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Skript Woche 8: „Fünf Fragen an jede Stunde

Skript Woche 8: „Fünf Fragen an jede Stunde"

60-Minuten-Sitzung · Block 2 (Auftakt) · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Woran erkenne ich, ob in meiner Stunde gelernt wird?
Kernquellen Rosenshine, Principles of Instruction (American Educator, 2012); Lovell/Dowley R7–R9 (Vorschau); McCrea/Lemov (Frage 1, Vorgriff W9)
Funktion im Jahr Block-2-Auftakt: Die fünf Fragen sind der Fahrplan für Block 2. Jede Folgewoche vertieft eine davon (W9 Ziel, W10 Erklären, W11 gemeinsam üben, W12 allein üben, W13 Einstieg und Abschluss). Der Stunden-Check wird in W31 (Lean) wiederverwendet, das Stundenprofil im Coaching bei jeder Hospitation.
Lernziele Die TN können:
1. eine Stunde mit den fünf Fragen prüfen und jede Schwäche einer Frage (und damit einem Rosenshine-Prinzip) zuordnen,
2. für die schwächste Stelle einer eigenen, tatsächlich gehaltenen Stunde eine konkrete, kleine Änderung formulieren.
Sitzungstyp Analyse-Sitzung: zwei Stunden vergleichen, Szenen einordnen, eigene Stunde als Profil zeichnen. Rollenspiele kommen ab W10 wieder.

Die fünf Fragen an jede Stunde

# Frage Rosenshine vertieft in
1 Ziel: Was sollen am Ende alle können, und woran sehe ich das? (Voraussetzung) W9
2 Einstieg: Holen zu Beginn alle etwas aus dem Gedächtnis? P1, P10 W13
3 Erklären: Wie viele Minuten rede ich am Stück, bevor alle etwas tun müssen? P2, P4 W10
4 Gemeinsam üben: Lösen wir Aufgaben gemeinsam, und sehe ich dabei die Antworten aller, bevor sie allein arbeiten? P3, P5, P6, P8 W11, Block 4
5 Allein üben: Gelingt den meisten die Einzelarbeit, und was tue ich währenddessen? P7, P9 W12

Hinweis für die Moderation: Rosenshine selbst ordnet seine Prinzipien nicht nach Stundenphasen, und Tom Sherrington gruppiert sie in vier „Strands“. Wir ordnen sie bewusst entlang des Stundenablaufs, weil die TN so planen und so ihre Stunden erleben. Die Nummern P1–P10 folgen Rosenshine (2012).


2. Vorbereitung

Raum: Tandems; Tafel oder Flipchart mit einer waagerechten Zeitleiste 0–45 Min.

Vorab-Auftrag (in W7 angesagt): „Denkt an eine Stunde, die ihr letzte Woche tatsächlich gehalten habt. Einen Plan braucht ihr nicht. Wir arbeiten mit dem, was wirklich passiert ist.“

Material (Checkliste):


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard.

Phase 1 · Retrieval-Starter (Minute 2–8) — 5 Fragen (Anhang 2, Teil 1; enthält ab jetzt immer 2 Block-1-Fragen).

Phase 2 · Überleitung (Minute 8–12)

Moderationstext: „Kurz zu den W.I.N.-Gesprächen: Wer hat eins geführt? Was hat euch überrascht?“ [2 Stimmen; typisch: „Er hat mir Dinge erzählt, die ich nicht wusste.“ Genau das würdigen.]

„Sieben Wochen lang ging es darum, dass in eurem Raum Ruhe und Ordnung herrschen. Das war nötig, aber es ist nicht das Ziel. Eine ruhige Klasse lernt nicht automatisch etwas. Ab heute geht es darum, was in dieser Ruhe passiert.

Ich zeige euch dazu zwei Stunden. Beide haben dasselbe Thema, beide dauern 45 Minuten, beide Lehrerinnen sind freundlich und kennen ihr Fach. Eine davon ist wahrscheinlich ziemlich nah an dem, was ihr selbst macht.“

Phase 3 · See it: Zwei Stunden, ein Thema (Minute 12–24)

Schritt 1 · Stunde A (Min. 12–15)

Alle lesen Stunde A (Anhang 1.1).

