Jede Korrektur ist eine Abhebung. Was, wenn das Konto schon leer ist?
Woche 5 hat euch die Interventionsleiter gegeben – ihr könnt jetzt korrigieren, ohne den Unterricht zu unterbrechen. Heute geht es um die Kehrseite: Wie ihr korrigiert, sodass die Beziehung dabei WÄCHST statt leidet. Zwei Sprachwerkzeuge, ein Konto, ein Verhältnis: 3:1.
Dein Weg durch dieses Modul
Das Beziehungskonto → das Grammatik-Wunder → zwei Sprachwerkzeuge im Zuordnungsspiel → Umformulierungs-Trainer mit Timer (Kernstück) → Lob-Qualitäts-Check → dein 3:1-Tracker → Quiz → dein Action Step.
Nicht die Bank mit dem Geld. Die mit der Beziehung.
Jede Interaktion mit einer Schülerin oder einem Schüler ist eine Buchung: Anerkennung, echtes Interesse, Lob – Einzahlung. Korrektur, Ermahnung, Konsequenz – Abhebung. Denk an deinen anstrengendsten Schüler, deine anstrengendste Schülerin.
Von einem roten Konto kann man nichts mehr abheben: Jede weitere Korrektur wird als Angriff verbucht, nicht als Führung. Lovell nennt das Prinzip „Bank positivity“ – wer korrigieren können will (und das MUSST ihr, Woche 5), braucht Guthaben.
Heute lernt ihr zwei Einzahlungs-Werkzeuge.
Gleicher Ton, gleiche Länge, gleiches Ziel. Trotzdem ein Unterschied.
Zu jeder Ansage gibt es zwei Umformulierungen – nur eine davon ist echtes Positive Framing. Die andere trägt das Fehlverhalten weiter, oft getarnt mit einem Giftwort. Finde die echte.
Die Formel: Ich sehe [den erfüllenden Teil] – ich will [den Zielzustand]. Dazu: anonym korrigieren, namentlich loben – nie umgekehrt.
Und die Falle: Ein Satz, der weiter das Fehlverhalten beschreibt – auch in freundlichem Ton, auch ohne Schimpfwort – macht dieses Verhalten zur sichtbaren Norm. „Hier wird immer gequatscht“, sagt die Grammatik, auch wenn niemand das Wort „immer“ ernst meint.
Nicht das Fehlverhalten beschreiben. Den Zielzustand.
Zwei Formeln. Plus ein Rückruf aus Woche 4.
Positive Framing
„Ich sehe [erfüllender Teil] – ich will [Zielzustand].“
Annahme des Guten: „Ihr habt vergessen …“ · anonym korrigieren, namentlich loben · Ironie-Verbot.
Precise Praise
konkret · verdient · prozessbezogen
Sonst ist es keine Einzahlung, sondern Falschgeld. Verdient heißt: über dem Grundstandard – für bloßes Erfüllen reicht Anerkennung („Danke“). Prozessbezogen heißt: das Vorgehen loben, nicht die Person. Kein Lobsandwich (Lob–Kritik–Lob) – Schüler:innen durchschauen es, und jedes Lob wird zum Vorboten einer Kritik.
Rückruf Woche 4
Warm/Strict: „Weil [Zutrauen], [Standard].“
Der Register-Zwilling von heute: Framing ist die Grammatik der Gruppenansprache, Warm/Strict die der Einzelansprache.
Zuordnungsspiel: Welches Werkzeug ist das?
Neun Lehrersätze. Tippe die passende Kategorie an.
Die Umformulierung muss schneller werden als der Ärger-Reflex.
Erst die Rekordjagd: 60 Sekunden, so viele Ansagen wie möglich laut umformulieren. Danach übe schriftlich, mit sofortigem Formel-Check.
Schriftliches Training mit Formel-Check
Tippe deine Umformulierung ein – wir prüfen live auf erfüllenden Teil, Zielzustand und Giftwörter (endlich, schon wieder, immer, nie …).
Ist das ein präzises Lob – oder Falschgeld?
Schreib ein Lob, das du diese Woche wirklich aussprechen könntest. Prüfe es dann selbst gegen den Dreiklang.
Der Dreiklang – tippe an, was zutrifft
Drei Einzahlungen pro Abhebung. Gezählt, nicht gefühlt.
Trag für eine Stunde pro Tag ehrlich mit: wie oft Anerkennung/Lob (+), wie oft Korrektur (–). Ironie zählt als –.
Sieben Fragen zu Woche 6 – plus Auffrischung.
Ein Teil der Fragen kommt aus den Vormodulen – so bleiben Woche 3–5 präsent.
Transfer (Freitext): Ein leistungsstarker Schüler gibt eine hingeschluderte Arbeit ab. Formuliere deine Rückmeldung als Warm/Strict-Satz plus einen präzisen Prozess-Hinweis.
Muster: „Weil ich weiß, was du kannst, nehme ich das so nicht an – bis morgen mit Proberechnung. Dein Ansatz in Aufgabe 2 war übrigens der eleganteste im Kurs: DEN will ich sauber ausgeführt sehen.“
Dein Action Step für diese Woche.
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