Souveränität ist kein Charakterzug. Sie ist eine Sammlung von Verhaltensweisen.
Wie wirkst du ruhig und souverän – auch wenn du es (noch) nicht bist? Und wie klingst du warm und unnachgiebig zugleich? Drei Wochen lang ging es um Wortlaute. Heute geht es um den Körper, der sie spricht. Deine Klasse liest ihn schneller als deine Worte – und er ist trainierbar.
Dein Weg durch dieses Modul
Vier-Varianten-Demo → die vier Stellschrauben → Warm/Strict-Labor → Präsenz-Checkliste & Diagnose → Körper-Labor mit Selbstbewertung → dein Reset-Anker → Provokations-Simulator (C1–C3) → Quiz → dein Action Step.
Ein Wort vorweg: Dieses Modul ist körperlicher als alle bisherigen – du wirst laut sprechen, dich beobachten, dich zweimal albern fühlen. Das gehört dazu. Such dir für die Sprechübungen einen Ort, an dem dich niemand hört, dem du das nicht selbst erlaubt hast.
Ein Satz. Vier Körper. Vier Wirkungen.
Dieselbe Lehrkraft sagt viermal exakt denselben Satz: „Bücher zu. Stifte weg. Blick zu mir.“ Nur die Ausführung ändert sich. Ordne jeder Variante das Wirkungswort zu, das die Klasse spüren würde.
Der entscheidende Punkt: Variante 4 war nicht die lauteste – sie war die leiseste. Sie war langsamer, stiller und tiefer. Autorität ist fast nie Lautstärke. Lautstärke ist meistens ihr Ersatz.
Nicht lauter. Langsamer.
Vier Dinge, die du TUN kannst – ohne jemand anderes zu WERDEN.
Tippe jede Karte an: Sie zeigt dir, woran man die Stellschraube in Variante 4 hört – und was passiert, wenn sie fehlt.
Merksatz
„Erst der Körper, dann das Signal, dann die Worte – und bei Sturm: erst der Atem.“
Warm UND streng. Im selben Satz.
Der verbreitetste Irrtum im Lehrerzimmer ist das ODER: entweder der Nette oder der Strenge. Lemovs Videos zeigen durchgehend das UND – gleichzeitig, in einem Satz.
Das Muster:
„Weil [Zutrauen], [Standard].“
Der warme Ton trägt die formale Sache. Die Strenge ist die Verpackung des Zutrauens: Ein Standard, den ich bei dir hochhalte, ist ein Kompliment. Gesenkte Erwartungen sind die höflichste Form der Abwertung – und Jugendliche spüren das mit erschreckender Präzision.
Praktisch: freundlicher Ton + unverhandelbare Sache · Erklärung des Warum + keine Debatte über das Ob · Konsequenz heute + Neuanfang morgen.
Teil A · Hör genau hin: Was ist was?
Ordne jedem Satz zu, was er tatsächlich transportiert. Danach „Auflösung zeigen“.
Teil B · Deine zwei Sätze
Zwei reale Situationen. Formuliere je einen Satz nach dem Muster „Weil [Zutrauen], [Standard].“ – die Prüfung schaut, ob wirklich beides drin ist.
An der Tafel stünde das hier.
Stand fest & zugewandt? · Hände ruhig? · Register bewusst gewählt? · Pause davor + danach? · Satzende unten? · Bei einer Anforderung: Wärme UND Sache hörbar (Warm/Strict)? · Bei Provokation: erst Anker, dann Reaktion?
Diagnose: Welche Stellschraube ist verletzt?
Wähle bei jeder Szene an, welche der vier Stellschrauben nicht sitzt. Manche Szenen sind sauber – dann wählst du nichts. Danach „Auflösung zeigen“.
Jetzt sprichst du. Zweimal.
Standard-Ansage: „Bücher zu. Stifte weg. Blick zu mir.“ Sprich sie zweimal laut – zuerst so, wie du sie heute im Unterricht sagen würdest, dann bewusst als Variante 4. Nach jedem Durchgang hakst du selbst ab, was gestimmt hat.
