte das Gelernte ist.

Kernideen (McCrea MT „Orient attention"; Lemov Prinzip 3):

  1. Aufmerksamkeit ist der Torwächter des Arbeitsgedächtnisses – und sie ist eigensinnig (Neues, Bedrohliches, Soziales gewinnt). Ohne Lenkung lernen SuS irgendwas, nur nicht zuverlässig das Geplante.
  2. Präzision: „Schaut auf die Grafik" ist zu grob; „Vergleicht die Steigung zwischen A und B" richtet das Denken. Zeigen, markieren, benennen.
  3. Struktur lenkt: Ankündigungen („Gleich kommt der wichtigste Satz der Stunde"), nummerierte Schritte, konsistente Layouts – alles Orientierungssignale.
  4. Denken erzwingen: Aufgabenformate wählen, bei denen man den Zielinhalt denken muss, um sie zu lösen (nicht abschreiben, nicht raten kann).

Typische Fehlvorstellungen: „Interessantes Material erzeugt automatisch Lernen" (SuS erinnern die lustige Anekdote, nicht das Konzept – seductive details).

Übungsteil: Aufgaben-Röntgen: „Was muss man denken, um diese Aufgabe zu lösen?" an 6 Beispielen; eigene Aufgabe umbauen, sodass der Zielgedanke unumgehbar wird; Skript für 3 Aufmerksamkeits-Marker der nächsten Stunde.

Action Step: „Vor jedem Medienwechsel sage ich explizit, worauf zu achten ist – einen konkreten Aspekt, nicht 'schaut mal'."

SPA-Bausteine: Eye-Catcher-Experiment (Folie ansehen, danach Quiz: Was hast du wirklich beachtet?); Aufgaben-Röntgen-Trainer; Seductive-Details-Detektor (Material bewerten).


Woche 17: Retrieval Practice – Abrufen schlägt Wiederlesen

Leitfrage: Warum ist Erinnern-Müssen die stärkste Lernaktivität – und wie baue ich sie ein?

Lernziele: Die TN können den Testing Effect erklären und mindestens drei Retrieval-Routinen unterrichtspraktisch einsetzen (Quiz, Brain Dump, Frage-Klassiker).

Kernideen (McCrea MT; Lemov T7; Make It Stick):

  1. Testing Effect: Aktiver Abruf stärkt Gedächtnisspuren weit mehr als erneutes Lesen/Anschauen – Abruf unterbricht das Vergessen.
  2. Niedrigschwellig & benotungsfrei: Retrieval ist Lernwerkzeug, nicht Prüfung – Fehlerkultur entscheidend (Vorgriff Woche 20).
  3. Formenvielfalt: Do-Now-Quiz, Brain Dump (alles aufschreiben, was du weißt), Cold-Call-Runden zu Altstoff, Mini-Whiteboards, kumulative Fragen in Übungssets.
  4. Auch Anwendung ist Abruf: Nicht nur Faktenwissen; Anwenden von Konzepten in neuen Kontexten ist elaborierter Abruf (Lemov: Christine-Torres-Beispiel – Vokabeln in immer neuen Situationen anwenden).

Typische Fehlvorstellungen: „Quizzen ist Zeitverschwendung / bloße Reproduktion"; „SuS mögen keine Abfragen" (gut gemacht sind Retrieval-Routinen bei SuS beliebt – Können macht stolz).

Übungsteil: Retrieval-Starter-Batterie für die eigenen Klassen bauen (10 Fragen: 5× letzte Woche, 3× letzter Monat, 2× Anwendung); Formate-Karussell live erleben (TN durchlaufen selbst 4 Formate mit Fortbildungsinhalten – meta!).

Action Step: „Mein Do Now besteht ab jetzt standardmäßig aus Abruffragen zu gestern + letzter Woche + letztem Monat (3-2-1-Muster)."

Coaching-Fokus: Hospitation eines Retrieval-Starters; Blick auf Beteiligungsquote (alle? oder nur Melder?).

SPA-Bausteine: 3-2-1-Quiz-Baukasten; die SPA selbst nutzt Spaced-Retrieval für Fortbildungsinhalte (Karteikarten-Engine über alle Module – Selbstanwendung als Feature!); Testing-Effect-Experiment zum Selbsterleben (Lernen mit Lesen vs. Abruf, Ergebnis nach 1 Woche).


Woche 18: Spacing & Interleaving – Vergessen strategisch nutzen

Leitfrage: Wann sollte ich wiederholen – und warum ist „etwas vergessen haben" ideal?

Lernziele: Die TN können Wiederholung über Wochen verteilen (kumulative Quizze) und Übungssets verschränken (Interleaving), und sie können den Unterschied Lernleistung vs. Lernen erklären.

Kernideen (McCrea MT; Rohrer & Pashler):

  1. Spacing Effect: Verteilter Abruf mit Abstand schlägt geblocktes Wiederholen massiv – „einer der schnellsten Wirksamkeits-Gewinne überhaupt" (McCrea). Pragmatik statt Präzision: regelmäßige kumulative Quizze reichen.
  2. Interleaving: Aufgabentypen mischen (jede 3.–4. Aufgabe aus Alt-Themen) – erschwert kurzfristig, verbessert langfristig, trainiert das Auswählen der Methode (die eigentliche Prüfungsschwierigkeit!).
  3. Performance ≠ Learning: Was in der Stunde flüssig klappt, kann morgen weg sein; erwünschte Erschwernisse (desirable difficulties) sehen schlechter aus und wirken besser.
  4. Curriculum-Konsequenz: „Durch sein" gibt es nicht – Altstoff lebt in Startern, Übungssets und Klassenarbeiten weiter (kumulatives Prüfen ankündigen!).

Typische Fehlvorstellungen: „Ein Thema abschließen, dann kommt das nächste"; „Wenn die Übungsphase glatt läuft, war die Stunde gut" (Flüssigkeit in der Stunde ist ein schwacher Lern-Indikator).

Übungsteil: Wiederholungs-Landkarte für das eigene Halbjahr skizzieren (Wann taucht Thema X wieder auf?); ein bestehendes Übungsblatt interleaven (jede 3. Aufgabe ersetzen).

Action Step: „Ich baue in mein nächstes Übungsblatt 3 Aufgaben aus früheren Themen ein und kündige an, dass Klassenarbeiten immer Altstoff enthalten."

