Wie führe ich die Klasse vom Zusehen zum Selbermachen, ohne sie fallen zu lassen?
In Woche 8 ging Stunde A von der Erklärung direkt in die Einzelarbeit. Am nächsten Tag konnten 11 von 27 die Aufgabe. Stunde B hat an dieser Stelle zehn Minuten gemeinsam geübt. Heute geht es genau um diese zehn Minuten.
Dein Weg durch dieses Modul
Du prüfst zuerst, was drei richtige Meldungen über eine Klasse verraten. Dann schaust du dir ein gemeinsames Üben Schritt für Schritt an und lernst die Treppe kennen, auf der die Hilfe weniger wird. Du baust eine Treppe für dein eigenes Thema und übst, auf Fehler mit der kleinsten Hilfe zu reagieren. Zum Schluss entscheidest du an Zahlen, wann die Klasse allein weiterarbeiten kann.
📌 Nimm ein Thema, das du in den nächsten zwei Wochen unterrichtest. Du brauchst es in Station 4.
Frage 4 aus Woche 8
Gemeinsam üben: Lösen wir Aufgaben gemeinsam, und sehe ich dabei die Antworten aller, bevor sie allein arbeiten?
Rosenshine P3 viele Fragen, Antworten aller prüfen · P5 Üben anleiten · P6 Verständnis prüfen · P8 Hilfen geben und abbauen
Jetzt du: Du hast gerade eine Aufgabe gemeinsam gerechnet.
Jetzt fragst du: „Wer kann mir das Ergebnis der nächsten Aufgabe sagen?“ Drei melden sich. Alle drei antworten richtig.
Kann die Klasse jetzt allein weiterarbeiten?
So sah es in den Heften der anderen 24 aus:
13 von 27 können es noch nicht.
Wer sich meldet, kann es meistens. Deshalb sagen drei richtige Meldungen fast nichts über die übrigen 24. Das ist dieselbe Falle wie „Alles klar?“ in Woche 8: Du erfährst etwas über die, die sich sicher fühlen, nicht über die Klasse.
Die Lösung kennst du aus Stunde B: Alle schreiben die Antwort auf ein Whiteboard und halten es gleichzeitig hoch. In fünf Sekunden siehst du 27 Antworten statt drei.
Die zehn grünen Minuten aus Stunde B.
Mathematik, Klasse 7, Prozentwert. Die Lehrerin hat ein Beispiel vorgerechnet. Jetzt üben alle gemeinsam. Ordne jedem Moment zu, was die Lehrerin dort vor allem tut.
Vier Dinge, die gemeinsames Üben ausmachen
Die Lehrerin hat nichts vorgerechnet. Sie hat alles erfragt, aber in einer Reihenfolge, die trägt. Alle haben jede Aufgabe geschrieben, Zuschauen war nicht vorgesehen. Die Hilfe wurde von Aufgabe zu Aufgabe weniger. Und sie hat mehrmals die Antworten aller gesehen, nicht die von drei Freiwilligen.
Das ist das ganze We do in vier Sätzen.
Keine Klappe, sondern eine Treppe.
Der Übergang vom Zusehen zum Selbermachen passiert nicht auf einmal. Er gelingt über vier Stufen, auf denen die Hilfe weniger wird. Stunde A ist von Stufe 1 direkt auf Stufe 4 gesprungen.
Das Tempo entscheidet
Die Treppe zu bauen ist nicht schwer. Schwer ist, im richtigen Moment eine Stufe weiterzugehen. Die nächste Stufe beginnt erst, wenn die jetzige trägt, also wenn du bei allen gesehen hast, dass etwa vier von fünf richtig liegen. In Station 6 übst du diese Entscheidung.
Ist das eine echte Stufe 2?
Der häufigste Baufehler: Stufe 2 lässt ausgerechnet die schwierigste Stelle offen. Dann ist es keine Stufe, sondern ein verkleideter Sprung. Die erste Lücke soll eine leichte sein.
