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Skript Woche 2: „Die Zäsuren der Stunde – starker Start, geordnetes Ende

Skript Woche 2: „Die Zäsuren der Stunde – starker Start, geordnetes Ende"

60-Minuten-Sitzung · Block 1 · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Wie gewinne ich die ersten fünf Minuten jeder Stunde – und wie beende ich sie so, dass morgen genauso beginnt?
Kernquellen Lovell/Dowley, Routine 1 (Entry Routine – adaptiert) und Routine 12 (Engagement bis zum Ende); Lemov T20 (Do Now), T51 (Do It Again), T31 (Every Minute Matters), „Strong Start" (adaptiert); Kontext: schulisches Ritual Aufstehen–Begrüßung–Setzen
Funktion im Jahr Erste vollständige Routine des Playbooks – und zwar gleich als Paar: Anfang und Ende erfüllen dieselbe Funktion in zwei Formen. Den Anfang gibt das Schulritual vor, das Ende muss jede Lehrkraft selbst entwerfen – deshalb ist es hier Konstruktions-, nicht Nachvollzugsaufgabe. Etabliert das dreispaltige Skript-Format (Standard für ~10 weitere Module) und das Rollenspiel mit Störkarten. Das Do Now wird hier organisatorisch eingeführt und in W13/W17 didaktisch aufgeladen; das Stundenende liefert die Reservekarten-Logik, die in W13 (Exit Ticket) inhaltlich gefüllt wird.
Lernziele Die TN können:
1. den Stundenauftakt an unserer Schule als 7-Schritt-Routine skripten (Wortlaut + Position + Material),
2. die Qualitätsbedingung „100 % vor dem Gruß" begründen und durchhalten,
3. erklären, was ein Do Now ist, es von ihrem Starter-Satz unterscheiden und eines nach den drei Kriterien formulieren,
4. einen Routine-Ausrutscher mit Do It Again neutral zurücksetzen,
5. ein eigenes Stundenende mit Puffer, Pack-Signal und festem Abschiedsritual entwerfen und konstant halten.
Sitzungstyp Volles Technik-Training mit Rollenspiel-Karussell – die intensivste Übungssitzung bisher. Geübt wird der Start; das Ende wird geskriptet und in einem Kurzdurchgang gesprochen (es ist dasselbe Handwerk im Kleinformat).

Schulkontext (prägt alles): Kein Türschwellen-Ritual wie bei Lemov – die Lehrkraft betritt den Raum, die Klasse ist in der Regel schon da. Unser Ritual: Alle stehen auf → Begrüßung → Setzen. Die Sitzung behandelt dieses Ritual nicht als Folklore, sondern als präzises Werkzeug.

Für das Stundenende gibt es an unserer Schule dagegen kein gemeinsames Ritual: Niemand steht noch einmal auf, jede Lehrkraft regelt den Schluss selbst. Das ist keine Lücke, die die Sitzung beklagt, sondern ihre Pointe – die Funktion steht fest (eine klare Zäsur), die Form entwirft jede TN selbst. Moderation deshalb nie sagen „bei uns wird im Stehen verabschiedet"; korrekt ist: „Für den Anfang habt ihr eine Vorgabe. Für das Ende habt ihr freie Hand – und genau deshalb müsst ihr es euch selbst bauen."


2. Vorbereitung

Raum: Freie Spielfläche mit 6–8 Stühlen als „Klasse" (Rollenspiel-Karussell!); Tische für Skript-Arbeit am Rand; Tür/Raumecke als „Auftrittspunkt" markieren.

Material (Checkliste):


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard.

Phase 1 · Retrieval-Starter (Minute 2–8)

5 Fragen (Anhang 2, Teil 1), Standardablauf.

Phase 2 · Brücke & Rätsel (Minute 8–12)

Moderationstext: „Kurzer Erfahrungsbericht zur Erwartungs-Einführung: Wer hat's gemacht – und was ist passiert? Zwei Stimmen." [2 Min., würdigen, offene Fragen ins Coaching verweisen] „Und jetzt eine Rechnung. Angenommen, euer Stundenstart kostet im Schnitt vier unproduktive Minuten – Ankommen, Kramen, Ermahnen, bis alle im Stoff sind. Vier Minuten, bei sagen wir 14 Stunden pro Woche, 38 Schulwochen: über 35 Zeitstunden im Jahr. Fast eine ganze Arbeitswoche – verloren an das Vorspiel. Heute holen wir sie zurück. Und zwar nicht mit einem Trick, sondern mit dem Ritual, das ihr längst habt: Aufstehen, Begrüßung, Setzen. Es ist da. Die Frage ist nur, ob es ARBEITET."