SPA-Bausteine: Spacing-Planer (Themen + Termine eingeben → Wiederholungs-Kalender); Interleaving-Umbau-Übung; Simulation zweier Lernkurven (geblockt vs. verteilt) über Zeit.


Woche 19: Elaboration & Wissensorganisation (+ Konsolidierung Block 3)

Leitfrage: Wie helfe ich Schüler, Wissen zu vernetzen statt zu stapeln?

Lernziele: Die TN können Elaborationsaufträge stellen (Warum-Fragen, Vergleiche, Beispiele generieren), Knowledge Organizer erstellen und Metakognition anbahnen.

Kernideen (McCrea MT „Expedite elaboration", „Refine structures", „Embed metacognition"; Lemov T5):

  1. Elaboration: Neues aktiv mit Bekanntem verknüpfen – Warum? Inwiefern anders als …? Eigenes Beispiel? Erkläre es einem Fünftklässler. Verarbeitungstiefe entscheidet über Behaltensdauer.
  2. Knowledge Organizer (Lemov T5): Das Kernwissen einer Einheit auf einer Seite (Begriffe, Daten, Konzepte) – Grundlage für Retrieval, Transparenz und Elternkommunikation.
  3. Strukturen verfeinern: Schemata sichtbar machen (Concept Maps, Vergleichstabellen); Fehlkonzepte gezielt konfrontieren.
  4. Metakognition einbetten: Lernstrategien explizit lehren (wie lerne ich für die Arbeit? → Abruf statt Markieren) – Transfer der Blockinhalte an die SuS selbst.
  5. Konsolidierung Block 3: Die 9 McCrea-Prinzipien als persönliches Poster/Merkblatt; Video-Selbstanalyse Nr. 2.

Typische Fehlvorstellungen: „Mindmaps sind automatisch Elaboration" (nur wenn Denken über Zusammenhänge erzwungen wird); „Lernstrategien sind Sache der SuS/Eltern".

Übungsteil: Knowledge Organizer für die aktuelle eigene Einheit bauen (Peer-Review: Ist es Kernwissen oder Vollständigkeitswahn?); Elaborations-Fragen-Batterie für ein Thema schreiben; Meilenstein-Check Block 3.

Action Step: „Ich gebe meiner Klasse vor der nächsten Arbeit einen Knowledge Organizer und zeige ihnen 10 Minuten lang, wie man damit per Selbstabfrage lernt."

➜ GRUPPENHOSPITATION 3 (in Woche 18/19): Fokus Retrieval- und Wiederholungsroutinen; Protokoll: Welche Gedächtnisprinzipien sind sichtbar?

SPA-Bausteine: Knowledge-Organizer-Template-Editor; Elaborations-Fragengenerator (Fragetyp-Roulette); Prinzipien-Matrix (9 McCrea-Prinzipien × eigene Unterrichtsbeispiele eintragen); Block-3-Abschlussquiz.


BLOCK 4: VERSTEHEN PRÜFEN & DENKBETEILIGUNG (Wochen 20–25)

Block-Rationale: Der Sprung von „gut erklären" zu „wissen, ob es ankommt, und alle denken lassen". Lemovs Check-for-Understanding- und Ratio-Techniken bilden das technische Herzstück. Achtung Sequenz: Cold Call & Co. funktionieren erst auf der Basis von Klassenkultur (Block 1) und Fehlerkultur (Woche 20) – deshalb liegt dieser Block bewusst in der zweiten Jahreshälfte. Wichtig nach den Winterferien: Woche 20 beginnt mit einem kurzen „Routinen-Re-Establish"-Segment.


Woche 20: Kultur des Fehlers & Schluss mit Selbstauskunft

Leitfrage: Wie mache ich Fehler zur wertvollsten Ressource der Stunde?

Lernziele: Die TN können eine Fehlerkultur aktiv gestalten (Sprache, Reaktion, Normen) und ersetzen Selbstauskunfts-Fragen durch echte Verständnisprüfung.

Kernideen (Lemov T12 „Culture of Error", T6 „Replace Self-Report"):

  1. Replace Self-Report: „Alle verstanden?" / „Noch Fragen?" liefert keine Daten (soziale Kosten des Nein-Sagens, Dunning-Kruger). Ersetzen durch: konkrete Aufgabe an alle, deren Ergebnis man sieht.
  2. Culture of Error: SuS zeigen Fehler nur, wenn es sicher ist. Lehrersprache entscheidend: „Spannend, diesen Fehler machen viele – warum ist er naheliegend?"; eigene Fehler souverän behandeln.
  3. Fehler entpersonalisieren: Der Fehler gehört zur Aufgabe, nicht zur Person; „richtig/falsch" neutral und zügig klären – Wärme gilt der Person, Klarheit der Sache (Verbindung Warm/Strict).
  4. Plan for Error (Lemov T2): Typische Fehler vorher antizipieren und Reaktion vorbereiten – aus Block-2-Planung wird jetzt Fehler-Planung.

Typische Fehlvorstellungen: „Fehler korrigieren beschämt" (nicht-korrigieren beschämt später mehr – in der Prüfung); „'Fast richtig' ist nett" (es ist unklar; siehe Woche 22 Right is Right).

Übungsteil: Sprach-Makeover: 8 typische Reaktionen auf Fehlerantworten umformulieren; Plan-for-Error-Übung an der eigenen nächsten Einheit (3 wahrscheinlichste Fehler + Reaktions-Skript); Re-Establish-Skript für nach den Ferien.

Action Step: „Ich streiche 'Habt ihr das verstanden?' komplett und ersetze es jedes Mal durch eine prüfbare Mini-Aufgabe."

SPA-Bausteine: Phrasen-Verbot-Spiel (Selbstauskunfts-Fragen erkennen und ersetzen); Fehlerreaktions-Simulator mit Tonfall-Audiobeispielen; Plan-for-Error-Canvas.


Woche 21: Cold Call & Wait Time – alle denken mit

Leitfrage: Wie sorge ich dafür, dass alle denken, nicht nur die fünf Melder?

Lernziele: Die TN können Cold Call warm, vorhersagbar und positiv einsetzen und produktive Wartezeit gestalten.