Checkliste gemeinsames Üben
- Alle schreiben mit, nicht nur die Lehrkraft an der Tafel.
- Du fragst die Schritte ab, statt sie vorzusagen.
- Du weißt, auf welcher Stufe der Treppe ihr gerade seid.
- Auf jeder Stufe siehst du mindestens einmal die Antworten aller.
- Erst wenn etwa vier von fünf richtig liegen, geht es eine Stufe weiter oder in die Einzelarbeit.
Bau eine Treppe für dein eigenes Thema.
Nimm eine Aufgabe, die deine Klasse in den nächsten zwei Wochen können soll. Schreib für jede Stufe eine konkrete Aufgabe auf. In Textfächern ist Stufe 1 ein Musterabsatz, Stufe 2 derselbe Absatz mit Lücken, Stufe 3 der erste Satz plus Gliederung.
Selbstprüfung
Eine falsche Antwort. Was sagst du?
Der Reflex ist, die Lösung zu sagen, denn die Zeit ist knapp. Aber wer die Lösung sagt, hat selbst geübt, nicht der Schüler. Besser: die kleinste Hilfe zuerst, und nach jeder Hilfe gibst du die Aufgabe zurück.
Break It Down: Hilfen von klein nach groß, dann erst die Lösung
- 1Hinweis: „Schau noch einmal auf …“
- 2Beispiel: „Vorhin bei Aufgabe 1 haben wir zuerst …“
- 3Regel: „Was sagt unsere Merkregel über …?“
- 4Erster Schritt: vormachen, den Rest zurückgeben.
Die Lösung kommt nur, wenn nichts davon trägt. Dann erklärt der Schüler den Weg noch einmal mit eigenen Worten.
Nicht verwechseln: Die Treppe aus Station 3 planst du vorher für die ganze Klasse. Die Hilfen von klein nach groß gibst du spontan, wenn einzelne Schüler hängen.
Wähle bei jedem Fall deine nächste Hilfe. Der Schüler reagiert darauf. Ziel ist, mit der kleinsten Hilfe auszukommen, die gerade reicht.
Die Antworten aller entscheiden, nicht die Uhr.
In Stunde B lagen bei der dritten gemeinsamen Aufgabe 22 von 27 richtig. Die Einzelarbeit begann, und die fünf anderen kamen an den Vordertisch. Trag ein, was deine Whiteboards zeigen.
Warum so streng?
Wer zwanzig Minuten allein falsch übt, hat den Fehler eingeübt. Umlernen dauert länger als lernen. Die fleißige Einzelarbeit kann also schaden, wenn das gemeinsame Üben davor gefehlt hat.
Richtwert aus Woche 8: Beim gemeinsamen Üben neuer Inhalte zeigen etwa vier von fünf richtige Antworten, dass es allein weitergehen kann. In der Einzelarbeit und bei Wiederholungen soll es dann fast fehlerfrei laufen.
Fünf Fragen zu Woche 11, zwei zur Wiederholung.
F6 (Freitext): Ein Schüler sagt beim gemeinsamen Üben: „Yesterday I have seen him.“ Schreib deine ersten drei Hilfen wörtlich auf, ohne die Lösung zu verraten.
Muster: 1. Hinweis: „Schau auf das erste Wort des Satzes.“ 2. Beispiel: „Yesterday I ___ football. Wie hieß das vorhin?“ 3. Regel: „Was macht ein Signalwort wie yesterday mit der Zeitform?“ Die Lösung sagst du nicht.
Dein Action Step für diese Woche.
Wähle einen Action Step.
Noch keine Whiteboards? Laminierte Klarsichthüllen mit einem weißen Blatt und ein Folienstift kosten fast nichts. Wie die Schule einen Klassensatz beschafft, klärt dein Coach.
Gemeinsam geübt?
Trag nach drei Stunden dieser Woche kurz ein, wie der Übergang in die Einzelarbeit lief.
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📌 Erinnerung: Bring zu Woche 12 den Sitzplan deiner Hauptklasse mit (Kopie oder Foto).
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