Phase 3 · Input (Minute 12–31)

3a · See it: Die Doppel-Demo (Min. 12–18) — das Herzstück

Die Moderation spielt beide Varianten selbst, mit 6 TN als Klasse (vorher instruiert: Variante A = trödeln, halb aufstehen, weitertuscheln; Variante B = normal mitspielen):

Variante A (schwach): Moderation kommt herein, redet schon im Gehen („Ja, guten Morgen, setzt euch, wir haben heute viel vor…"), sortiert Unterlagen am Pult, die Hälfte steht halb, Getuschel läuft weiter, irgendwann beginnt der Unterricht – niemand könnte sagen, wann eigentlich.

Variante B (stark): Moderation kommt herein, geht wortlos zum festen Punkt (Mitte vorn), stellt sich ruhig hin, Blick durch den Raum. Wartet. Auch als zwei noch tuscheln: wartet freundlich weiter, 8 Sekunden, Blick zu den beiden. Stille. Alle stehen. Dann warm: „Guten Morgen, 9b." – Antwort abwarten – „Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: Starter an der Tafel, vier Minuten, still." Timer startet sichtbar mit dem Setz-Signal. Moderation bleibt vorn stehen und scannt (geht demonstrativ NICHT ans Pult).

Auswertung (Plenum, 3 Min.): „Was genau war anders? Sammelt – ich will Handlungen hören, keine Eindrücke." [Sammlung deckt die 7 Schritte fast vollständig auf – die Gruppe ‚entdeckt' die Zerlegung selbst.]

3b · Warum das Warten alles entscheidet (Min. 18–22)

„Der wichtigste Moment der ganzen Sequenz ist der unbequemste: die Sekunden, in denen ich schweigend gewartet habe. Wer in die Unruhe hineingrüßt, unterschreibt zweimal täglich denselben Vertrag: ‚Halbherzig reicht hier.' Das ist Modell 4 – ihr unterrichtet eine Norm, ob ihr wollt oder nicht. Die Wartezeit dagegen sagt ohne ein Wort: Wir beginnen gemeinsam, vollständig, oder gar nicht. Das ist euer erster 100%-Moment der Stunde – Wochen bevor wir ‚100 %' offiziell behandeln. Und die Funktion des Rituals insgesamt? Es ist eine ZÄSUR. Pausengehirne sind überall – beim Streit von eben, beim Handy, beim Pausenbrot. Das gemeinsame Aufstehen ist ein körperliches Signal an 28 Gehirne: Jetzt beginnt etwas anderes. Lemov lässt seine Lehrkräfte dafür an der Türschwelle stehen – wir haben unser eigenes Ritual, und richtig ausgeführt leistet es exakt dasselbe: Zäsur, warmer Kontakt, gemeinsamer Start."

3c · Das Do Now: die Lücke nach dem Setzen schließen (Min. 22–27)

Hinweis an die Moderation: Der Begriff fällt in der Demo und in Schritt 1 der Routine – hier wird er zum ersten Mal erklärt. Nicht überspringen, auch wenn er selbsterklärend wirkt: Die häufigste Rückfrage im Coaching dieser Woche ist „Ist das Do Now dasselbe wie mein Starter-Satz?"