Kernideen (Lemov T34 „Cold Call", T33 „Wait Time", T36 „Means of Participation"):

  1. Cold Call als Kultur, nicht als Falle: Aufrufen ohne Meldung – angekündigt, freundlich, mit Denkzeit, als Normalität etabliert („In dieser Klasse kann jeder drankommen, weil jede Stimme zählt"). Wirkung: Denk-Ratio steigt für ALLE, nicht nur für die aufgerufene Person.
  2. Frage → Pause → Name: Die Reihenfolge ist entscheidend (erst denken alle, dann fällt der Name).
  3. Wait Time (T33): 3–5 Sekunden nach der Frage aushalten; Wartezeit produktiv rahmen („Ich sehe, viele schreiben noch Gedanken auf – gut").
  4. Means of Participation: Bewusst wählen und ansagen, wie geantwortet wird (Cold Call / Melden / Chorantwort / Turn & Talk / schriftlich) – Wechsel hält wach, Klarheit verhindert Reinrufen.

Typische Fehlvorstellungen: „Cold Call ist Bloßstellen" (falsch umgesetzt ja – richtig umgesetzt ist es das Gegenteil: eine Einladung mit Sicherheitsnetz, No Opt Out folgt in W22); „Schnelle Antworten = gute Stunde" (kurze Latenz erzwingt flaches Denken).

Übungsteil: Cold-Call-Einführungsskript für die eigene Klasse schreiben (inkl. Begründung an die SuS); Rollenspiel mit Fehlerfällen (SuS antwortet „weiß nicht" → Übergang zu W22 teasern); Wait-Time-Übung mit Stoppuhr (5 Sekunden sind LANG – aushalten trainieren).

Action Step: „Ich führe Cold Call in Klasse X ein: Diese Woche jede Stunde mindestens 5 warme Cold Calls nach dem Muster Frage–Pause–Name."

Coaching-Fokus: Beteiligungs-Heatmap: Coach markiert auf dem Sitzplan, wer drangenommen wird (Aufdeckung blinder Flecken: vorne rechts? nur Jungen? nur Melder?).

SPA-Bausteine: Frage–Pause–Name-Sequenztrainer mit Audio; Beteiligungs-Heatmap-Tool zur Selbstbeobachtung; Einführungsskript-Vorlagen nach Altersstufe; Timer-Spiel „Halte 5 Sekunden aus".


Woche 22: No Opt Out & Right is Right – Anspruch halten

Leitfrage: Was tue ich, wenn die Antwort „weiß nicht" oder nur halbrichtig ist?

Lernziele: Die TN können die No-Opt-Out-Schleife führen (von „weiß nicht" zur richtigen Antwort zurück zur Ausgangsperson) und halten den Standard, bis Antworten wirklich vollständig sind.

Kernideen (Lemov T15, T16, T17 „Stretch It"):

  1. No Opt Out: „Weiß nicht" beendet die Beteiligung nicht. Formate: Hinweis geben / Mitschüler liefert Antwort oder Baustein → die Ausgangsperson wiederholt/vervollständigt sie. Botschaft: Bei mir kommt jeder zum Erfolg, Aussteigen gibt es nicht.
  2. Right is Right: „Fast richtig" nicht zu „richtig" runden – freundlich nachfassen („Fast – schärfe den letzten Teil nach"). Standards: ganz richtig, präzise Fachsprache (Format Matters, T18), Frage wirklich beantwortet.
  3. Stretch It: Richtige Antworten sind Startpunkte: Warum? Woher weißt du das? Anderes Beispiel? Was wäre wenn? – Belohnung für Richtigkeit ist eine interessantere Frage.
  4. Wärme-Anteil: Alle drei Techniken leben vom Ton aus Block 1 (Warm/Strict, Positive Framing) – Anspruch als Kompliment.

Typische Fehlvorstellungen: „Nachfassen setzt unter Druck" (aufgegeben zu werden ist die eigentliche Kränkung); „Ich helfe, indem ich die Antwort vervollständige" (dann lernt die Lehrkraft die Antwort, nicht die SuS).

Übungsteil: No-Opt-Out-Schleifen im Rollenspiel (4 Varianten: Hinweis / Peer-Antwort / Teilantwort / Verweigerung); Right-is-Right-Kalibrierung: 10 Schülerantworten bewerten – durchgehen lassen oder nachfassen? (Gruppen-Kalibrierung ist der Kern!).

Action Step: „Kein 'weiß nicht' bleibt diese Woche stehen: Ich komme immer zur Ausgangsperson zurück – und sei es nur zum Wiederholen der richtigen Antwort."

SPA-Bausteine: Schleifen-Simulator (verzweigtes Gespräarch); Kalibrierungs-Quiz mit Schülerantworten (Community-Vergleich: Wie streng sind andere?); Stretch-It-Fragenroulette.


Woche 23: Turn and Talk & Everybody Writes – Denk-Ratio maximieren

Leitfrage: Wie bringe ich in einer Frage-Phase 100 % zum Denken statt 3 %?

Lernziele: Die TN können Partnergespräche eng führen (Timing, Aufgabe, Einsammeln) und Schreiben als Denkwerkzeug vor Diskussionen einsetzen.

Kernideen (Lemov T43 „Turn and Talk", T38 „Everybody Writes"; Think Ratio):

  1. Participation Ratio vs. Think Ratio: Wie viele sind beteiligt × wie anspruchsvoll ist das Denken – beide Regler bewusst steuern.
  2. Turn and Talk, eng geführt: Feste Partner, präzise Frage, knappe Zeit (30–90 Sek.), klares Startsignal (in-cue) und Endsignal, danach verbindliches Einsammeln (Cold Call aus dem Gespräch – „Was hat dein Partner gesagt?").
  3. Everybody Writes: Vor der Diskussion schreiben alle (2–4 Min.) – Denkzeit für alle, Qualitätssprung der Beiträge, Show-Call-Material (W24), Rettungsanker für Stille.
  4. Häufige Bugs: zu lange Redezeit (Abschweifen), unklare Frage (Smalltalk), kein Einsammeln (Beliebigkeit).

Typische Fehlvorstellungen: „Länger reden lassen = tiefer denken" (kurz und fokussiert schlägt lang und lose); „Partnerarbeit ist Kontrollverlust" (eng geführt ist sie das Gegenteil).