„Gebt der Stunde eine Note von 1 bis 6. Zeigt sie mit den Fingern.“

Erwartung: überwiegend 2 und 3. Das ist gewollt. Stunde A ist keine schlechte Stunde, sondern eine übliche.

„Jetzt die Auflösung: In der nächsten Stunde kam eine Aufgabe zum Prozentwert als Einstiegsaufgabe. 11 von 27 Schülern haben sie gelöst. Wie kann das sein, obwohl die Stunde gut aussah?“ [2–3 Vermutungen sammeln, nicht auflösen.]

Schritt 2 · Stunde B (Min. 15–21)

Tandems lesen Stunde B.

„Findet fünf Unterschiede. Achtet nicht auf Methoden, sondern auf zwei Fragen: Wer muss wann denken? Und woran sieht die Lehrerin, ob es angekommen ist?“

Schritt 3 · Sammeln (Min. 21–24)

Die Moderation sammelt die Unterschiede an der Zeitleiste. Typische Funde:

„Schaut euch an, was B nicht hat: keine neue Methode, kein Material, das A nicht auch hatte. Der Unterschied liegt nur darin, wann die Schüler selbst denken müssen und wann die Lehrerin sieht, was ankommt.“

Phase 4 · Name it: Fünf Fragen an jede Stunde (Minute 24–34)

Handout B austeilen. Die Moderation ordnet die gesammelten Unterschiede den fünf Fragen zu.

„Was ihr gerade gefunden habt, hat Barak Rosenshine 2012 in zehn Prinzipien zusammengefasst. Er hat dafür drei Arten von Forschung verglichen: Gedächtnisforschung, Beobachtungen in Klassen mit besonders großem Lernzuwachs und Studien, in denen Lehrkräfte gezielt geschult wurden. Die drei kommen zu ähnlichen Ergebnissen, und das ist in der Bildungsforschung selten.

Die zehn Prinzipien müsst ihr nicht auswendig lernen. Merkt euch fünf Fragen, die ihr an jede Stunde stellen könnt. Jede davon nehmen wir uns in einer der nächsten Wochen genauer vor.“

Zu jeder Frage eine kurze Szene vorlesen (je ca. 1 Min.) und einen Satz dazu sagen:

Frage 1 · Ziel (W9)

Szene: An der Tafel steht „Heute: Stromkreise“. Die Gruppen bauen, zeichnen, gestalten ein Plakat. Am Ende fragt ein Kollege: „Was sollten sie heute lernen?“ Die Antwort: „Na, Stromkreise.“

„Ein Thema ist kein Ziel. Ein Ziel ist eine Aufgabe, die am Ende alle lösen können sollen. Nächste Woche nennen wir das das Mindestziel und bauen darauf weitere Meilensteine für die Stärkeren auf.“

Frage 2 · Einstieg (P1, P10 → W13)

Szene: „Letzte Stunde hatten wir die Weimarer Verfassung. Wer weiß noch etwas?“ Drei Hände, drei gute Antworten. Die Lehrerin ist zufrieden. Die anderen 24 haben zugehört, oder auch nicht.

„Mit Wiederholung zu beginnen, kennt ihr aus jeder Sitzung hier. Entscheidend ist, dass alle abrufen müssen, nicht nur drei.“

Frage 3 · Erklären (P2, P4 → W10)

Szene: Die Englischlehrerin führt das present perfect ein: Bildung, Signalwörter, Unterschied zum simple past, dazu eine Liste unregelmäßiger Partizipien. Das Tafelbild ist sauber, die Erklärung klar. Nach 20 Minuten folgt ein Lückentext. Die Hälfte setzt simple past ein.