Moderationstext: „Ein Begriff, den ich bis jetzt benutzt habe, ohne ihn zu erklären – und der euch das ganze Jahr begleitet: das Do Now. Ein Do Now ist eine kurze, schriftliche Aufgabe, die an der Tafel steht, BEVOR ihr grüßt, und die die Klasse ohne ein einziges Wort von euch beginnen kann. Kein Einstieg, keine Hinführung, kein Arbeitsauftrag im üblichen Sinn: eine Aufgabe, die die Klasse startet, während ihr noch atmet. Warum braucht es die überhaupt? Nach dem Setzen entsteht ein Moment, in dem 28 Leute dieselbe Frage im Kopf haben: ‚Was jetzt?' Beantwortet ihr sie nicht, beantwortet die Klasse sie selbst – verlässlich, und selten in eurem Sinne. Das Do Now beantwortet sie im Voraus. Und damit wir nicht durcheinanderkommen, die Begriffsordnung: Das Do Now ist die Aufgabe an der Tafel. Der Starter-Satz ist der eine Satz, mit dem ihr darauf zeigt. Die Aufgabe ist schriftlich und wechselt täglich – der Satz ist mündlich und bleibt wörtlich gleich. Zusammen bilden sie die Kette: Setz-Signal → Starter-Satz → Do Now → Timer. Drei Kriterien, mehr braucht ein gutes Do Now nicht: ​*Erstens: ohne Erklärung lösbar. Wenn die Klasse euch zum Starten braucht, habt ihr nichts gewonnen – dann steht in Sekunde zehn die Frage-Traube am Pult.* ​*Zweitens: schriftlich. Nicht nur, weil es zum Denken zwingt, sondern weil ihr beim Scannen auf einen Blick seht, wer arbeitet und wer so tut.* ​*Drittens: drei bis fünf Minuten. Kurz genug, dass niemand hängen bleibt; lang genug, dass ihr Anwesenheit, Nachzügler und Technik in Ruhe erledigen könnt.* Und inhaltlich? Ideal ist Wiederholung – Stoff von gestern, von letzter Woche, vom letzten Halbjahr. Warum ausgerechnet Wiederholung so mächtig ist, versteht ihr in Block 3 in voller Tiefe. Heute reicht: Sie funktioniert immer, sie braucht keine Einführung, und sie startet das Denken, statt es erst aufzuwärmen. Der häufigste Anfängerfehler zum Schluss: das Do Now als elegante Hinführung zum neuen Thema. Klingt gut – und erzeugt exakt das, was die Routine verhindern soll. Neues braucht euch. Das Do Now soll ohne euch laufen."

Kurzer Check im Plenum (30 Sek.): „Wer sagt mir in einem Satz den Unterschied zwischen Do Now und Starter-Satz?" – aufrufen ohne Meldung. Erst wenn das sitzt, weiter.

3d · Do It Again: der neutrale Reset (Min. 27–28)

„Und wenn die Routine mal ausfranst – Montagmorgen, nach Ferien, sechste Stunde? Dann gibt es ein Werkzeug namens Do It Again: ruhig, ohne Vorwurf: ‚Das können wir flüssiger. Noch einmal.' Es ist kein Strafexerzieren – es ist die Botschaft: Der Standard gilt, und ich traue euch zu, ihn zu erfüllen. Der Ton macht den Unterschied zwischen Reset und Demütigung."

3e · Das Stundenende: dieselbe Funktion, eure Form (Min. 28–31)

„Und jetzt drehen wir die Stunde um. Denn sie hat zwei Zäsuren, nicht eine – und die zweite unterrichtet die Norm für die erste von morgen. Wer im Klingel-Chaos endet – Packen ab Minute 42, Rufen über die Köpfe, Hausaufgabe in den Lärm – der startet morgen genau dort. Ein Unterschied vorweg, und er ist wichtig: Für den Anfang gibt euch die Schule das Ritual vor – aufstehen, Gruß, setzen. Für das Ende gibt sie euch nichts. Niemand steht bei uns zum Schluss noch einmal auf; jede Lehrkraft macht es, wie sie es macht. Das heißt nicht, dass das Ende weniger wichtig wäre – es heißt, dass ihr es selbst bauen müsst. Drei Bausteine: ​*Puffer. Plant das Ende auf drei Minuten VOR dem Klingeln. Der Rest ist Reserve – nie umgekehrt. Wer bis zur Sekunde plant, endet immer im Chaos.* ​*Geordneter Abschluss. Gepackt wird auf Signal, nicht auf Verdacht. Und verabschiedet wird bewusst: mit einem festen Satz, von eurem festen Punkt aus, mit Blick durch die Klasse. Ob ihr dazu die Klasse aufstehen lasst, ob ihr selbst zur Tür geht, ob es im Sitzen passiert – das entscheidet ihr, dafür gibt es keine Hausregel. Entscheidend ist nur eines: dass es jedes Mal dasselbe ist. Ein Abschied, der mal kommt und mal nicht, ist keine Zäsur, sondern ein Zufall. Und begrabt bitte den Satz ‚Ihr könnt schon mal leise packen': Das ist eine Einladung, morgen zwei Minuten früher zu packen. Übermorgen vier.* ​*Every Minute Matters. Wenn doch zwei Minuten übrig bleiben, habt ihr Reservekarten – zwei, drei Abruf-Fragen zur Stunde. Nie Leerlauf; Leerlauf am Ende ist die teuerste Minute des Tages, weil sie die Norm setzt.* Und wenn das Ende zerfasert? Dasselbe Werkzeug wie vorn: Do It Again. ‚Der Schluss war unruhig. Wir machen ihn noch einmal.' Dreißig Sekunden, und die Norm steht wieder."