Übungsteil: Turn-and-Talk-Skript inkl. In-Cue/Out-Cue für eine reale Stunde; Live-Übung mit der Gruppe (Timing mit Stoppuhr: 45 Sekunden fühlen); Everybody-Writes-Prompts für 3 eigene Diskussionsanlässe schreiben.

Action Step: „Vor jeder Diskussionsfrage diese Woche: erst 2 Minuten schreiben (Everybody Writes), dann Turn and Talk, dann Cold Call ins Plenum."

Coaching-Fokus: Ratio-Schätzung: In einer 10-Minuten-Sequenz – wie viele SuS haben nachweislich gedacht/produziert?

SPA-Bausteine: Sequenz-Bauer (Schreiben→Reden→Teilen als Drag-&-Drop-Choreografie mit Zeitleiste); Stoppuhr-Gefühlstraining; Prompt-Qualitätsprüfer (Frage eingeben → diskutierbar? präzise? in 60 Sek. beantwortbar?).


Woche 24: Show Me, Affirmative Checking & Show Call – Daten sichtbar machen

Leitfrage: Wie sehe ich in Echtzeit, was 30 Köpfe denken – und wie nutze ich Schülerarbeiten öffentlich?

Lernziele: Die TN können All-Response-Formate (Whiteboards, Fingerzeichen, ABCD-Karten) einsetzen, Checkpoints in Arbeitsphasen einbauen und Schülerarbeiten respektvoll projizieren und besprechen.

Kernideen (Lemov T10, T11, T13):

  1. Show Me (T10): Alle zeigen gleichzeitig (Mini-Whiteboards, Fingercodes) – Fehlerquote in Sekunden sichtbar, Entscheidung sofort (weiter / nochmal / einzeln).
  2. Affirmative Checking (T11): Eingebaute Checkpoints: „Bevor ihr zu Aufgabe 3 geht, zeigt mir Aufgabe 2" – verhindert das Einüben von Fehlern.
  3. Show Call (T13): Schülerarbeit (Dokumentenkamera/Foto) anonym oder mit Namen projizieren und gemeinsam würdigen/verbessern – die stärkste Form von Format-Feedback; Kultur des Fehlers (W20) ist Voraussetzung. Auch exzellente Arbeiten zeigen (Standards kalibrieren, Woche 1-Echo auf Schülerseite!).
  4. Aus Daten Konsequenz: Sehen allein reicht nicht – die Reaktionsentscheidung (reteach/weiter/differenzieren) ist der Punkt.

Typische Fehlvorstellungen: „Whiteboards sind Grundschulkram" (in Oberstufen-Mathe/Fremdsprachen genauso mächtig); „Arbeiten zeigen ist Bloßstellung" (mit Fehlerkultur ist es Auszeichnung: 'deine Arbeit bringt uns alle weiter').

Übungsteil: Show-Call-Moderation üben (an anonymisierten echten Arbeiten: würdigen → präzise verbessern → Transfer); Checkpoint-Planung in ein eigenes Arbeitsblatt einbauen; Whiteboard-Logistik klären (Beschaffung, Regeln, Routinen-Skript!).

Action Step: „Ich führe Mini-Whiteboards (oder Fingercodes) in einer Klasse ein und treffe einmal pro Stunde eine sichtbare Weiter/Nochmal-Entscheidung auf Datenbasis."

SPA-Bausteine: Entscheidungssimulator (Whiteboard-Tableau erscheint: 8 von 25 falsch – was tust du?); Show-Call-Moderationsskript-Trainer; Formate-Galerie mit Einführungsskripten.


Woche 25: Vom Datum zur Entscheidung – Reteaching & Own and Track (+ Konsolidierung Block 4)

Leitfrage: Was mache ich mit all den Daten – heute, morgen, vor der Klassenarbeit?

Lernziele: Die TN können Exit-Ticket-/CFU-Daten in konkrete Reteach-Entscheidungen übersetzen und Fehlerkorrektur in Schülerhand geben.

Kernideen (Lemov T14 „Own and Track"; Driven-by-Data-Logik, vereinfacht):

  1. Reteach-Formate: ganze Klasse (Fehler >30 %) / Kleingruppe während Übung / Einzelimpuls; nie einfach identisch wiederholen, sondern anders erklären (neues Beispiel, anderer Zugang).
  2. Own and Track: SuS korrigieren und dokumentieren eigene Fehler systematisch (Fehlerjournal, Korrekturfarbe, „Was war mein Denkfehler?") – Korrektur als Lernakt, nicht als Ritual.
  3. Klassenarbeits-Vorlauf: CFU-Daten der Einheit aggregieren → gezielte Wiederholungsstunde statt Gießkanne.
  4. Konsolidierung Block 4: persönliches CFU-Repertoire-Blatt (Welches Werkzeug wofür?); Kompetenzmatrix-Update.

Typische Fehlvorstellungen: „Nochmal erklären = gleiche Erklärung lauter"; „Berichtigungen schreiben lassen wirkt von allein" (ohne Denkfehler-Analyse ist es Abschreiben).

Übungsteil: Fallstudie: Echter (anonymisierter) Exit-Ticket-Stapel → Diagnose → Reteach-Miniplan für den Folgetag entwerfen und pitchen; Fehlerjournal-Format für die eigene Klasse adaptieren; Meilenstein-Check Block 4.

Action Step: „Nach der nächsten Übungsphase mit >30 % Fehlerquote plane ich einen 10-Minuten-Reteach mit NEUEM Beispiel für den Folgetag."

➜ GRUPPENHOSPITATION 4 (in Woche 24/25): Fokus CFU – Zählprotokoll: Wie oft prüft die Lehrkraft Verstehen, mit welchen Mitteln, was folgt daraus? Diesmal hospitieren die TN gegenseitig (Peer-Hospitation als neue Stufe).

SPA-Bausteine: Datenfall-Bibliothek (Exit-Ticket-Stapel als interaktive Diagnose-Fälle); Reteach-Planer; Block-4-Abschlussquiz kumulativ ab Woche 1.


BLOCK 5: MOTIVATION & BEZIEHUNG (Wochen 26–30)

Block-Rationale: Jetzt haben die TN die Werkzeuge – dieser Block erklärt den sozialen Motor dahinter und füllt die Lücken, die Technik allein nicht schließt: hartnäckige Motivationsprobleme, schwierige Einzelfälle, Eltern. Leitquelle: McCrea, „Motivated Teaching" (5 Treiber), plus Lemov Kap. „Building Student Motivation and Trust" und Lovells Eskalations-Routinen. Zeitlich klug: Das Frühjahrs-Motivationsloch (SuS wie Lehrkräfte) ist genau jetzt.