🔒 Diese SPA nimmt nichts auf und braucht keinen Mikrofonzugriff. Wenn du dich zusätzlich mit dem Handy filmen willst: gern – der Clip bleibt auf deinem Gerät. In Woche 7 arbeiten wir systematisch mit Videoselbstanalyse; das hier ist die Vorübung.
Durchgang A · So, wie du es heute sagen würdest
Erst sprechen, dann ankreuzen – nicht umgekehrt.
Durchgang B · Bewusst Variante 4
Fester Stand · 2 Sekunden Pause davor · ruhig und tief · Satzenden fallen ab · danach Stille.
Registerwechsel-Übung
Sprich direkt hintereinander: (1) eine formale Ansage – ruhig, tief, kurz, Satzende unten. (2) ein warmes Lob – beweglicher, heller, näher. Der hörbare Schalter dazwischen ist das Lernziel.
Wie bleibst du konstant, wenn innen der Puls auf 140 geht?
Nicht durch Willenskraft im Moment, sondern durch einen vorbereiteten Mini-Ablauf. Drei Teile: ein Auslöser, den du kennst. Ein Körperanker, der zwei Sekunden dauert und nach nichts aussieht. Ein innerer Satz. Erst der Anker, dann die Reaktion.
Zwei Sekunden Verzögerung sind kein Autoritätsverlust – sie SIND die Autorität.
Deine Anker-Karte
Diese Karte landet im PDF-Export – im A7-Format zum Ausschneiden fürs Mäppchen oder Portemonnaie.
Härtetest: dreimal durchspielen
Der Anker wirkt erst, wenn er im Stress abrufbar ist – also muss er im Ruhezustand geübt werden. Lies die Provokation, lauf deinen Anker sichtbar durch, sprich deine Reaktion laut. Dreimal, steigend.
Drei Störkarten, jede in zwei Zügen.
Erst der erste Zug (was tust du in der ersten Sekunde?), dann der zweite (was sagst oder tust du danach?). Die Steigerung ist Absicht: C1 kitzelt, C3 zielt.
Fünf Fragen zu Woche 4 – plus zwei zur Auffrischung.
Rund 30 % der Fragen kommen aus den Vormodulen – so bleiben Woche 1 bis 3 präsent.
Transfer (Freitext): Beschreibe deine Reaktion auf C3 („Das bringt doch eh nichts, was Sie hier machen!“) in vier Schritten – Körper, innerer Satz, Wortlaut, Nachbereitung.
Muster: Körper – Fersen spüren, langsam ausatmen, stehen bleiben. Innerer Satz – „Nicht persönlich. Modell 4.“ Wortlaut – formal und kurz: „Das klären wir nach der Stunde. Jetzt: Aufgabe 2.“ Keine inhaltliche Verteidigung vor Publikum. Nachbereitung – kurzes Gespräch nach der Stunde (W.I.N. folgt in W7), Vorfall ggf. notieren, eigenen Ärger später und privat verarbeiten.
Dein Action Step für diese Woche.
Präsenz entsteht nicht im Modul, sondern in der Wiederholung. Wähle einen Schritt – und nur einen.
Abend-Journal: ein Satz pro Tag
Kein Bericht, keine Bewertung – ein Satz dazu, wie es sich angefühlt hat.
Strichliste: Wie oft habe ich den Reset-Anker gezogen?
Jedes Mal, wenn Gereiztheit aufkam und du VOR der Reaktion den Anker durchlaufen hast.
Hier gibt es keine Zielrichtung nach unten: Die Zahl zeigt nur, wie oft du in Reichweite von Ärger warst – und den Anker tatsächlich gezogen hast statt reflexhaft zu reagieren.
Exit-Karte (fließt anonymisiert in die Coaching-Planung ein)
Deine Ergebnisse teilen
„Bei Coach einreichen“ schickt deine Antworten an deinen Coach. Der PDF-Export öffnet zusätzlich den Druckdialog deines Geräts – dort ist auch die Anker-Karte zum Ausschneiden dabei.
💡 Sicherste Variante bei Unterbrechung: „Fortschritt als Datei sichern“ herunterladen und beim nächsten Öffnen im Menü (☰ Stationen) wieder hochladen.