„Rosenshine sagt nicht nur ‚kleine Schritte‘. Er sagt: kleine Schritte und nach jedem Schritt üben. Was für euch ein Schritt ist, sind für jemanden, der das Thema zum ersten Mal sieht, oft fünf.“

Frage 4 · Gemeinsam üben (P3, P5, P6, P8 → W11, Block 4)

Szene: Der Chemielehrer rechnet eine Stöchiometrie-Aufgabe vor. „Alles klar?“ Nicken. „Dann Aufgaben 1 bis 10.“ Nach drei Minuten sitzt die Hälfte der Klasse vor einem leeren Blatt.

„Der Fehler liegt nicht in der Erklärung. Er liegt darin, dass nach der Erklärung sofort die Einzelarbeit kam. Dazwischen fehlt das gemeinsame Üben, bei dem ihr noch helft und bei dem ihr seht, wer es kann. Manche nennen das ‚I do – We do – You do‘. Das We do fehlt am häufigsten. Und ‚Alles klar?‘ misst nicht, ob sie es können, sondern ob sie glauben, es zu können.“

Frage 5 · Allein üben (P7, P9 → W12)

Szene: Übungsphase quadratische Gleichungen. Der Lehrer geht herum und sieht, dass fast alle fast alles falsch haben. „Macht weiter, dafür ist Übung ja da.“

„Rosenshine nennt einen Richtwert: Wenn beim gemeinsamen Üben etwa vier von fünf richtig liegen, können sie allein weiterarbeiten. Liegen deutlich weniger richtig, geht zurück und rechnet noch ein Beispiel gemeinsam, gern in kleineren Schritten. Bei der Einzelarbeit und bei Wiederholungen soll es dann fast fehlerfrei laufen. Das ist Festigung, und dort ist fehlerfrei das Ziel. Wer Fehler übt, lernt die Fehler.“

Einwand vorwegnehmen (1 Min.)

„Ist das nicht einfach Frontalunterricht? Schaut noch einmal auf Stunde B: Die Lehrerin redet dort weniger am Stück als in Stunde A, und die Schüler schreiben viel öfter selbst etwas auf. Der Unterschied ist nicht, ob jemand vorne steht. Der Unterschied ist, ob die Lehrkraft laufend sieht, was bei allen ankommt.“

Kurztraining (Min. 32–34)

Die Moderation liest drei Szenen aus Anhang 1.4 vor (Vorschlag: Nr. 4, 5, 8). Die TN zeigen mit den Fingern, welche Frage betroffen ist (1–5). Bei Nr. 4 („Daumen hoch“) gibt es meist Streit zwischen 3 und 4. Auflösen: Die Erklärung war in Ordnung, gefehlt hat der Blick auf die Antworten aller, also Frage 4.

Phase 5 · Do it: Mein Stundenprofil (Minute 34–50)

Schritt 1 · Profil zeichnen (Min. 34–39)

Handout C austeilen. Die Moderation zeichnet zuerst Stunde A als Beispiel an die Tafel: grau 3 · rot 19 (Hausaufgaben vorrechnen und Erklärung) · blau 18 · rot 5 (Vergleich mit Freiwilligen). Der längste rote Block dauert also 19 Minuten, und zwischen Rot und Blau liegt nichts. Dann zeichnen alle die Stunde der letzten Woche als Balken in fünf Farben:

Farbe Wer arbeitet?
grau Organisation (Anwesenheit, Austeilen, Wechsel)
rot Ich rede, erkläre, zeige, oder einzelne Freiwillige antworten
gelb Alle antworten (schriftlich, Whiteboard, Zettel), und ich sehe die Antworten
grün Wir üben gemeinsam, ich helfe noch mit
blau Sie arbeiten allein oder in Gruppen

„Schätzt ehrlich. Minutengenau muss es nicht sein, aber so, wie es war, nicht so, wie es geplant war. Wenn nur Freiwillige antworten, ist das rot, nicht gelb.“

Schritt 2 · Fünf Fragen beantworten (Min. 39–43)

Alle schreiben unter den Balken:

  1. Ziel: Was sollten am Ende alle können? Ein Satz. Wenn es nicht in einen Satz passt, ist das schon der Befund.
  2. Einstieg: In welcher Minute haben zum ersten Mal alle etwas getan? ___
  3. Erklären: Längster roter Block: ___ Minuten
  4. Gemeinsam üben: Lag Grün oder Gelb zwischen dem letzten Rot und dem ersten Blau? ja / nein
  5. Allein üben: Wie viele konnten es in der Einzelarbeit ungefähr? Woher weiß ich das?

