MODUL 9
Woche 9 · Block 2 · Frage 1 · Fortbildung Sek I/II

Was genau sollen meine Schüler am Ende können, und woran erkenne ich es?

In Woche 8 hast du unter dein Stundenprofil einen Satz geschrieben: Was sollten am Ende alle können? Vielen fällt dieser Satz schwer, und oft steht dort ein Thema statt eines Ziels. Heute geht es um diese erste Frage, denn ohne sie lassen sich die anderen vier nicht beantworten.

Dein Weg durch dieses Modul

Du erkennst zuerst die zwei häufigsten Planungsfehler an zwei inneren Monologen. Dann lernst du, rückwärts zu planen, vom Ziel aus. Du prüfst Formulierungen daraufhin, ob sie ein Ziel oder nur ein Thema beschreiben, und legst dann für eine echte Stunde der nächsten Woche ein Mindestziel und weiterführende Meilensteine fest. Zum Schluss schreibst du die Antwort auf, die du von deinen Schülern sehen willst, bevor du irgendeine Methode wählst.

📌 Nimm das Thema einer Stunde, die du nächste Woche hältst. Du brauchst es in Station 4.

Frage 1 aus Woche 8

Ziel: Was sollen am Ende alle können, und woran sehe ich das?

Keine Rosenshine-Nummer: Das Ziel ist die Voraussetzung für alle zehn Prinzipien. Ob die Stunde es erreicht hat, zeigt das Exit Ticket (Woche 13).

⏱ ca. 30 Min. 📖 Kernquellen: Wiggins & McTighe, Understanding by Design (Backwards Design); McCrea, Lean Lesson Planning (Meilensteine); Lemov, Teach Like a Champion 3.0, T1 (Exemplar Planning) 🔒 Ergebnisse nur für dich & deinen Coach

Station 1 · Zwei innere Monologe

Erkennst du dich in einem der beiden?

Zwei Lehrkräfte planen ihre Woche. Beide fühlen sich dabei gut vorbereitet. Lies beide Monologe und finde die Frage, die in beiden Köpfen fehlt.

„Ich hab bei Instagram dieses geniale Gruppenpuzzle zur Französischen Revolution gesehen – mit Rollenkarten und allem. Das muss ich machen. Okay… was war nochmal eigentlich das Thema diese Woche? Egal, das pass ich an. Die Stunde wird super.“

Planer A · Aktivitätsfokus

„Kapitel 7 muss bis Freitag durch, sonst schaffe ich Kapitel 8 nicht vor den Ferien. Also: Montag Seite 84 bis 87, Mittwoch 88 bis 91, die Aufgaben 1 bis 6, Freitag Rest. Puh. Eng, aber machbar.“

Planer B · Abdeckungsfokus

Beiden fehlt dieselbe Frage: „Was lernen sie dabei?“

A plant Beschäftigung: Die Frage „Was tun die Schüler?“ hat die Frage „Was lernen sie?“ verdrängt. B plant das Durchkommen: Der Stoff ist durch, aber ob die Schüler mitgekommen sind, steht auf keinem Zettel. Grant Wiggins und Jay McTighe nennen das die zwei Kardinalfehler der Planung, McCrea baut darauf auf. Das Gegenmittel ist leicht gesagt und schwer getan.

Fang am Ende an.

Station 2 · Rückwärts planen

Die Planungsreihenfolge, die trägt.

Zuerst „Was sollen sie am Ende können?“, dann „Woran erkenne ich das?“ und ganz zuletzt „Welche Aktivität bringt sie dahin?“. Das Bauchgefühl geht genau andersherum.

So fühlt es sich an (Bauchgefühl)

Aktivität
→
Nachweis
→
Ziel

So trägt es (Backwards Design)

1 · Ziel
→
2 · Nachweis
→
3 · Aktivität

Was Lemov beobachtet

Wiggins und McTighe nennen diese Reihenfolge Backwards Design. Lemov beschreibt bei den Lehrkräften, die er beobachtet und filmt, dieselbe Gewohnheit: Sie überlegen sehr genau, was am Ende herauskommen soll, und stecken vergleichsweise wenig Mühe in die Suche nach Aktivitäten. Das ist umgekehrt zum Bauchgefühl.

SzeneEine Kollegin hat ein Escape-Room-Spiel zur Französischen Revolution gefunden und sucht jetzt eine Stunde, in die es passt. Ein anderer Kollege schreibt zuerst auf, was seine Klasse am Ende können soll: „Kann drei Ursachen der Revolution nennen und eine davon mit einem Beispiel erklären.“ Dann überlegt er, woran er das sieht, und erst danach, was die Klasse tut.

