MODUL 2
Woche 2 · Block 1: Klassenführung & Routinen · Fortbildung Sek I/II

Die Stunde hat zwei Zäsuren.

Wie gewinnst du die ersten fünf Minuten jeder Stunde – und wie beendest du sie so, dass morgen genauso beginnt? Deine Stunde hat zwei Zäsuren, nicht eine. In ca. 32 Minuten baust du beide zum präzisen Werkzeug aus.

Dein Weg durch dieses Modul

Der Zeitrechner (was dein Stundenstart wirklich kostet) → Kontrastpaar A/B → die 7 Schritte in Reihenfolge → dein eigenes Skript → Szenario-Simulator mit Störkarten → der Do-Now-Baukasten → das geordnete Ende → Quiz → dein Action Step.

⏱ ca. 32 Min. 📖 Kernquellen: Lovell/Dowley, Routine 1 & 12; Lemov T20, T51, T31 🔒 Ergebnisse nur für dich & deinen Coach

Station 1 · Hook: Der Zeitrechner

Was kostet dich dein Stundenstart wirklich?

Trag ein, wie viele Stunden du pro Woche unterrichtest und wie viele Minuten im Schnitt „verloren gehen" – Ankommen, Kramen, Ermahnen, bis wirklich alle im Stoff sind.

Station 2 · See it: Dieselbe Lehrkraft, zwei Ergebnisse

Variante A und Variante B – lies genau.

Beide Male will dieselbe Lehrkraft dasselbe: einen ruhigen, klaren Start. Nur bei einer Variante gelingt er.

Variante A (schwach)

Kommt herein, redet schon im Gehen: „Ja, guten Morgen, setzt euch, wir haben heute viel vor…" – sortiert Unterlagen am Pult. Die Hälfte steht halb, Getuschel läuft weiter, irgendwann beginnt der Unterricht – niemand könnte sagen, wann eigentlich.

Variante B (stark)

Kommt herein, geht wortlos zum festen Punkt (Mitte vorn), stellt sich ruhig hin, Blick durch den Raum. Wartet. Auch als zwei noch tuscheln: wartet freundlich weiter, 8 Sekunden, Blick zu den beiden. Stille. Alle stehen. Dann warm: „Guten Morgen, 9b." – Antwort abwarten – „Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: Starter an der Tafel, vier Minuten, still." Timer startet sichtbar mit dem Setz-Signal. Bleibt vorn stehen und scannt (geht demonstrativ NICHT ans Pult).

Markiere die 3 tatsächlichen Unterschiede.

Sechs Aussagen, drei davon beschreiben einen echten Unterschied zwischen A und B. Tippe deine Auswahl an, dann „Prüfen".

Was zählt, ist Handlung – nicht Eindruck: Der feste Punkt statt Sortieren am Pult, das Warten auf 100 % statt sofortigem Grüßen, und das Scannen statt des sofortigen Wegdrehens zum Rechner. Das sind die drei Stellschrauben, an denen du diese Woche arbeitest.

Station 3 · Name it: Die 7 Schritte

Bring die Schritte in die richtige Reihenfolge.

Tippe die Karten in der Reihenfolge an, in der sie ablaufen – vom ersten bis zum letzten Schritt. Ein Klick auf eine ausgewählte Karte nimmt sie wieder heraus. Danach „Prüfen".

Schritt 3 ist der Qualitätsschritt.

„Warten auf 100 %" entscheidet, ob die Zäsur wirklich funktioniert. Wer in die Unruhe hineingrüßt, unterschreibt zweimal täglich denselben Vertrag: „Halbherzig reicht hier." Das ist Modell 4 aus dem Auftakt – ihr unterrichtet eine Norm, ob ihr wollt oder nicht.

Station 4 · Do it: Skript-Editor

Skripte deine eigene Begrüßungsroutine.

Fülle die dreispaltige Vorlage für dich aus. Pflichtfelder sind der Gruß und das Setz-Signal/der Starter-Satz – der Rest darf stichwortartig bleiben. Diese Seite wird deine erste offizielle Playbook-Seite.