Schritt 3 · Tandem (Min. 43–48)

Die Partnerin oder der Partner stellt die fünf Fragen und hört zu, bewertet aber nicht. Gemeinsam wird die eine Stelle markiert, an der die Stunde am meisten gewonnen hätte.

Beispiel: Ein Physiklehrer zeichnet seine Stunde und stellt fest, dass sein längster roter Block 22 Minuten dauert. „Das kam mir wie zehn vor.“ Seine Änderung: Nach dem ersten Versuchsaufbau zeichnen alle den Schaltplan auf ein Whiteboard, bevor er weitererklärt.

Schritt 4 · Änderung formulieren (Min. 48–50)

Alle ergänzen den Satz:

„In meiner nächsten Stunde zu diesem Thema werde ich in Minute ___ statt ___ Folgendes tun: ___.“

Regel: Die Änderung kostet höchstens fünf Minuten zusätzlich. Wenn nötig, fällt dafür etwas anderes weg.

Phase 6 · Action Step (Minute 50–56)

Standard: „Ich setze meine Änderung aus dem Stundenprofil in mindestens drei Stunden dieser Woche um. Nach jeder dieser Stunden zeichne ich in zwei Minuten das Profil.“

Alternative, wenn die eigene Schwachstelle noch unklar ist: „In jeder Stunde dieser Woche beantworten spätestens nach fünf Minuten Erklären alle eine Frage schriftlich, und ich schaue mir die Antworten an, bevor ich weitermache.“

Phase 7 · Ausblick und Exit-Karte (Minute 56–60)

Ausblick: „Nächste Woche nehmen wir uns Frage 1 vor: Was sollen am Ende alle können? Die Frage klingt einfach, aber viele Stunden scheitern genau daran. Einige von euch haben das eben an ihrem eigenen Profil gesehen. Bringt das Thema einer Stunde mit, die ihr nächste Woche haltet. Daran arbeiten wir.“ (Vorab-Auftrag auf die Exit-Karte!)

Exit-Karte: Standard + Erinnerungszeile: Thema einer echten Stunde der kommenden Woche zu W9 mitbringen.


4. Coaching-Woche 8 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Stunde A und Stunde B (Mathematik, Kl. 7, Einführung Prozentwert)

Die Stunde ist Mathematik, weil sich Erfolgsquoten dort leicht zeigen lassen. Die Szenen in 1.4 stammen aus anderen Fächern.

Stunde A

Min. Verlauf
0–7 Begrüßung, Anwesenheit. Hausaufgaben: „Wer hatte Probleme?“ Zwei Schüler nennen je eine Aufgabe, die Lehrerin rechnet sie an der Tafel vor.
7–22 Die Lehrerin erklärt freundlich und klar an gut gestalteten Folien: was „Prozent“ bedeutet, Grundwert, Prozentsatz, Prozentwert, die Formel W = G · p/100 und den Dreisatz als zweiten Weg. Dazu zwei vorgerechnete Beispiele (Rabatt, Klassenumfrage). Zwischendurch fragt sie: „Was heißt ‚Prozent‘ wörtlich?“ Drei melden sich, die zweite Antwort ist richtig. Am Ende: „Ist so weit alles klar? Fragen?“ Keine Fragen.
22–40 Buch S. 84, Nr. 1–8, Partnerarbeit erlaubt. Die Lehrerin geht herum und hilft, wo sich jemand meldet. An drei Tischen erklärt sie die Formel noch einmal.
40–45 Nr. 1–3 vergleichen, die Freiwilligen haben richtig gerechnet. Hausaufgabe: Nr. 9–12.

Nächste Stunde, Einstiegsaufgabe zum Prozentwert: 11 von 27 lösen sie richtig.