Phase 4 · Name it (Minute 31–35)

Die 7 Teilschritte an der Tafel fixieren (aus der Demo-Auswertung zusammenführen):

  1. Vorbereitung: Das Do Now – die schriftliche Aufgabe – steht an der Tafel, BEVOR gegrüßt wird (ggf. vor der Stunde/in der Pause anschreiben oder Folie).
  2. Fester Punkt: wortloser Gang zur eigenen Position, ruhig stehen.
  3. Warten auf 100 %: alle stehen, es ist still – schweigend, freundlich, notfalls länger. (Der Qualitätsschritt!)
  4. Warmer Gruß: mit Blick durch den ganzen Raum, Antwort abwarten.
  5. Setz-Signal + Starter-Satz: immer derselbe Wortlaut („Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: …").
  6. Timer startet mit dem Setz-Signal, sichtbar.
  7. Scannen: Lehrkraft bleibt präsent, Blick kreist – NICHT sofort an Pult/Rechner.

Merksatz: „Erst alle, dann der Gruß. Erst der Satz, dann der Timer. Erst der Scan, dann alles andere."

Daneben klein an die Tafel, weil es erfahrungsgemäß verrutscht: Do Now = die Aufgabe (schriftlich, wechselt täglich). Starter-Satz = der Verweis darauf (mündlich, bleibt gleich).

Dazu die 3 Ende-Bausteine (an dieselbe Tafelhälfte – mit dem Vermerk „Form: eure Entscheidung"): 8. Puffer: Ende drei Minuten vor dem Klingeln geplant, Rest ist Reserve. 9. Abschluss auf Signal: gepackt wird auf Ansage; verabschiedet wird mit festem Wortlaut von der festen Position – die Form wählt ihr, die Konstanz ist Pflicht. 10. Reservekarten: 2–3 Abruf-Fragen für übrig bleibende Minuten.

Merksatz fürs Ende: „Drei Minuten Puffer. Packen auf Signal. Abschied nach Skript."

Phase 5 · Do it: Rollenspiel-Karussell (Minute 35–52)

Setup: Vierergruppen an der Spielfläche (bei 8 TN: zwei Flächen). Rollen: 1 Lehrkraft, 2–3 Klasse, 1 Regie/Beobachter mit Checkliste (= die 7 Schritte).

Runde 1 (Min. 35–41): Jeder spielt die komplette Sequenz einmal, Klasse kooperativ. Beobachter checkt die 7 Schritte ab; Feedback nach Standardregel (Wirksames zuerst, EIN Impuls); die schwächste Stelle wird sofort 30 Sekunden nachgespielt.

Runde 2 (Min. 41–48): Regie zieht verdeckt EINE Störkarte (Anhang 1.2). Die Lehrkraft weiß nicht, welche. Fokus-Feedback: Wurde Schritt 3 durchgehalten (Warten statt Hineingrüßen)? Blieb der Ton warm? Kam ggf. Do It Again neutral?

Runde 3 – Skript-Reinschrift (Min. 48–52): Jeder überträgt SEINE Routine in die dreispaltige Vorlage (Anhang 1.1) – inklusive der drei Ende-Zeilen (Pack-Signal, Verabschiedungs-Wortlaut, zwei Reservekarten-Fragen) → erste offizielle Playbook-Seite. Wer fertig ist, spricht dem Tandempartner den Verabschiedungs-Wortlaut einmal laut vor. Moderation: „Dieses Blatt ist ab Montag euer Spickzettel. Legt es die erste Woche wirklich aufs Pult – Profis arbeiten mit Checklisten, Piloten seit hundert Jahren."