Woche 26: Wie Motivation funktioniert – und Treiber 1: Erfolg sichern

Leitfrage: Warum strengen sich Menschen an – und warum ist Können der stärkste Motivator?

Lernziele: Die TN können Motivation als (unbewusstes) Investitionssystem für Aufmerksamkeit erklären und den Treiber „Secure Success" gezielt bedienen.

Kernideen (McCrea MoT, Kap. 1–3 + Treiber 1):

  1. Motivation = Aufmerksamkeits-Allokation: Unbewusste Kosten-Nutzen-Abwägung (Erwartung × Wert ÷ Kosten); situationsabhängig, kein Charakterzug („unmotivierter Schüler" ist eine Situationsbeschreibung, keine Diagnose).
  2. Secure Success: Eine Historie von Erfolgen aufbauen (hohe Erfolgsquote! – Rosenshine-Echo); Erfolg richtig attribuieren helfen („dein Üben", nicht „dein Talent"/„Glück"); Misserfolg vorentlasten.
  3. Scholarly Identity (McCrea/Lemov): Motivation folgt oft der Kompetenz von außen nach innen: Ich sehe mich Erfolg haben → also liegt mir das Fach → also strenge ich mich an. Guter Unterricht IST Motivationsarbeit.
  4. Extrinsische Belohnungen: sparsam, temporär, so schnell wie möglich ausschleichen – sie können intrinsische Motivation verdrängen.

Typische Fehlvorstellungen: „Erst Motivation, dann Leistung" (meist umgekehrt); „Motivierender Unterricht = Entertainment" (Erfolgserleben schlägt Feuerwerk); „Belohnungssysteme lösen das" (kurzfristig ja, langfristig riskant).

Übungsteil: Fallanalyse „Nora & Evie" (McCreas Kontrastschülerinnen) mit Treiber-Brille; für einen konkreten eigenen „unmotivierten" Schüler: Erwartung/Wert/Kosten-Analyse + eine Secure-Success-Intervention planen.

Action Step: „Ich gestalte für Schüler Y diese Woche gezielt zwei garantierte, echte Erfolgserlebnisse und benenne die Anstrengungs-Attribution explizit."

SPA-Bausteine: Interaktives Expectancy-Value-Cost-Modell (Regler verschieben → Motivationsprognose); Fall-Bibliothek Motivationsdiagnostik; Attributions-Formulierungs-Trainer.


Woche 27: Treiber 2 & 3 – Routinen entlasten, Normen lenken

Leitfrage: Wie senke ich die Kosten des Lernens – und wie mache ich Anstrengung zur Gruppennorm?

Lernziele: Die TN können ihre Routinen (Block 1!) als Motivationsinstrument reinterpretieren und Normen sichtbar steuern (Sichtbarkeit erwünschten Verhaltens, Peer-Anerkennung, Sprache).

Kernideen (McCrea MoT, Treiber 2–3; Lemov Prinzip 4):

  1. Run Routines: Routinen machen den Prozess des Lernens billig, damit die Inhalte fordernd sein können – die Motivations-Begründung für alles aus Block 1 (Aha-Moment des Jahres!).
  2. Nudge Norms: Menschen tun, was (sie glauben, dass) die Gruppe tut. Erwünschtes sichtbar machen („Viele haben gestern die Zusatzaufgabe versucht"), NIE Negativ-Normen versehentlich verstärken („Keiner macht je Hausaufgaben!" ist Werbung fürs Nichtstun).
  3. Peer-Anerkennung amplifizieren: Props/Anerkennungsrituale, Arbeiten zeigen (Show Call als Normen-Werkzeug!).
  4. Konsistenz im Kollegium: Normen wirken schulweit – jede abgestimmte Kollegin multipliziert den Effekt (Anschluss an schulische Regelwerke).

Typische Fehlvorstellungen: „Öffentliches Anprangern schreckt ab" (es normalisiert!); „Routinen sind Drill und töten Motivation" (das Gegenteil: sie senken Kosten).

Übungsteil: Normen-Audit der eigenen Sprache (mitgebrachte typische Sätze auf versteckte Negativ-Normen prüfen und drehen); Sichtbarkeits-Plan: 3 Wege, erwünschtes Verhalten in Klasse X sichtbarer zu machen.

Action Step: „Ich ersetze jede Negativ-Normaussage ('immer schwätzt ihr…') durch eine Positiv-Normaussage – eine Woche Selbstbeobachtung mit Strichliste."

SPA-Bausteine: Normen-Übersetzer (Negativ-Satz eingeben → Umformulierung üben); Fallsimulation Klassendynamik (Entscheidungen → Norm-Entwicklung über 4 simulierte Wochen); Routinen-Kosten-Rechner.


Woche 28: Treiber 4 – Zugehörigkeit & Gesehen-Werden

Leitfrage: Wie sorge ich dafür, dass sich jeder Einzelne zugehörig, gesehen und ernst genommen fühlt?

Lernziele: Die TN können konkrete Belonging-Praktiken einsetzen (Namen, Begrüßung, Status-Signale, gemeinsame Identität) und Vertrauensaufbau als tägliche Kleinarbeit verstehen.

Kernideen (McCrea MoT Treiber 4; Lemov „Feeling known"):

  1. Build Belonging: Status aller SuS signalisieren (jede Stimme zählt – Voice Equity, Cold-Call-Echo!), gemeinsame Ziele/Identität stiften, Vertrauen verdienen und halten (Zusagen einhalten!).
  2. Feeling known (Lemov): Namen nutzen, Mikro-Kontakte rund um den Stundenauftakt schaffen (in der Minute zwischen Betreten des Raums und Begrüßungsritual sowie beim ersten Rundgang: 2–3 SuS persönlich ansprechen), Details erinnern („Wie war das Turnier?"), Arbeit wahrnehmen („Viel besser als gestern") – Mikromomente summieren sich.
  3. Zugehörigkeit moderiert Normen: Normen wirken nur auf die, die sich der Gruppe zugehörig fühlen – Außenseiter-Dynamiken sind darum auch Lernprobleme.
  4. Deutsche Praxis-Anker: Klassenlehrerprinzip, Klassenrat, KL-Stunden als Gefäße nutzen.