Stunde B

Min. Verlauf Frage
0–5 An der Tafel stehen drei Aufgaben: ¼ von 80 · 30 % als Bruch · 0,15 · 200. Alle lösen sie schriftlich, währenddessen nimmt die Lehrerin die Anwesenheit auf. Sie geht durch die Reihen, schaut auf die Hefte und bespricht kurz die Aufgabe, bei der die meisten Fehler hatten. 2
5–12 Sie erklärt nur den Prozentwert und nur die Formel. Ein Beispiel rechnet sie laut denkend vor, beim zweiten nennen die Schüler die Schritte. Nach 4 Minuten schreiben alle auf ihr Whiteboard: „20 % Rabatt auf 60 €. Was ist hier der Grundwert?“ und halten es gleichzeitig hoch. 1, 3, 4
12–22 Drei Aufgaben gemeinsam: Bei der ersten diktieren die Schüler, sie schreibt. Die zweite rechnen alle auf dem Whiteboard und zeigen gleichzeitig. Die dritte rechnen alle allein, ohne Hilfe an der Tafel. Sie zählt mit: 22 von 27 richtig. Die fünf anderen kommen an den Vordertisch. 4, 5
22–38 Buch Nr. 1–6 allein, von leicht nach schwer. Sie geht zuerst zu den fünf am Vordertisch, dann in einer festen Runde durch alle Reihen und setzt Häkchen bei richtigen Lösungen. 5
38–45 Zwei Aufgaben auf einem Zettel, alle geben ab. Nach der Stunde sortiert sie die Zettel in drei Stapel: „kann es“, „kann es fast“ und „noch nicht“. 1, 5

Nächste Stunde, dieselbe Einstiegsaufgabe: 23 von 27 lösen sie richtig. Grundwert und Prozentsatz kommen in den nächsten Stunden.

1.2 Handout B: Die fünf Fragen an jede Stunde

Tabelle aus Abschnitt 1, ergänzt um die zehn Prinzipien im Wortlaut:

P1 Beginne mit einer kurzen Wiederholung · P2 Neuen Stoff in kleinen Schritten, mit Übung nach jedem Schritt · P3 Viele Fragen stellen und die Antworten aller prüfen · P4 Modelle und Beispiele zeigen · P5 Das Üben anleiten · P6 Verständnis überprüfen · P7 Eine hohe Erfolgsquote erreichen · P8 Hilfen für schwierige Aufgaben geben · P9 Selbstständiges Üben verlangen und begleiten · P10 Wöchentlich und monatlich wiederholen

1.3 Handout C: Stundenprofil

Ein leerer Balken 0–45 Min. mit Minutenmarken alle 5 Minuten, darunter die Farblegende (grau, rot, gelb, grün, blau) und die fünf Fragen aus Phase 5, Schritt 2, darunter der Satzanfang „In meiner nächsten Stunde zu diesem Thema werde ich in Minute ___ statt ___ Folgendes tun: ___.“

1.4 Szenen (Kurztraining, SPA-Station 4, Coaching)

Bei jeder Szene sind zwei Dinge gefragt: Welche Frage ist betroffen, und welche Reparatur ist die beste? ✓ = beste Reparatur, ✗ = plausibel, aber schwächer.