Phase 6 · Action Step (Minute 52–58)

Standard: „Ich führe ab Montag in Klasse X das Do Now ein: Aufgabe steht an der Tafel, bevor ich grüße; ich warte auf 100 % Stehen und Stille; mein Setz-Signal + Starter-Satz sind jedes Mal wörtlich gleich; der Timer startet mit dem Setzen. Ich messe täglich: Sekunden vom Setz-Signal bis ~90 % arbeiten."

Alternativen:

  1. Ende-Woche: jede Stunde endet drei Minuten vor dem Klingeln geordnet – Packen auf Signal, mein selbst gewählter Abschiedssatz jedes Mal wörtlich gleich; ich notiere täglich, ob es gehalten hat;
  2. Nur Schritt 3 fokussieren (für TN, deren Ritual „durchgewunken" wird): eine Woche konsequent auf 100 % warten, Erlebnisse notieren;
  3. Do It Again einführen: beim ersten ausgefransten Start der Woche neutral zurücksetzen und die Reaktion der Klasse festhalten.

Ausblick: „Nächste Woche: Was tun, wenn ihr MITTEN in der Stunde die Aufmerksamkeit zurückbraucht – und wie ihr Anweisungen gebt, die beim ersten Mal ankommen. Bringt eure Stoppuhr-Werte mit!"

Phase 7 · Exit-Karte (Minute 58–60) — Standard.


4. Coaching-Woche 2 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Handout A: Dreispaltige Skript-Vorlage (mit Musterbeispiel)

Tool / Schritt Wortlaut (kursiv = wörtlich sprechen) Aktion & Hinweise
1 Vorbereitung Do Now an Tafel/Folie VOR dem Gruß; Timer bereit
2 Fester Punkt wortlos zur Position Mitte vorn; Unterlagen bleiben zu
3 Warten 100 % ruhiger Blick durch den Raum; bei Restunruhe: freundlich weiterwarten, Blick zu den Betreffenden; KEIN Gruß in Unruhe
4 Gruß „Guten Morgen, 9b." Blick kreist; Antwort abwarten
5 Setz-Signal + Starter-Satz „Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: Starter an der Tafel, vier Minuten, still." identischer Wortlaut jede Stunde
6 Timer startet exakt mit dem Setz-Signal, für alle sichtbar
7 Scan vorn bleiben, Blick kreist 30–60 Sek.; erst dann Orga
(Reset) „Das können wir flüssiger. Noch einmal." Do It Again: neutraler Ton, kein Vorwurf, sofort neu
E1 Puffer Ende ab 3 Min. vor dem Klingeln eingeplant; letzter Inhaltsblock endet vorher
E2 Pack-Signal „Stifte weg, Hefte zu – aufräumen." erst auf Signal; nie „schon mal leise packen"
E3 Verabschiedung „Danke für die Stunde – bis Donnerstag." von der festen Position, Blick kreist; Form frei wählbar (keine Schulvorgabe), aber jedes Mal identisch
(Reserve) „Zwei Fragen noch: …" Reservekarten für übrig bleibende Minuten (Every Minute Matters)

(Leerversion auf der Rückseite zum Selbst-Ausfüllen.)

1.2 Störkarten-Set A (Regieanweisungen für die „Klasse")

1.3 Handout B: Do-Now-Kriterien + Fachbeispiele

Was ist ein Do Now? Eine kurze, schriftliche Aufgabe, die an der Tafel steht, bevor du grüßt, und die die Klasse ohne ein Wort von dir beginnen kann. Sie beantwortet die Frage „Was jetzt?" im Voraus – bevor die Klasse sie selbst beantwortet.

Do Now ≠ Starter-Satz. Das Do Now ist die Aufgabe: schriftlich, wechselt täglich. Der Starter-Satz ist der Verweis darauf: mündlich, bleibt wörtlich gleich. Die Kette lautet: Setz-Signal → Starter-Satz → Do Now → Timer.

Kriterien: ohne Erklärung lösbar · schriftlich · 3–5 Min. · idealerweise Wiederholung · steht VOR dem Gruß.