Vorschau deiner Routine

Station 5 · Do it: Szenario-Simulator

Vier Störkarten. Was tust du?

Wähle bei jeder Situation die Reaktion, die deine Routine am wenigsten gefährdet.

Station 6 · Der Do-Now-Baukasten

Was ist eigentlich ein Do Now?

Der Begriff ist dir in der Demo und in Schritt 1 der Routine schon begegnet – hier kommt er auf den Punkt: Ein Do Now ist eine kurze, schriftliche Aufgabe, die an der Tafel steht, bevor du grüßt – und die deine Klasse ohne ein einziges Wort von dir beginnen kann.

Nach dem Setzen entsteht ein Moment, in dem alle im Raum dieselbe Frage im Kopf haben: „Was jetzt?" Beantwortest du sie nicht, beantwortet die Klasse sie selbst – verlässlich, und selten in deinem Sinne. Das Do Now beantwortet sie im Voraus.

Do Now ist nicht dasselbe wie dein Starter-Satz

Das Do Now ist die AufgabeSchriftlich, steht an der Tafel, wechselt täglich.
Der Starter-Satz ist der Verweis daraufMündlich, gesprochen, bleibt wörtlich gleich.

Die Kette lautet: Setz-Signal → Starter-Satz → Do Now → Timer.

Drei Kriterien – mehr braucht es nicht

Ohne Erklärung lösbarWenn die Klasse dich zum Starten braucht, hast du nichts gewonnen – dann steht in Sekunde zehn die Frage-Traube am Pult.
SchriftlichNicht nur, weil es zum Denken zwingt: Beim Scannen siehst du auf einen Blick, wer arbeitet und wer so tut.
Drei bis fünf MinutenKurz genug, dass niemand hängen bleibt – lang genug, dass du Anwesenheit, Nachzügler und Technik in Ruhe erledigst.

Inhaltlich ideal ist Wiederholung – Stoff von gestern, von letzter Woche, vom letzten Halbjahr. Warum ausgerechnet Wiederholung so mächtig ist, verstehst du in Block 3. Heute reicht: Sie funktioniert immer, sie braucht keine Einführung, und sie startet das Denken, statt es erst aufzuwärmen.

Kein Do Now ist …

… eine Hinführung zum neuen ThemaKlingt elegant – erzeugt aber genau die Frage-Traube, die die Routine verhindern soll. Neues braucht dich; das Do Now soll ohne dich laufen.
… eine mündliche AnsageDann siehst du nicht, wer arbeitet – und wer die Ansage verpasst hat.
… eine Beschäftigung nur für die SchnellenAlle sollen sofort starten, nicht nur die, die ohnehin fertig wären.
… eine benotete LeistungDas Do Now ist ein Startsignal, keine Prüfung.

Jetzt du: eine Aufgabe, die sofort funktioniert.

Wähle dein Fach, sieh dir das Beispiel an – und formuliere danach deine eigene Aufgabe für nächste Woche.

Station 7 · Die zweite Zäsur: das Ende

Und jetzt drehen wir die Stunde um.

Deine Stunde hat zwei Zäsuren, nicht eine – und die zweite unterrichtet die Norm für die erste von morgen. Wer im Klingel-Chaos endet, startet morgen genau dort.

Ein Unterschied vorweg: Für den Anfang gibt dir die Schule das Ritual vor – aufstehen, Gruß, setzen. Für das Ende gibt sie dir nichts. Bei uns steht zum Schluss niemand noch einmal auf; jede Lehrkraft macht es, wie sie es macht. Das heißt nicht, dass das Ende weniger wichtig wäre – es heißt, dass du es selbst bauen musst.

Drei dieser sechs Sätze setzen die falsche Norm.

Tippe die drei an, die dir das Ende der Stunde kaputt machen – dann „Prüfen".

Alle drei Fallen fühlen sich großzügig an – und alle drei unterrichten dieselbe Norm: Das Ende gehört nicht mehr zur Stunde. Was du am Ende zulässt, bekommst du am Anfang zurück.