  1. Englisch, Kl. 8. Die Lehrerin führt das present perfect ein: Bildung, Signalwörter, Unterschied zum simple past und eine Liste unregelmäßiger Partizipien, zusammen 20 Minuten mit klarem Tafelbild. Danach folgt ein Lückentext. → Frage 3. ✓ Nur die Bildung und eine Gruppe Signalwörter. Nach 5 Minuten schreiben alle zwei Sätze auf ein Whiteboard. · ✗ Den Lückentext in Partnerarbeit machen lassen. · ✗ Das Tafelbild farbig gliedern.
  2. Geschichte, Kl. 9. „Letzte Stunde ging es um die Weimarer Verfassung. Wer weiß noch etwas?“ Drei Schüler melden sich und antworten gut. → Frage 2. ✓ Drei kurze Fragen schriftlich, alle beantworten sie. · ✗ Warten, bis sich noch jemand meldet. · ✗ Die Verfassung noch einmal zusammenfassen.
  3. Chemie, Kl. 8. Der Lehrer rechnet eine Stöchiometrie-Aufgabe vor. „Jetzt ihr: Aufgaben 1 bis 10.“ Die Hälfte der Klasse sitzt ratlos da. → Frage 4. ✓ Zwei Aufgaben gemeinsam rechnen und die Hilfe dabei schrittweise zurücknehmen, erst dann allein. · ✗ Einen Lösungszettel auslegen. · ✗ Die Aufgaben in Gruppen bearbeiten lassen.
  4. Biologie, Kl. 10. Nach der Erklärung zur Mitose fragt die Lehrerin: „Alle verstanden? Daumen hoch!“ Alle zeigen den Daumen nach oben. → Frage 4. ✓ Alle beschriften auf einem Whiteboard eine Skizze mit der richtigen Phase. · ✗ „Wer es nicht verstanden hat, kommt nachher zu mir.“ · ✗ Die Erklärung noch einmal langsamer wiederholen.
  5. Deutsch, Kl. 7. Die Klasse schreibt allein Einleitungen für eine Erörterung. Die Lehrerin sitzt am Pult und bereitet die nächste Stunde vor. Wer Fragen hat, meldet sich. → Frage 5. ✓ Eine feste Runde durch die Klasse, zuerst zu drei vorher ausgewählten Schülern. · ✗ Eine Checkliste an die Tafel hängen. · ✗ Die Einleitungen einsammeln und zu Hause korrigieren.
  6. Mathematik, Kl. 9. In der Übungsphase zu quadratischen Gleichungen rechnen fast alle fast alles falsch. „Macht weiter, dafür ist Übung ja da.“ → Frage 5. ✓ Die Einzelarbeit unterbrechen und zwei Aufgaben gemeinsam rechnen. · ✗ Die Lösungen austeilen, damit alle sich selbst korrigieren. · ✗ Die Aufgaben als Hausaufgabe aufgeben.
  7. Physik, Kl. 8. An der Tafel steht „Heute: Stromkreise“. Am Ende hat jede Gruppe ein Plakat gestaltet. Was die Schüler jetzt können sollen, weiß niemand genau. → Frage 1. ✓ Vorher eine Aufgabe festlegen, die am Ende alle lösen sollen, z. B. „Zeichne den Schaltplan für …“. · ✗ Die Plakate präsentieren lassen. · ✗ Eine Bewertungsskala für die Plakate ausgeben.
  8. Erdkunde, Kl. 7. Der Lehrer teilt drei Klimadiagramme aus: „Beschreibt sie so, wie es im Buch auf S. 40 steht.“ → Frage 3 (es fehlt das Vormachen). ✓ Ein Diagramm laut denkend beschreiben, dann eines gemeinsam, erst dann allein. · ✗ Die Buchseite gemeinsam lesen. · ✗ Die Aufgabe in Partnerarbeit geben.

Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Retrieval-Starter (Min. 2–8)

  1. Die drei W.I.N.-Schritte in Reihenfolge? (Was ist passiert – aus Schülersicht zuerst / Impact / Next steps)
  2. Interventionsleiter Stufen 1–3? (nonverbal / positive Gruppenkorrektur / anonyme Einzelkorrektur)
  3. Die drei Kriterien eines Do Now? (ohne Erklärung lösbar, schriftlich, 3–5 Min. – ideal: Wiederholung)
  4. Welches mentale Modell begründet „kleine Schritte“? (Modell 1 – enges Arbeitsgedächtnis)
  5. (Anwendung) Nach den Herbstferien ist die Begrüßungsroutine „vergessen“ – deine ersten zwei Züge? (explizit neu einführen mit Begründung/CFU nach W1-Bauplan; konsequent auf 100 % warten, ggf. Do It Again)

Teil 2: Modul-Quiz Woche 8 (für SPA/Folgewoche)

F1. Explizite Instruktion nach Rosenshine … a) ist Frontalunterricht unter neuem Namen ✗ b) wechselt ständig zwischen kurzen Erklärungen und Aufgaben, bei denen die Lehrkraft die Antworten aller sieht ✓ c) eignet sich nur für schwache Lerngruppen ✗ d) ist ein Vortrag mit gut gestalteten Folien ✗ (Das beschreibt Stunde A.)

