Was genau sollen meine Schüler am Ende können, und woran erkenne ich es?
In Woche 8 hast du unter dein Stundenprofil einen Satz geschrieben: Was sollten am Ende alle können? Vielen fällt dieser Satz schwer, und oft steht dort ein Thema statt eines Ziels. Heute geht es um diese erste Frage, denn ohne sie lassen sich die anderen vier nicht beantworten.
Dein Weg durch dieses Modul
Du erkennst zuerst die zwei häufigsten Planungsfehler an zwei inneren Monologen. Dann lernst du, rückwärts zu planen, vom Ziel aus. Du prüfst Formulierungen daraufhin, ob sie ein Ziel oder nur ein Thema beschreiben, und legst dann für eine echte Stunde der nächsten Woche ein Mindestziel und weiterführende Meilensteine fest. Zum Schluss schreibst du die Antwort auf, die du von deinen Schülern sehen willst, bevor du irgendeine Methode wählst.
📌 Nimm das Thema einer Stunde, die du nächste Woche hältst. Du brauchst es in Station 4.
Frage 1 aus Woche 8
Ziel: Was sollen am Ende alle können, und woran sehe ich das?
Keine Rosenshine-Nummer: Das Ziel ist die Voraussetzung für alle zehn Prinzipien. Ob die Stunde es erreicht hat, zeigt das Exit Ticket (Woche 13).
Erkennst du dich in einem der beiden?
Zwei Lehrkräfte planen ihre Woche. Beide fühlen sich dabei gut vorbereitet. Lies beide Monologe und finde die Frage, die in beiden Köpfen fehlt.
„Ich hab bei Instagram dieses geniale Gruppenpuzzle zur Französischen Revolution gesehen – mit Rollenkarten und allem. Das muss ich machen. Okay… was war nochmal eigentlich das Thema diese Woche? Egal, das pass ich an. Die Stunde wird super.“
Planer A · Aktivitätsfokus
„Kapitel 7 muss bis Freitag durch, sonst schaffe ich Kapitel 8 nicht vor den Ferien. Also: Montag Seite 84 bis 87, Mittwoch 88 bis 91, die Aufgaben 1 bis 6, Freitag Rest. Puh. Eng, aber machbar.“
Planer B · Abdeckungsfokus
Beiden fehlt dieselbe Frage: „Was lernen sie dabei?“
A plant Beschäftigung: Die Frage „Was tun die Schüler?“ hat die Frage „Was lernen sie?“ verdrängt. B plant das Durchkommen: Der Stoff ist durch, aber ob die Schüler mitgekommen sind, steht auf keinem Zettel. Grant Wiggins und Jay McTighe nennen das die zwei Kardinalfehler der Planung, McCrea baut darauf auf. Das Gegenmittel ist leicht gesagt und schwer getan.
Fang am Ende an.
Die Planungsreihenfolge, die trägt.
Zuerst „Was sollen sie am Ende können?“, dann „Woran erkenne ich das?“ und ganz zuletzt „Welche Aktivität bringt sie dahin?“. Das Bauchgefühl geht genau andersherum.
So fühlt es sich an (Bauchgefühl)
So trägt es (Backwards Design)
Was Lemov beobachtet
Wiggins und McTighe nennen diese Reihenfolge Backwards Design. Lemov beschreibt bei den Lehrkräften, die er beobachtet und filmt, dieselbe Gewohnheit: Sie überlegen sehr genau, was am Ende herauskommen soll, und stecken vergleichsweise wenig Mühe in die Suche nach Aktivitäten. Das ist umgekehrt zum Bauchgefühl.
„Am Ende anfangen“ heißt nicht „mehr planen“. Es heißt, die ersten zehn Minuten der Planung anders zu nutzen.
Ziel → Nachweis → Aktivität. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Ein Mindestziel und drei Prüfsteine.
Mindestziel
Was sollen am Ende alle können?
Das ist Frage 1 aus Woche 8, und genau das prüft später dein Exit Ticket. Darauf bauen zwei bis vier weiterführende Meilensteine für die Stärkeren auf.
Aufbauend
Die Ziele bauen aufeinander auf.
Ansteigend
Es wird von Ziel zu Ziel anspruchsvoller: Das erste schaffen fast alle, das letzte die Stärkeren.
So ist die Differenzierung schon eingebaut.
Prüfbar
Du kannst zu jedem Ziel eine Aufgabe stellen.
Wer eine Aufgabe stellen kann, hat automatisch ein klares Ziel.
Zwei weitere Prüffragen
Idealantwort-Frage: „Habe ich die Idealantwort zum Mindestziel selbst ausformuliert?“
Reihenfolge-Regel: Ziel → Nachweis → Aktivität (nie andersherum).
Ziel oder Thema? Tippe an.
Sechs Formulierungen. Manche beschreiben nur ein Thema, andere sagen, was die Schüler am Ende können (Ziel).
Erst eichen, dann selbst bauen.
Vier Beispielketten aus vier Fächern. Zwei tragen, zwei nicht. Finde heraus, welche.
Dein Mindestziel und deine Meilensteine
Nimm das Thema einer echten Stunde der kommenden Woche. Leg zuerst fest, was am Ende alle können sollen. Bau dann zwei bis vier Meilensteine, die darauf aufbauen und anspruchsvoller werden.
Schreib die ideale Schülerantwort. Vorher.
Nicht die Aufgabe, sondern die Antwort. Und zwar zu der Aufgabe, die dein Mindestziel prüft.
💡 Die Scheiter-Stelle brauchst du wieder: In Modul 10 zerlegst du genau dort deine Erklärung in kleinere Schritte (Frage 3), und in Modul 12 ist sie dein Suchauftrag beim Rundgang.
Fünf Fragen zu Woche 9, eine zur Wiederholung.
F6 (Freitext): Bau aus dem Thema „Wahlrecht ab 16“ (Politik, Kl. 10) ein Mindestziel und zwei weiterführende Meilensteine und schreib die Idealantwort zum Mindestziel.
Muster: Mindestziel „kann 2 Pro- und 2 Contra-Argumente nennen und eines mit Beleg/Beispiel entfalten“ → „kann eine begründete eigene Position in 5 Sätzen formulieren“ → „greift dabei ein Gegenargument auf und entkräftet es“. Idealantwort zum Mindestziel z. B.: „Ein Argument dafür ist, dass 16-Jährige von politischen Entscheidungen – etwa beim Klima – am längsten betroffen sind. Wer betroffen ist, sollte mitentscheiden dürfen; das zeigt sich auch daran, dass …“
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📌 Erinnerung für Woche 10: Bereite vor, wie du einen kleinen Inhalt aus deinem Fach in drei Minuten vormachst. Es gibt Mikroteaching.
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