Typische Fehlvorstellungen: „Beziehung baut man in Sonderaktionen auf (Ausflug, Spielstunde)" (Alltag schlägt Event); „Bei 200 SuS in Sek II unmöglich" (gerade dort zählen Mikrosignale doppelt).

Übungsteil: Belonging-Inventur für die eigene „schwierigste" Klasse: Wer ist unsichtbar? (Sitzplan durchgehen: Zu wem hatte ich diese Woche null persönlichen Kontakt?); 5 Mikro-Interventionen planen.

Action Step: „Ich identifiziere die 3 'unsichtbarsten' SuS jeder Klasse und schaffe pro Tag einen echten Mikro-Kontakt (Name + Inhalt)."

Coaching-Fokus: Beziehungs-Beobachtung: Zu welchen SuS gibt es sichtbar warmen Draht, wo Funkstille? (Heatmap Teil 2).

SPA-Bausteine: Unsichtbarkeits-Check (Sitzplan-Tool mit Kontakt-Tracking über eine Woche); Mikromoment-Ideenkarten; Selbsttest „Woran merken SuS, dass ich sie kenne?".


Woche 29: Treiber 5 & schwierige Einzelfälle – Buy-in, Eskalation, Systemgrenzen

Leitfrage: Wie gewinne ich echte Zustimmung – und was tue ich, wenn nichts mehr greift?

Lernziele: Die TN können Wahlarchitektur/Begründungen einsetzen (Buy-in), kennen die Eskalationskette bei massiven Störungen und wissen, wann und wie sie Systemhilfe holen.

Kernideen (McCrea MoT Treiber 5; Lovell R10, R17, R18):

  1. Boost Buy-in: Nutzen der Entscheidungen transparent machen („Wir üben so, WEIL…"), echte Opt-in-Momente schaffen (Wahl zwischen sinnvollen Optionen), Metamotivation aufbauen (SuS verstehen ihr eigenes Motivationssystem – Anschluss Woche 19 Metakognition).
  2. Moving a Student (Lovell R10): Umsetzen ruhig, skriptbasiert, gesichtswahrend – vorbereitet statt improvisiert.
  3. Eskalationskette & Auszeit: klare, schulkonforme Stufen; nach jeder Eskalation Beziehung reparieren (W.I.N.-Echo aus Woche 7).
  4. System Level Support (Lovell R18): Hilfe holen ist Professionalität, nicht Versagen – Klassenkonferenz, Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, ggf. Jugendhilfe; Dokumentation als Handwerk (Vorfallprotokolle).

Typische Fehlvorstellungen: „Ich muss jeden Fall allein lösen" (Einzelkämpfertum ist das größte Burnout-Risiko für Quereinsteiger); „Konsequenz = Härte" (Konsequenz = Vorhersagbarkeit).

Übungsteil: Eskalations-Rollenspiele (2 harte Szenarien mit Skript und Stopp-Punkten); Dokumentations-Übung (Vorfall sachlich protokollieren); Übersicht der schulischen Unterstützungslandkarte gemeinsam erstellen (schulspezifisch anpassen!).

Action Step: „Ich skripte für meinen aktuell schwierigsten Fall die nächste Eskalationsstufe UND vereinbare ein Gespräch mit einer Unterstützungsinstanz."

SPA-Bausteine: Eskalations-Entscheidungsbaum (interaktiv, mit schulspezifisch konfigurierbaren Stufen); Protokoll-Trainer (Vorfallbeschreibungen: Fakt vs. Wertung sortieren); Unterstützungs-Wegweiser (anpassbare Landkarte der eigenen Schule).


Woche 30: Elternarbeit & Gesprächsführung (+ Konsolidierung Block 5)

Leitfrage: Wie führe ich Elterngespräche, die Verbündete schaffen statt Fronten?

Lernziele: Die TN können Elterngespräche strukturiert vorbereiten und führen (auch Konfliktgespräche), kennen die deutschen Formate (Elternsprechtag, Elternabend, anlassbezogene Gespräche) und dokumentieren rechtssicher.

Kernideen:

  1. Früh und positiv kontaktieren: Der erste Kontakt sollte nie das Problemgespräch sein – Positiv-Anrufe/Nachrichten als Investition (Bank Positivity auf Elternebene).
  2. Gesprächsstruktur: gemeinsames Ziel voranstellen („Wir wollen beide, dass…") → Beobachtungen (Fakten, W29-Protokolle!) → Perspektive der Eltern hören → gemeinsame nächste Schritte, terminiert. W.I.N.-Logik auf Erwachsene übertragen.
  3. Schwierige Gespräche: Vorwürfe depersonalisieren, bei Fakten bleiben, Grenzen freundlich halten; nie allein in absehbar eskalierende Gespräche (Kollegium/Schulleitung einbinden).
  4. Deutsche Spezifika: Rolle von Elternvertretung, Zeugniskonferenzen, Dokumentationspflichten; Kommunikationswege der eigenen Schule klären.
  5. Konsolidierung Block 5: Motivations-Treiber-Poster für die eigene Praxis; Kompetenzmatrix-Update.

Übungsteil: Elterngespräch-Rollenspiele (3 Typen: besorgt / fordernd / abwesend-schwer erreichbar); Positiv-Kontakt-Vorlagen schreiben; Meilenstein-Check Block 5.

Action Step: „Ich kontaktiere diese Woche zwei Elternhäuser mit einer rein positiven Nachricht über ihr Kind."

➜ GRUPPENHOSPITATION 5 (in Woche 29/30): Freier Fokus nach Wahl der Gruppe ODER Motivations-Treiber-Beobachtung; erneut Peer-Hospitation.

SPA-Bausteine: Elterngespräch-Simulator (verzweigte Dialoge mit drei Elterntypen); Gesprächsleitfaden-Generator; Formulierungs-Bibliothek für heikle Botschaften; Block-5-Quiz.


BLOCK 6: PLANUNG, ARBEITSÖKONOMIE & NACHHALTIGE ENTWICKLUNG (Wochen 31–35)

Block-Rationale: Der Abschlussblock macht aus einem trainierten ersten Jahr eine tragfähige Karriere: effizient planen (Zeit ist die knappste Ressource von Quereinsteiger mit Deputat!), klug bewerten, sich selbst weiterentwickeln. Leitquelle: McCrea, „Lean Lesson Planning" – jetzt, am Ende, weil Planungsökonomie Urteilskraft voraussetzt, die erst da ist.