F2. Beim gemeinsamen Üben löst etwa die Hälfte die Aufgabe richtig. Was tust du? a) mit der Einzelarbeit beginnen, denn durch Übung wird es besser ✗ (Das übt die Fehler ein.) b) noch ein oder zwei Aufgaben gemeinsam rechnen und dabei kleinere Schritte machen ✓ c) die Lösungen austeilen, damit alle sich selbst korrigieren ✗ d) das Thema abschließen und nach der Klassenarbeit wieder aufgreifen ✗

F3. Welche Aussage zur Erfolgsquote stimmt? a) In jeder Übungsphase sollen genau 80 % richtig sein. ✗ b) Beim gemeinsamen Üben neuer Inhalte zeigen etwa 80 %, dass es weitergehen kann. Bei Einzelarbeit und Wiederholung ist fast fehlerfrei das Ziel. ✓ c) 100 % richtig heißt immer, dass die Aufgaben zu leicht sind. ✗ (Bei der Festigung ist genau das gewollt.) d) Die Erfolgsquote spielt erst in der Klassenarbeit eine Rolle. ✗

F4. „Alle verstanden? Daumen hoch!“ Alle zeigen den Daumen hoch. Warum reicht das nicht? a) Weil Daumenzeichen kindisch wirken ✗ b) Weil die Schüler nur zeigen, was sie selbst glauben. Ob sie es können, sieht man daran nicht. ✓ c) Weil es zu lange dauert ✗ d) Es reicht, wenn wirklich alle den Daumen heben ✗

F5. Welche Reihenfolge passt zu Rosenshine? a) Erklären → Einzelarbeit → Vergleichen ✗ (Das ist Stunde A.) b) Wiederholen → in kleinen Schritten erklären und nachfragen → gemeinsam üben → allein üben ✓ c) Gruppenarbeit → Präsentation → Zusammenfassung durch die Lehrkraft ✗ d) Einzelarbeit → Erklären → Wiederholen ✗

F6 (Freitext). Bei welcher der fünf Fragen war deine Stunde aus dem Stundenprofil am schwächsten, und was änderst du (Minute, was stattdessen passiert)?


Anhang 3: Ableitung für die SPA „Modul 8“

  1. Eine ordentliche Stunde? (3 Min.): Stunde A als farbiges Stundenprofil mit Text je Phase. Note 1–6 vergeben und begründen → Auflösung „11 von 27“ → Vermutung als Freitext.
  2. Dieselbe Stunde, umgebaut (5 Min.): Stunde A und B als Profile übereinander. Die TN tippen die Phasen von B an, die sich geändert haben (6 Stellen). Jede zeigt, was sich geändert hat, warum, und welche Frage und welches Prinzip dahinterstehen.
  3. Fünf Fragen an jede Stunde (5 Min.): 5 aufklappbare Karten mit Frage, Szene, Kommentar, Prinzipien und Wochenverweis. Darunter die Einordnung zum Frontalunterricht und zu den drei Forschungsquellen.
  4. Szenen erkennen (6 Min.): die 8 Szenen aus Anhang 1.4. Pro Szene zuerst die Frage wählen, dann die beste Reparatur. Rückmeldung mit Begründung.
  5. Mein Stundenprofil (8 Min., Kernstück): eigene gehaltene Stunde als Farbblöcke eingeben. Die App berechnet den längsten roten Block, die erste Minute, in der alle aktiv sind, ob zwischen Rot und Blau gemeinsam geübt wird, und die Anteile pro Farbe. Danach die schwächste Frage wählen und die Änderung im Satzmuster formulieren.
  6. Quiz (Teil 2): F1–F5 + Freitext F6.
  7. Abschluss: Action Step (Standard/Alternative), Kurzprotokoll „Profil nach der Stunde“ für drei Stunden (längster roter Block, gemeinsames Üben ja/nein), Exit-Karte, Einreichen/Export.