Die drei Bausteine

E1 · PufferPlane das Ende auf drei Minuten VOR dem Klingeln. Der Rest ist Reserve – nie umgekehrt. Wer bis zur Sekunde plant, endet immer im Chaos.
E2 · Abschluss auf SignalGepackt wird auf Ansage, nicht auf Verdacht. Verabschiedet wird bewusst: fester Satz, feste Position, Blick durch die Klasse. Ob die Klasse dabei sitzt oder steht, entscheidest du – dafür gibt es keine Hausregel. Pflicht ist nur die Konstanz.
E3 · ReservekartenBleiben zwei Minuten übrig, hast du zwei, drei Abruf-Fragen zur Stunde parat. Leerlauf am Ende ist die teuerste Minute des Tages – weil sie die Norm setzt.

Drei Minuten Puffer. Packen auf Signal. Abschied nach Skript.

Und wenn das Ende zerfasert? Dasselbe Werkzeug wie vorn: „Der Schluss war unruhig. Wir machen ihn noch einmal." Dreißig Sekunden, und die Norm steht wieder.

Die Ende-Zeilen deines Skripts.

Diese Zeilen vervollständigen deine Playbook-Seite aus Station 4 – Anfang und Ende auf einem Blatt.

Vorschau deines Endes

„Deinen Stundenanfang gibt dir die Schule. Dein Stundenende gehört dir – genau deshalb musst du es selbst bauen. Ein Abschied, der mal kommt und mal nicht, ist keine Zäsur, sondern ein Zufall."

Station 8 · Quiz

Sechs Fragen zu Woche 2 – plus zwei zur Auffrischung.

Rund 30 % der Fragen kommen aus den Vormodulen – so bleiben Auftakt und Woche 1 präsent.

Transfer (Freitext): Deine 8. Klasse braucht am Montag nach den Ferien 3 Minuten, bis alle stehen und still sind. Beschreibe dein Vorgehen in dieser Stunde UND deinen Plan für Dienstag.

Muster: Montag ruhig durchhalten, ggf. Do It Again + kurzer Erwartungs-Neustart mit Begründung; Dienstag: identischer Ablauf, auf Konstanz setzen. NICHT: das Ritual aufgeben oder mit Strafe drohen.

Transfer (Freitext): Deine Stunde endet regelmäßig im Klingelchaos. Beschreibe die drei Bausteine, mit denen du das ab Montag änderst – und den Satz, den du streichst.

Muster: Puffer drei Minuten vor dem Klingeln, Packen erst auf Signal, ein fester Abschiedssatz von der festen Position (Form frei wählbar, aber jedes Mal gleich) – plus zwei Reservekarten für übrig bleibende Minuten. Gestrichen wird „Ihr könnt schon mal leise packen".

Station 9 · Ein Schritt. Nicht sieben.

Dein Action Step für diese Woche.

Diese Woche zeigt sich, ob die Routine wirklich sitzt. Wähle deinen Action Step.

Stoppuhr-Tagebuch: Sekunden vom Setz-Signal bis ~90 % arbeiten

Der motivierendste Datenpunkt des Frühjahrs: Die Kurve sinkt fast immer über die Woche.

Exit-Karte (fließt anonymisiert in die Coaching-Planung ein)

Deine Ergebnisse teilen

„Bei Coach einreichen" schickt deine Antworten an deinen Coach. Der PDF-Export öffnet zusätzlich den Druckdialog deines Geräts für eine eigene Kopie – wähle dort „Als PDF speichern".

💡 Sicherste Variante bei Unterbrechung: „Fortschritt als Datei sichern" herunterladen und beim nächsten Öffnen auf dem Start-Bildschirm wieder hochladen.

„Nächste Woche: Was tun, wenn ihr MITTEN in der Stunde die Aufmerksamkeit zurückbraucht – und wie ihr Anweisungen gebt, die beim ersten Mal ankommen. Bringt eure Stoppuhr-Werte mit!"