Woche 31: Lean Lesson Planning – die schlanke Planungsroutine

Leitfrage: Wie plane ich gute Stunden in 20 statt 90 Minuten?

Lernziele: Die TN können das Lean-Framework als feste Planungsroutine anwenden und unterscheiden, welche Planungsteile Routine und welche Kreativität verdienen.

Kernideen (McCrea LLP, Kap. 1–3, 6–8):

  1. Lean-Mindset: Maximaler Lerneffekt pro investierter Planungsminute; Wirkung vor Aufwand; Perfektion ist Verschwendung, wenn 80 % denselben Lerneffekt bringen.
  2. Das Framework als feste Fragenfolge: Wohin? (Meilensteine – W9) → Woher weiß ich, dass sie da sind? (CFU/Exit Ticket – Block 4) → Wie kommen sie hin? (Aktivitäten zuletzt!) → Was muss wiederholt werden? Konsequente Reihenfolge, keine Abkürzungen.
  3. Efficient Activities: Aktivitäten nach Lernrendite auswählen (Denkzeit pro Vorbereitungsminute); bewährte Formate wiederverwenden statt ständig Neues zu basteln – ein kleines, exzellent beherrschtes Repertoire schlägt Methodenfeuerwerk.
  4. 5-Minuten-Plan-Formate: Einseiter statt Verlaufsraster-Prosa; das Jahres-Template aus Woche 13 wird finalisiert.

Typische Fehlvorstellungen: „Gute Lehrer planen lange" (gute Lehrer planen die richtigen Dinge); „Jede Stunde braucht neues Material" (Wiederverwendung ist Professionalität).

Übungsteil: Planungs-Zeitmessung: dieselbe Stunde einmal „wie bisher", einmal mit Lean-Framework planen – Zeiten und Qualität vergleichen; persönliches Planungs-Template finalisieren.

Action Step: „Ich plane alle Stunden dieser Woche ausschließlich mit dem Lean-Framework und stoppe die Zeit."

SPA-Bausteine: Geführter Lean-Planer (Fragenfolge als Wizard, erzwungene Reihenfolge!); Zeittracker mit Wochenstatistik; Aktivitäten-Renditerechner; Repertoire-Bibliothek zum Befüllen.


Woche 32: In Sequenzen denken – Einheiten, Doppelplanung, Differenzierung light

Leitfrage: Wie plane ich Einheiten statt Einzelstunden – und wie plane ich mit, was die SuS tun?

Lernziele: Die TN können eine Unterrichtseinheit rückwärts vom Leistungsnachweis planen, Wiederholung einbauen (Restorative Planning) und Doppelplanung (Lehrer-/Schülerperspektive) anwenden.

Kernideen (McCrea LLP Kap. 9; Lemov T4 „Double Plan"):

  1. Inter-Lesson Planning: Lernen passiert über Stunden hinweg; jede Planung fragt: Was aus früheren Stunden muss heute zurückkommen (restorativ), und was bereitet künftiges vor („Back to the future")?
  2. Einheit rückwärts: Klassenarbeit/Klausur zuerst entwerfen (mindestens skizzieren!) → Meilensteine der Einheit → Stunden verteilen → Spacing-Landkarte (W18) integrieren.
  3. Double Plan (Lemov T4): Für jede Phase planen, was die SUS tun (schreiben? hören? diskutieren?) – deckt Passivitätslöcher auf; Schülermaterial (Packet) mitdenken.
  4. Differenzierung pragmatisch: Kernaufgabe für alle + Rampe nach oben (Stretch-Aufgaben) + Gerüst nach unten (Beispiel/Ansatz) – statt drei Parallelwelten.

Übungsteil: Die nächste eigene Einheit als Einseiter rückwärtsplanen (Nachweis → Meilensteine → Stundenkette → Wiederholungsanker); Peer-Review.

Action Step: „Ich skizziere die Klassenarbeit meiner nächsten Einheit VOR der ersten Stunde der Einheit."

Coaching-Fokus: Planungsgespräch statt Hospitation (einmalig): gemeinsame Einheitsplanung als Coaching-Gegenstand.

SPA-Bausteine: Einheiten-Canvas (interaktiv, rückwärts erzwungen); Double-Plan-Spaltenwerkzeug; Differenzierungs-Baukasten (Kern/Rampe/Gerüst-Generator).


Woche 33: Bewerten, Korrigieren, Feedback – wirksam UND ökonomisch

Leitfrage: Wie gebe ich Feedback, das Lernen bewegt, ohne in Korrekturbergen zu ertrinken?

Lernziele: Die TN können Whole-Class-Feedback einsetzen, Korrekturaufwand strategisch dosieren und kennen die Grundzüge fairer Leistungsbewertung im deutschen System.

Kernideen:

  1. Feedback wirkt nur, wenn damit gearbeitet wird: Die Reaktion der SuS auf Feedback ist der Punkt – feste Überarbeitungszeit einplanen (DIRT: Dedicated Improvement & Reflection Time); Own-and-Track-Echo (W25).
  2. Whole-Class-Feedback: Stapel lesen, Muster notieren (3 Stärken, 3 Fehlermuster, Beispiele) → eine Feedbackstunde für alle statt 28 Randkommentare; Show Call integriert.
  3. Korrektur-Triage: Nicht alles verdient dieselbe Tiefe – Selbstkontrolle (Lösungen), Peer-Kontrolle, Stichproben, Vollkorrektur bewusst wählen.
  4. Deutsche Spezifika: Notenverordnungen des Bundeslands, Erwartungshorizonte, mündliche Noten transparent machen (Kriterien + Datenbasis statt Bauchgefühl – die CFU-Daten aus Block 4 sind Gold), Zeugnisformulierungen, rechtliche Basics (Ankündigungsfristen, Gewichtung – schulspezifisch prüfen!).

Typische Fehlvorstellungen: „Viel roter Rand = gewissenhafte Lehrkraft" (unbearbeitetes Feedback ist verlorene Zeit); „Mündliche Noten sind Gefühlssache".