Kein Do Now ist: eine Hinführung zum neuen Thema (braucht dich) · eine mündliche Ansage (nicht sichtbar, wer arbeitet) · eine Beschäftigung nur für die Schnellen (alle sollen sofort starten) · eine benotete Leistung.

Beispiele: Mathe: „Löse: 3(x–2)=15. Notiere jeden Schritt." · Deutsch: „Nenne die drei Merkmale der Kurzgeschichte von letzter Woche – je ein Beispiel aus ‚…'" · Englisch: „Write 3 sentences about your weekend using the past perfect." · Geschichte: „Ordne: Kriegsende – Währungsreform – Grundgesetz. Begründe in einem Satz." · Naturwissenschaften: „Skizziere den Versuchsaufbau von Dienstag und beschrifte drei Teile." · Oberstufe (alle Fächer): „Formuliere die Kernthese des letzten Textes in maximal 20 Wörtern."


1.4 Handout C: Ende-Bausteine (A6, Rückseite der Skript-Vorlage)

Die drei Bausteine: Puffer (3 Min. vor dem Klingeln) · Abschluss auf Signal (packen auf Ansage, fester Abschiedssatz von der festen Position) · Reservekarten (2–3 Abruf-Fragen).

Zur Form: Unsere Schule gibt für das Stundenende nichts vor – anders als für den Anfang. Du entscheidest, wie dein Abschied aussieht. Die einzige Bedingung: Er ist jedes Mal derselbe. Notiere ihn hier, damit er es bleibt.

Verbotssätze: „Ihr könnt schon mal leise packen." · „Die Hausaufgabe steht an der Tafel" (in den Lärm gerufen) · „Wir sind schon fertig, ihr könnt reden."

Meine Reservekarten für diese Woche (2–3 Fragen zum Stoff, ohne Vorbereitung stellbar):

Mein Verabschiedungs-Wortlaut (jedes Mal gleich):

Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Retrieval-Starter (Min. 2–8)

  1. Nenne die 5 Kriterien einer tragfähigen Erwartung. (beobachtbar, messbar, positiv, begründet, geprüft)
  2. Warum ist voreiliges Absenken einer Erwartung teurer als konsequentes Einfordern? (Norm senkt sich mit; Nachschärfen wird als Ungerechtigkeit erlebt)
  3. Was ist Behavioural CFU – ein Beispiel? (Verständnis der Erwartung prüfen: „Was passiert nach dem Setzen, Jonas?")
  4. Welches mentale Modell begründet, dass Routinen Denken freisetzen? (Modell 2 – via Modell 1: WM-Entlastung)
  5. (Anwendung) Formuliere „Seid leise beim Reinkommen" spezifisch um. (z. B.: „Nach dem Setzen arbeitet ihr ohne Gespräch am Starter; Fragen per Handzeichen.")

Teil 2: Modul-Quiz Woche 2 (für SPA/Folgewoche)

F1. Die Klasse steht beim Ritual unruhig und halb. Beste Reaktion: a) trotzdem grüßen – Zeit ist knapp ✗ (DER Kernfehler) b) schweigend, freundlich warten; ggf. ruhig neu ansetzen ✓ c) das Ritual abschaffen, es wirkt kindisch ✗ (Sek-II-Mythos) d) die Unruhigen vor dem Gruß ermahnen ✗ (startet die Stunde mit Korrektur)

F2. Ein gutes Do Now… a) führt ins neue Thema ein und braucht eine kurze Erklärung ✗ (plausibel – erzeugt aber die Frage-Traube) b) ist ohne Hilfe lösbar, schriftlich, wiederholt Bekanntes ✓ c) beschäftigt die Schnellen, bis alle da sind ✗ d) wird eingesammelt und benotet ✗

F3. Der Starter-Satz sollte… a) täglich variieren, sonst wird es langweilig ✗ (Abwechslungs-Reflex) b) wörtlich identisch bleiben – Konstanz macht ihn zum Signal ✓ c) möglichst ausführlich sein ✗ d) schriftlich ersetzt werden ✗ (teilrichtig: Aufgabe steht schriftlich – das SIGNAL bleibt mündlich)

