100 % ist kein Härtegrad. Es ist die kleinste Intervention, die wirkt.
22 von 25 folgen deiner Anweisung. Drei nicht. Ihr fahrt trotzdem fort – gute Quote, oder? Die Wahrheit: Ihr habt gerade neu verhandelt, für wen eure Anweisungen gelten. Heute lernst du die Interventionsleiter – sechs Stufen, mit denen du 100 % erreichst, ohne den Unterricht auch nur eine Sekunde zu unterbrechen.
Dein Weg durch dieses Modul
Das 97 %-Gedankenexperiment → drei Antworten auf dieselbe Störung → die sechs Stufen der Leiter → Interventions-Simulator (Kernstück) → Radar: Position & Scannen → Stufen-Tagebuch → Quiz → dein Action Step.
22 von 25 folgen. Ist das nicht schon gut genug?
Du gibst eine Anweisung: „Stifte weg, Blick zu mir.“ 22 von 25 folgen. Drei schreiben weiter. Du fährst fort – ist ja fast alles still, 88 Prozent, gute Quote. Frage: Was hast du der Klasse damit gerade beigebracht?
Auflösung: Du hast öffentlich neu verhandelt, für wen Anweisungen gelten. Ab jetzt ist die spannende Frage jeder Anweisung nicht mehr OB sie gilt, sondern für WEN. Und diese Verhandlung führt die Klasse jede Stunde neu – mit wechselnden Dreiergruppen. Die Ausnahme wird zur Norm, wenn sie folgenlos sichtbar ist.
Und bevor jemand erschrickt: 100 % erreicht man nicht mit Härte. Man erreicht es mit dem GEGENTEIL – mit Interventionen, die so klein sind, dass sie den Unterricht gar nicht erst unterbrechen.
Das ist die Leiter.
Dieselbe Szene, dreimal gespielt.
Zwei Schüler:innen tuscheln bei Stillarbeit. Dieselbe Lehrkraft reagiert dreimal völlig unterschiedlich. Ordne jeder Antwort zu, was sie tatsächlich gekostet hat.
Der Trick: A hat die Störung besiegt und die Stunde gleich mit. B hat die Stunde geschont und die Störung gedüngt. C hat beides erhalten – die kleinste Intervention, die wirkt, so leise wie möglich, und der Unterricht läuft WEITER.
Nicht besiegen. Auflösen.
So niedrig wie möglich. So kurz wie möglich. So privat wie möglich.
Tippe jede Stufe an: Sie zeigt dir den Wortlaut und was sie an Unterrichtszeit kostet.
Merksatz
So niedrig, so kurz, so privat wie möglich – und danach sofort zurück zum Stoff.
Für erfüllte Anweisungen gilt: Anerkennung, kein Festakt. Ein „Danke“ genügt – wer Grundverhalten bejubelt, erklärt es zur Ausnahme.
Kalibrierung: Welche Stufe zuerst?
Vier Mini-Situationen. Wähle jeweils die Einstiegsstufe (1–6) – die kleinste, die wahrscheinlich reicht.
Acht Störungen. Deine Einstiegsstufe.
Wähle bei jeder Situation die Stufe (1–6), mit der du einsteigen würdest – die kleinste, die realistisch wirkt. Zu hoch eingestiegen kostet Unterricht und Gesicht, zu niedrig kostet Zeit.
Die beste Intervention ist die, die du nicht brauchst.
Weil du früh dran warst. Zwei Gewohnheiten tragen das: eure Position im Raum und das Scannen als Reflex nach jeder Anweisung.
Wo stehst du bei Stillarbeit am besten?
Deine Radar-Planung
Trag für deinen eigenen Raum ein, was Lemov „Pastore's Perch“ nennt – benannt nach einer Lehrerin, die von ihrem Platz aus die Klasse las wie ein Buch.
Wie oft hat Stufe 1 diese Woche gereicht?
Kein Bericht, keine Bewertung – nur ein Satz pro Tag und eine Zahl. Hier gibt es keine Zielrichtung nach unten: Die Zahl zeigt nur, wie oft du in Reichweite einer Störung warst – und wie klein deine Reaktion war.
Abend-Journal: ein Satz pro Tag
Strichliste: Wie oft hat Stufe 1 (nonverbal) gereicht?
Jedes Mal, wenn ein Blick oder Nähe allein die Störung beendet hat – ohne ein Wort.
Sechs Fragen zu Woche 5 – plus drei zur Auffrischung.
Rund 30 % der Fragen kommen aus den Vormodulen – so bleiben Woche 3 und 4 präsent.
Transfer (Freitext): Minute 20, Stillarbeit. Ein Schüler pfeift leise vor sich hin, zwei andere grinsen schon. Beschreibe deine ersten zwei Züge inkl. Begründung der Stufenwahl.
Muster: Stufe 1 – Nähe + Blick beim Weitergehen. Wirkt es nicht in ~10 Sek.: Stufe 4 – leise, privat: „Ohne Pfeifen, danke.“ Begründung: klein starten, Publikum entziehen, Unterricht läuft weiter.
Dein Action Step für diese Woche.
Die Leiter wird erst zum Reflex durch Wiederholung. Wähle einen Schritt – und nur einen.
Exit-Karte (fließt anonymisiert in die Coaching-Planung ein)
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