„Am Ende anfangen“ heißt nicht „mehr planen“. Es heißt, die ersten zehn Minuten der Planung anders zu nutzen.

Ziel → Nachweis → Aktivität. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

Station 3 · Ziel oder Thema?

Ein Mindestziel und drei Prüfsteine.

Mindestziel

Was sollen am Ende alle können?

Das ist Frage 1 aus Woche 8, und genau das prüft später dein Exit Ticket. Darauf bauen zwei bis vier weiterführende Meilensteine für die Stärkeren auf.

Aufbauend

Die Ziele bauen aufeinander auf.

Ansteigend

Es wird von Ziel zu Ziel anspruchsvoller: Das erste schaffen fast alle, das letzte die Stärkeren.

So ist die Differenzierung schon eingebaut.

Prüfbar

Du kannst zu jedem Ziel eine Aufgabe stellen.

Wer eine Aufgabe stellen kann, hat automatisch ein klares Ziel.

Zwei weitere Prüffragen

Idealantwort-Frage: „Habe ich die Idealantwort zum Mindestziel selbst ausformuliert?“

Reihenfolge-Regel: Ziel → Nachweis → Aktivität (nie andersherum).

Ziel oder Thema? Tippe an.

Sechs Formulierungen. Manche beschreiben nur ein Thema, andere sagen, was die Schüler am Ende können (Ziel).

Station 4 · Meilenstein-Werkstatt

Erst eichen, dann selbst bauen.

Vier Beispielketten aus vier Fächern. Zwei tragen, zwei nicht. Finde heraus, welche.

Dein Mindestziel und deine Meilensteine

Nimm das Thema einer echten Stunde der kommenden Woche. Leg zuerst fest, was am Ende alle können sollen. Bau dann zwei bis vier Meilensteine, die darauf aufbauen und anspruchsvoller werden.

Mindestziel: Das sollen am Ende alle können

Station 5 · Von der Idealantwort her planen

Schreib die ideale Schülerantwort. Vorher.

Nicht die Aufgabe, sondern die Antwort. Und zwar zu der Aufgabe, die dein Mindestziel prüft.

SzeneEin Biologielehrer will, dass seine 8. Klasse „den Treibhauseffekt erklären kann“. Er setzt sich hin und schreibt die Antwort, die er sehen will. Nach dem dritten Satz stockt er: „Wärmestrahlung“ haben sie nie gelernt. Und dass die Erde selbst strahlt, weiß vermutlich niemand. Seine Stunde hätte an genau dieser Stelle einen Sprung gehabt, und er hätte es erst beim Korrigieren gemerkt.

💡 Die Scheiter-Stelle brauchst du wieder: In Modul 10 zerlegst du genau dort deine Erklärung in kleinere Schritte (Frage 3), und in Modul 12 ist sie dein Suchauftrag beim Rundgang.

Station 6 · Quiz

Fünf Fragen zu Woche 9, eine zur Wiederholung.

F6 (Freitext): Bau aus dem Thema „Wahlrecht ab 16“ (Politik, Kl. 10) ein Mindestziel und zwei weiterführende Meilensteine und schreib die Idealantwort zum Mindestziel.

Muster: Mindestziel „kann 2 Pro- und 2 Contra-Argumente nennen und eines mit Beleg/Beispiel entfalten“ → „kann eine begründete eigene Position in 5 Sätzen formulieren“ → „greift dabei ein Gegenargument auf und entkräftet es“. Idealantwort zum Mindestziel z. B.: „Ein Argument dafür ist, dass 16-Jährige von politischen Entscheidungen – etwa beim Klima – am längsten betroffen sind. Wer betroffen ist, sollte mitentscheiden dürfen; das zeigt sich auch daran, dass …“

Station 7 · Action Step

Dein Action Step für diese Woche.

Wähle einen Action Step.

Exit-Karte (fließt anonymisiert in die Coaching-Planung ein)

📌 Erinnerung für Woche 10: Bereite vor, wie du einen kleinen Inhalt aus deinem Fach in drei Minuten vormachst. Es gibt Mikroteaching.

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💡 Sicherste Variante bei Unterbrechung: „Fortschritt als Datei sichern“ herunterladen und beim nächsten Öffnen im Menü (☰ Stationen) wieder hochladen.

„Nächste Woche nehmen wir uns Frage 3 vor: das Erklären. Wie erkläre ich so, dass jemand folgen kann, für den der Stoff neu ist? Es geht um lautes Denken, um Beispiele und darum, warum ausgerechnet deine Fachkenntnis beim Erklären im Weg stehen kann. Jede und jeder erklärt drei Minuten lang vor der Gruppe. Bereite dafür einen kleinen Inhalt aus deinem Fach vor.“