F4. „Do It Again" ist… a) eine Kollektivstrafe ✗ b) ein neutraler Reset: Standard einüben, Zutrauen zeigen ✓ c) Zeitverschwendung ✗ (Amortisations-Blindheit) d) nur in Klasse 5–7 einsetzbar ✗

F5. Direkt nach dem Setz-Signal gehst du zum Rechner, um den Beamer zu starten. Problem? a) keins – Technik muss laufen ✗ b) Schritt 7 fehlt: Ohne Scan lernt die Klasse, dass der Start unbeobachtet ist ✓ c) Beamer gehört verboten ✗ d) nur ein Problem in Sek I ✗

F6 (Transfer, Freitext): Deine 8. Klasse braucht am Montag nach den Ferien 3 Minuten, bis alle stehen und still sind. Beschreibe dein Vorgehen in dieser Stunde UND deinen Plan für Dienstag. (Muster: Montag ruhig durchhalten, ggf. Do It Again + kurzer Erwartungs-Neustart mit Begründung; Dienstag: identischer Ablauf, auf Konstanz setzen; NICHT: Ritual aufgeben oder Strafandrohung.)


F7. „Ihr könnt schon mal leise packen" (Minute 40) bewirkt… a) einen entspannten Ausklang ✗ (fühlt sich großzügig an!) b) die Norm, morgen ab Minute 38 zu packen ✓ c) Dankbarkeit ✗ d) nichts ✗

F8 (Transfer, Freitext): Deine Stunde endet regelmäßig im Klingelchaos. Beschreibe die drei Bausteine, mit denen du das ab Montag änderst – und den Satz, den du streichst. (Muster: Puffer 3 Min. vorher, Packen erst auf Signal, fester Abschiedssatz von der festen Position – Form frei, aber konstant; gestrichen wird „Ihr könnt schon mal leise packen".)

Anhang 3: Ableitung für die SPA „Modul 2"

  1. Hook (2 Min.): Der Zeitrechner: Nutzer gibt eigene Wochenstunden + geschätzte „Anlaufminuten" ein → App rechnet Jahresverlust hoch („Deine verlorene Arbeitswoche").
  2. See it (6 Min.): Video-Kontrastpaar Variante A/B (alternativ Audio + Illustration); danach Tipp-Aufgabe: „Markiere die 3 Unterschiede" (aus 6 Optionen).
  3. Name it (4 Min.): Die 7 Schritte als sortierbare Karten (Reihenfolge herstellen); Schritt 3 wird bei Erfolg hervorgehoben: „Der Qualitätsschritt".
  4. Do it – Skript-Editor (7 Min., Engine-Wiederverwendung!): Dreispaltige Vorlage digital ausfüllen (Muster einblendbar); Pflichtfelder: Gruß-Wortlaut, Starter-Satz; Playbook-Export.
  5. Szenario-Simulator (4 Min.): Die 4 Störkarten als verzweigte Entscheidungen („Zwei bleiben sitzen – was tust du?" → 3 Optionen → Konsequenz-Feedback mit Norm-Erklärung).
  6. Do-Now-Baukasten: vorangestellter Erklärblock (Was ist ein Do Now? · Do Now ≠ Starter-Satz · die drei Kriterien · „Kein Do Now ist…"), dann Fach wählen → Beispielaufgaben (Anhang 1.3 als Startdatensatz) → eigene formulieren → Kriterien-Check (erklärt sich selbst? schriftlich? 3–5 Min.?).
  7. Das geordnete Ende (Konstruktionsstation – die Schule gibt hier nichts vor): Verbotssätze-Tippaufgabe (welche drei Sätze setzen die falsche Norm?) → die drei Bausteine E1–E3 → Ende-Zeilen des Skripts ausfüllen (Pack-Signal, Verabschiedungs-Wortlaut, 2–3 Reservekarten) → Vorschau. Zusammen mit dem Skript-Editor ergibt das die vollständige Playbook-Seite.
  8. Quiz (Teil 2) + 30 % Altfragen (Module 1–2). Abschluss: Action-Step-Formular mit täglichem Stoppuhr-Eingabefeld (Wochen-Verlaufskurve als Motivations-Feature!); bei der Ende-Alternative stattdessen ein Ende-Tagebuch (hat es gehalten: ja/teilweise/nein).