Übungsteil: Whole-Class-Feedback an einem echten Klassensatz üben (Muster extrahieren, Feedbackstunde skizzieren); eigenes Korrektur-Triage-System entwerfen; Erwartungshorizont für die geplante Arbeit aus W32 schreiben.

Action Step: „Meinen nächsten Klassensatz werte ich per Whole-Class-Feedback aus und plane eine DIRT-Phase zur Überarbeitung ein."

SPA-Bausteine: Whole-Class-Feedback-Assistent (Muster-Notizvorlage + Feedbackstunden-Generator); Korrektur-Triage-Entscheidungshilfe; Zeitspar-Rechner (Vollkorrektur vs. WCF).


Woche 34: Growth Teaching – die eigene Entwicklung selbst steuern

Leitfrage: Wie werde ich nach diesem Programm von allein weiter besser?

Lernziele: Die TN können Videoselbstanalyse eigenständig durchführen, sich eigene Action Steps setzen, kollegiale Lernstrukturen nutzen und haben einen persönlichen Entwicklungsplan für Jahr 2.

Kernideen (McCrea LLP Kap. 10–12; EEF-PD-Mechanismen, jetzt offen gelegt):

  1. Erfahrung allein macht nicht besser – deliberate practice tut es: gezielter Fokus, Feedback, Wiederholung. Das Programm-Design wird jetzt transparent gemacht (Meta-Ebene: „Ihr habt ein Jahr EEF-Mechanismen erlebt – so baut ihr sie euch selbst").
  2. Video-Selbstanalyse Nr. 3 als Routine etablieren (2–3× pro Halbjahr, 10-min-Ausschnitt, ein Fokus, Beobachtungsbogen).
  3. Kollegiale Strukturen: Peer-Hospitationstandems fortführen, Mikro-Feedback-Kultur, Fachschaft als Lernort; Lesepfad für Jahr 2 (die 5 Programmbücher gezielt vertiefen + z. B. Willingham, Wiliam, Sherrington „WalkThrus").
  4. Selbst-Coaching: eigenen Action-Step-Zyklus weiterführen (wöchentlich, schriftlich, klein).

Übungsteil: Video-Selbstanalyse Nr. 3 in Tandems auswerten; Entwicklungsplan Jahr 2 schreiben (2 Stärken ausbauen, 2 Baustellen, Strukturen/Termine festlegen); Tandem-Verabredungen für nächstes Schuljahr fixieren.

Action Step: „Ich vereinbare mit meinem Tandem zwei feste Peer-Hospitationstermine für das erste Halbjahr des nächsten Schuljahres – mit Kalendereintrag."

SPA-Bausteine: Selbstanalyse-Toolkit (Beobachtungsbögen aller Blöcke als wählbare Video-Analyse-Raster); Entwicklungsplan-Canvas; kuratierter Lesepfad mit Kapitel­empfehlungen.


Woche 35: Abschluss-Kolloquium & Zertifikat

Leitfrage: Was hat sich in einem Jahr verändert – sichtbar, belegbar, feierbar?

Format (90–120 min, feierlicher Rahmen):

  1. Vorher/Nachher-Präsentationen: Jeder TN zeigt 2 kurze Videoausschnitte (Baseline aus Woche 1 vs. aktuell) und kommentiert die eigene Entwicklung anhand von 3 Techniken – der stärkste Motivations- und Evidenzmoment des Jahres (EEF: Bestärkung nach Fortschritt).
  2. Portfolio-Würdigung: Action-Step-Log (35 Einträge!), Playbook, Skriptsammlung.
  3. Kompetenzmatrix final: Selbst-/Coach-Einschätzung im Vergleich zu Woche 0 und 19.
  4. Programm-Feedback für die nächste Kohorte (strukturiert, wird ins Curriculum zurückgespielt).
  5. Zertifikat & Ausblick: Übergabe; ggf. Rolle als Peer-Mentor für die nächste Kohorte anbieten (stärkste Form der Verankerung: Lehren des Gelernten).

SPA-Bausteine: Jahres-Dashboard (alle Quiz-Ergebnisse, Action Steps, Selbsteinschätzungen als Verlaufskurven); Portfolio-Export als PDF; Vorher/Nachher-Reflexionsleitfaden.


Teil C: Querschnitts-Hinweise für die SPA-Entwicklung

Wiederkehrende SPA-Bausteine (einmal bauen, überall nutzen)

  1. Retrieval-Engine: Karteikarten-/Quizsystem mit Spacing-Algorithmus über ALLE Module – die SPA praktiziert selbst, was sie lehrt (Woche 17/18 als Verkaufsargument im Onboarding der App).
  2. Skript-Editor: Dreispaltiges Format nach Lovell (Tool / Wortlaut kursiv / Aktion & Hinweise) – wird in ~10 Modulen gebraucht; Skripte sammeln sich zum persönlichen Playbook (PDF-Export).
  3. Szenario-Simulator: Verzweigte Dialoge (Störung, W.I.N., Elterngespräch, No-Opt-Out) – eine Engine, viele Inhalte. Ideal mit KI-generierten Schüler-/Elternantworten.
  4. Video-Kontrastpaare: Gleiche Situation, zwei Ausführungen – das wirksamste „See it"-Format; wo keine echten Videos verfügbar: verschriftlichte Transkript-Kontraste oder nachgestellte Audio-Clips.
  5. Action-Step-Tracker: Wöchentlicher Schritt mit Erinnerung, Selbst-Check am Wochenende, Verlaufslog – die Brücke zwischen SPA und Klassenzimmer (EEF-Baustein D!).
  6. Selbsteinschätzungs-Matrix: 8 Kompetenzfelder, erhoben in Woche 0/19/35, als Spinnennetz-Diagramm.

Didaktische Regeln für jede Modul-SPA

Kompetenzmatrix (Vorschlag: 8 Felder für Selbst-/Fremdeinschätzung)

  1. Routinen & Stundenstart · 2. Anweisungen & Aufmerksamkeit · 3. Intervention & Präsenz · 4. Erklären & Modellieren · 5. Übungsphasen führen & monitoren · 6. Verstehen prüfen (CFU) · 7. Beteiligung & Fragenkultur · 8. Planung & Arbeitsökonomie (je 4 Stufen: Anfang – Grundlagen – sicher – flüssig/adaptiv)

Quellenverzeichnis (Kern)